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Das Leben der Unseren

Von der Kanzel ins Rathaus

(aus der Dokumentation "Das Leben der unseren", Stadt Erlangen 2007)

Freudensprünge und Tiefschläge – so beschreibt Albrecht Schröter sein erstes Jahr als Oberbürgermeister von Jena. Einen spontanen Satz aus dem Sitz löste bei ihm die Entscheidung des Deutschen Stifterverbandes aus, Jena zur „Stadt der Wissenschaft 2008“ zu küren. Andererseits sind da die Querelen um die Neustrukturierung des Dezernates für Stadtentwicklung.

Seit dem 1. Juli 2006 ist Albrecht Schröter der Dirigent im Rathaus. Im zweiten Anlauf hatte er sich im Kampf um das höchste Amt der Stadt gegen den CDU-Kandidaten mit 54,4% durchgesetzt. Nach Jahresfrist resümiert er, mache ihm die Arbeit so viel Spaß wie am ersten Tag, wenn sie ihn auch hin und wieder an die Grenzen des Machbaren bringe. Der Taktstock ist eben nicht so leicht zu führen, angesichts der oft divergierenden Meinungen im Stadtrat. Zu seiner ersten Kraftprobe dort wurde die Besetzung des Dezernentenpostens für Stadtentwicklung. Seinen Wunschkandidaten, so mußte er am Ende einsehen, vermochte er nicht durchzusetzen.

                         Schröter

Seine „Außenpolitik“ loben selbst Gegner. Ein Stichwort dafür ist das Thema „Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland“. Die Wirtschaftsförderung hat er zur Chefsache erhoben. Die Familienfreundlichkeit Jenas, schon jetzt bis in Berlin bekannt, hat Schröter sich auf die Fahnen geschrieben. Und die Partnerschaft mit Erlangen? „Ein hohes Gut, das es zu bewahren gilt!“

Bis in die 90er Jahre war der promovierte Theologe Pfarrer in Jena. Schon wegen dieser Profession hatte er für andere Menschen immer ein offenes Ohr, selbst wenn er deshalb seine Familie hintansetzen mußte. Bis heute fällt ihm das Neinsagen schwer. Doch das Leben hält auch Dissonanzen bereit. Für sein Streben nach allseitiger Harmonie erntet Albrecht Schröter gelegentlich Kritik, die ihm wehtut und die er oft nicht einfach wegstecken kann. Aber das Harmoniebedürfnis hat viel Gutes: Seine Mitarbeiter beschreiben ihn als aufmerksam und wißbegierig. Nie vergißt er die Geburtstage. Dabei ist es nicht wichtig, ob er sich vom Handy daran erinnern läßt. Mitunter wird im Rathaus gewitzelt, das Handy sei des OBs Lieblingsspielzeug und er versende sogar in Beratungen gelegentlich elektronische Mitteilungen.

Früher bezeichneten ihn Freunde manchmal als Träumer, notierte der eifrige Tagebuchschreiber einst in seinen Aufzeichnungen aus Wendezeiten. Doch manche Träume werden eben wahr… Sein Traum von einem freiheitlich demokratischen Staat brachte ihn damals zu verschiedenen Oppositionsbewegungen und lenkte damit den wachsamen Blick der Staatssicherheit auf den Theologen. Im Frühjahr 1989 befragte er mit einigen Mitstreitern vor Jenaer Wahllokalen die Bürger zu ihrem Votum – und strafte mit den Informationen die offiziellen Ergebnisse Lügen. Weiterem Ärger mit den staatlichen Organen entging er wohl nur, weil rechtzeitig die Mauer fiel und damit die Wiedervereinigung eingeleitet wurde. Im selben Jahr gehörte er zu den Mitbegründern des „Demokratischen Aufbruchs“. Als er dem DA zu „links“ wurde, trat er schweren Herzens aus und kandidierte als Parteiloser 1990 auf der Liste der SPD für ein Stadtratsmandat. Der Parteibeitritt folgte wenig später. Durch erste Kontakte nach Erlangen lernte er Dietmar Hahlweg kennen, mit dem ihn bis heute eine Freundschaft verbindet.

Schröter Dobeneck

(Albrecht Schröter und Dekan Josef Dobeneck)

Unter Amtsvorgänger Peter Röhlinger leitete er seit 2000 das Dezernat für Familie und Soziales. Fortan stark eingebunden, hatten Hobbys wie Laufen oder Schach zurückzutreten. Für Musik indes muß hie und da ein wenig Muße bleiben. 1955 geboren, als ältestes von fünf Kindern einer Hallenser Pfarrersfamilie, wuchs er mit Hausmusik auf und spielt selbst Oboe, Querflöte und Gitarre. Zeit mit seiner Familie ist ihm bis heute sehr wichtig. Trotz seines stressigen Tagesprogramms, legt er regelmäßig auch Zeit für seine fünf Kinder und zwei Enkel ein. Den Sport allerdings mußte Albrecht Schröter weitgehend aufgeben. Als Ausgleich erledigt er den Großteil seiner innerstädtischen Termine per Fahrrad, wenn er nicht gerade angehalten wird, um die Frage eines Bürgers zu beantworten – Bürgersprechstunde ganz unkompliziert. Wenn er keine Antwort parat hat, nimmt er das Thema ins Büro mit. Das Strahlen im Gesicht ist sein Markenzeichen geworden, auch wenn der Alltag mitunter das Lächeln schwer macht. Denn ein Dirigent im Rathaus hat häufig aus Disharmonien einen klangvollen Akkord zu machen.

Und was wünscht sich der vielbeschäftigte Oberbürgermeister für den seltenen Moment der Ruhe? Ein gemütliches Pfeifchen, dazu einen guten Tropfen trockenen französischen Rotweins oder auch ein Bier und unbedingt Musik: Händel, Bach oder, fast noch lieber, die Ohrwürmer der unvergessenen Beatles. Dann läßt er gern den Taktstock auch mal ruhen.

Katharina Glasser, Jena

PS: Als PDF-Dateien sind die Publikationen von Dr. Schröter zu lesen.

Die Texte und Bilder sind ausschließlich für nichtgewerbliche Zwecke bestimmt. Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte liegen bei der Stadt Erlangen. Zuwiderhandlungen ziehen rechtliche Konsequenzen nach sich.

24.03.2009
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