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Das Leben der Unseren

Stationen eines langen Weges

(aus der Dokumentation „Das Leben der unseren“. Stadt Erlangen, 2007)

Das Jahr 1987 war für Erich Honecker zweifellos ein glückliches. Im Juni stattete er den Niederlanden einen offiziellen Staatsbesuch ab, im September war er beim Erzfeind, der „imperialistischen BRD“, zu Gast – mit allen von ihm gewünschten diplomatischen Ehrungen. Eine Einladung in die USA hoffte er, alsbald zu erhalten.

Doch für den pompösen Empfang in Bonn und in Erwartung neuer Kredite mußte er als Staats- und Parteichef einige Zugeständnisse machen und genehmigte Anfang 1986 die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft. Emissär in dieser Sache war der damalige Ministerpräsident des Saarlandes, Oskar Lafontaine (SPD), der im November 1985 Honecker in Ostberlin traf und dabei die Möglichkeiten kommunaler Zusammenarbeit zur Sprache brachte. Der rot-grüne Stadtrat von Saarlouis hatte bereits am 7. Dezember 1984 mehrheitlich beschlossen, eine Partnerschaft mit einer DDR-Stadt anzustreben, möglichst mit Halberstadt.

Am 10. März 1985 verschied Konstantin U. Tschernenko, Partei- und Staatschef der Sowjetunion. Viele bedeutende Politiker reisten zur Grablegung am 13. März nach Moskau, darunter Helmut Kohl und Erich Honecker. Aber keiner der Trauergäste ahnte im entferntesten, daß dem spätstalinistischen System nur wenig mehr als fünf Jahre vergönnt bleiben sollten, am wenigsten Honecker. Bei diesem dem diplomatischen Protokoll geschuldeten und unerwarteten deutsch-deutschen Gipfeltreffen im Kreml am Tag vor der Beisetzung ging Kohl das Thema innerdeutscher Beziehungen auf kommunaler Ebene an, und Honecker versprach, darüber nachzudenken.Er benötigte hierfür – bis zur Lafontaine-Visite – mehrere Monate. Lafontaine brachte nach seinem Besuch in Ostberlin im November 1985 Honeckers grundsätzliche Bereitschaft mit, über den Staatsrat deutsch-deutschen Städtepartnerschaften zustimmen zu wollen. Doch davon wurde die DDR-Öffentlichkeit nur am Rande unterrichtet.

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(OB Dietmar hahlweg anläßlich der Unterzeichnung der Städtepartnerschaftsurkunde 1987 in Jena. Der Morgenwind aus Erlangen weht ins Saaletal. Photo von Udo. B. Greiner.)

Die ersten vorsichtigen kommunalen Kontakte, Honeckers saarländischer Herkunft geschuldet, mündeten in der Paraphierung des Partnerschaftsvertrages Saarlouis–Eisenhüttenstadt am 25. April 1986. In der Folge schmückte sich Lafontaine gern mit seinem Vorstoß, innerdeutsche Beziehungen vorangetrieben und damit zur europäischen Entspannung beigetragen zu haben.

Diese Selbstdarstellung des Politikers stimmt jedoch in mehreren Punkten nicht: Sie läßt erstens Kohls Initiative außer acht, und Honecker wies zweitens Saarlouis eigenmächtig Eisenhüttenstadt zu, die „erste sozialistische Stadt der DDR“, bis 1961 „Stalinstadt“ genannt, und nicht das gewünschte Halberstadt. Lafontaine widersprach nicht. Und er vergaß auch, daß das fränkische Erlangen bereits 1970 als erste bundesdeutsche Kommune den Wunsch nach einer Städtepartnerschaft mit Jena geäußert und sogar offiziell auf den Weg gebracht hatte.

Heinz Voigt, Jena

Aus Platzgründen läßt sich hier leider nicht der ganze Artikel abdrucken. Wer aber die Geschichte der Partnerschaft en detail nachvollziehen möchte, sei auf den Artikel von Heinz Voigt in dem Periodikum „Gerbergasse 18“, Nr. 44 verwiesen, zu beziehen unter „Geschichtswerkstatt Jena“, Unterlauengraben 9, 07743, Jena od. www.geschichtswerkstatt-jena.de zum Preis von € 2,50. Sehr empfehlenswert!

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(Eine Station, von der geschichte überholt. Photo von Hilde Stümpel.)

Erst als Erich Honecker persönlich sein Einverständnis gab, konnte die partnerschaft geschlossen werden. Das historische Dokument als PDF-Datei.

Die Texte und Bilder sind ausschließlich für nichtgewerbliche Zwecke bestimmt. Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte liegen bei der Stadt Erlangen. Zuwiderhandlungen ziehen rechtliche Konsequenzen nach sich.

16.02.2009
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