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Das Leben der Unseren

Auf Augenhöhe - Stadtwerke unter sich

(aus der Dokumentation "Das Leben der unseren", Stadt Erlangen 2007)

Kontakte zwischen den Stadtwerken Erlangen und Jena gab es schon direkt nach Unterzeichnung der Städtepartnerschaftsurkunde. Die erste Delegation machte sich 1988 auf die abenteuerliche Reise nach Jena. Die Fahrt wurde schwieriger und länger als erwartet, da die neugierigen Erlanger erst einmal nach Gera umgeleitet wurden, was schwerlich als Zufall gelten kann. In Gera angekommen, hatte die Delegation etwa zwei Stunden Zeit, sich in Ruhe einen Parkplatz anzuschauen. Mit viel Geduld und Überredungskunst war es dann doch noch möglich, nach Jena zu fahren, wo das Zusammentreffen stattfinden konnte. Aus dieser ersten Begegnung wurde im Laufe der Zeit eine Zusammenarbeit, die es in Teilbereichen auch heute noch gibt.

Es sollte eine Partnerschaft auf Augenhöhe werden, mit häufigem Aufeinandertreffen, Schulungen und Wissensaustausch. Vieles davon lief auf dem kleinen Dienstweg, Beispiele hierfür sind Materialsendungen wie ein Entstörungsfahrzeug oder auch ein Notstromaggregat.

Am Anfang war es ein ständiges Kommen und Gehen zwischen Erlangern in Jena und Jenaern in Erlangen. Es fuhren bis zu 30 mal im Jahr Abordnungen hin und her. Von Dietmar Hahlweg wurde die „Arbeitsgemeinschaft Luftreinhaltung“ ins Leben gerufen, die dann auch in Jena umgesetzt wurde. Da aber aller Anfang schwer ist, mußten erst einmal Meßergebnisse über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten gesammelt werden. Geplant war damals eine zweite Heizleitung nach Jena Lobeda, da die erste nicht mehr ausreichte. Nach Überprüfen der Werte wurde klar, daß der Einbau von Heizreglern in dem Großwohngebiet die Trasse überflüssig machte. Die Einsparung entsprach dem Wert von etwa fünf Millionen DM. Der ehrgeizige Plan, etwa 30.000 Wohnungen umzurüsten, wurde in kurzer Zeit gemeinsam umgesetzt. Die Ergebnisse waren dann auch sofort spürbar, der Energieverbrauch sank erheblich. So war nebenbei der erste Stein für das Umweltbewußtsein gelegt. Dietmar Hahlweg brachte mit seiner „grünen“ Denkweise auch Anstöße zum Energiesparen in seine Thüringer Partnerstadt im „Grünen Herzen Deutschlands“.

Jena ESTW

(Wilhelm von Oertzen, Vorstand der Erlanger Stadtwerke (r. im Bild), und sein Prokurist Rolf Wurzschmitt sowie OB Dietmar Hahlweg (l. im Bild) empfangen die erste Fachdelegation aus Jena. Photo aus dem Archiv der Erlanger Nachrichten.)

Wie mir in Gesprächen mit Stadtwerkern auf beiden Seiten klar wurde, entwickelte sich das Miteinander tatsächlich zu einem Geben und Nehmen. Denn auch die Erlanger konnten einiges von den Jenaern lernen. Zum einen hatten die Jenaer einen eigenen Fuhrpark, bestehend aus verschiedenen Handwerkern, so daß keine Dienstleistungen von außen eingekauft werden mußten. Zum andern bewunderten die Erlanger die Kreativität Ihrer Kollegen. Denn, wie in vielen anderen Bereichen auch: Es gab wenig Material. Also wurde gefriemelt, passend gemacht und ausprobiert, um Wege zu finden, dem Mangel begegnen zu können. Denn Not macht erfinderisch, und das wiederum ist eine Tugend.

Mittlerweile haben auch die Jenaer mit ihren beiden österreichischen und ostdeutschen Geschäftsführern nicht nur eine gut harmonierende Doppelspitze installiert, sondern auch den Erfahrungsvorsprung der Erlanger längst aufgeholt. Die freundschaftlichen Kontakte werden nach wie vor gepflegt. Es gibt immer wieder Fußballturniere von Stadtwerkern mit abwechselnden Austragungsorten. Die Betriebsräte besuchen sich bis heute, und - nicht zu vergessen - da sind die Treffen auf der Erlanger Bergkirchweih, wo sich vom OB über Stadtwerker bis zu privaten Freunden immer wieder Erlanger und Jenaer begegnen. Nach wie vor auf Augenhöhe, sind die Erlanger ihrem Wahlspruch auch hier treu geblieben: „offen aus Tradition.“ Und da die Jenaer ein nicht minder herzliches Völkchen sind, wird es wohl auch weiterhin eine Bilderbuchpartnerschaft sein, nicht nur innerhalb der Stadtwerke sondern auch in dem weit verzweigten Kommunikationsnetzwerk beider Städte.

Katharina Glasser, Jena

Die Texte und Bilder sind ausschließlich für nichtgewerbliche Zwecke bestimmt. Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte liegen bei der Stadt Erlangen. Zuwiderhandlungen ziehen rechtliche Konsequenzen nach sich.

29.07.2009
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