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Das Leben der Unseren

Liegt es am Wasser?

(aus der Dokumentation "Das Leben der unseren", Stadt Erlangen 2007)

Ich komme nach Erlangen, und das erste, was mir über die Partnerstadt Jena gesagt wird, ist „das war Katastrophe“. Der griechische Hotelwirt war kurz nach der Wende in Jena und hatte sich ein Bild gemacht: „Da war wirklich viel kaputt, die Häuser, die Straßen.“ Offenbar hatte er danach nicht das Bedürfnis, wieder hinzufahren, um sein Bild zu aktualisieren. Heute sieht Jena natürlich ganz anders aus, kunstvoll verlegtes Gehwegkopfsteinpflaster, hier und da elegante moderne Architektur, gemischt mit liebevoll restaurierter, alter Bausubstanz.

Aber es ist nicht meine Aufgabe, hier über Jena zu schreiben, sondern über Erlangen. Das Interessante daran ist, daß ich die Partnerstadt Erlangen in den alten Bundesländern sozusagen durch eine doppelte Brille betrachte. Ich bin Wahljenaerin, bin in Hannover aufgewachsen. So finde ich in Erlangen Ecken wieder, die mich an meine Jugend erinnern, die Architektur und Stadtplanung der 70er und frühen 80er Jahre in Westdeutschland: Heute wirkt das auf mich merkwürdig unmodern. Wer schon mal in Hannover am Kröpcke war, weiß was ich meine. Als es um den Abriß des Palastes der Republik ging, war in der ZEIT ein großer Artikel mit Vorschlägen, welche Bausünden es denn in Deutschland noch so gibt, die man abreißen könnte. Die Kröpcke-Bebauung war ganz vorne mit in der Auswahl.

                        Blick bei Sonnenuntergang auf die Regnitz

Glücklicherweise sind diese Ecken hier nicht so zentral gelegen, wie in Hannover. Das Stadtbild der Innenstadt kommt ziemlich französisch daher, große, schöne Plätze, Sandsteinfassaden, leichte, klassizistische Elemente. Das liegt an den Hugenotten, lasse ich mir erklären. Da ich absoluter Frankreichfan bin, fühle ich mich also sofort wohl, lasse mich in einem der vielen Straßencafés nieder und genieße die Sonne. Sonst bekomme ich jedoch nicht viel zum Genießen, die Geschäftsleitung hatte offensichtlich nicht mit dem schönen Wetter gerechnet, da bis vor kurzem noch Regen angesagt war. Weiter geht es also durch den Schloßpark, in dem jährlich ein Poetenfest stattfindet, in ein anderes Café, in dem es dann hervorragenden Kuchen gibt. Ein Treffen mit Stadträtin Birgitt Aßmus, die sich eigens für unseren Besuch Zeit genommen hat, zeigt mir: Hier wird für Kultur und Städtepartnerschaften einiges getan.

Nach dem angenehmen Gespräch geht es weiter mit dem Stadtrundgang, jetzt durch das Hugenottenviertel, wo die Auswahl zwischen den vielen unterschiedlichen Restaurants nicht leichtfällt. Wir entscheiden uns für italienisch. Hier erfahre ich mal nebenbei, daß man den Seeteufel sowohl Frosch als auch Kröte nennen kann - in Italien. Also: Sprachkurs im Preis inbegriffen, wie es sich für ein gutes italienisches Restaurant gehört. Überhaupt ist Erlangen ein bißchen multikultureller und internationaler geprägt als Jena. Das ist vielleicht das einzige, was mir in Jena fehlt, aber ich schreibe ja hier über Erlangen und nicht über Jena. Dort ist es mir jedenfalls positiv aufgefallen. Und ich meine damit nicht das italienische Restaurant, das gibt es in Jena natürlich auch, es ist mit eben nur in dem Zusammenhang eingefallen.

Der Höhepunkt des Abends ist ein Jazzkonzert. Das Kulturzentrum E-Werk erinnert mich wieder an meine Jugend. Es ist aber in den letzten Jahren ganz neu renoviert worden, Technik vom Feinsten, sehr guter Sound, finde ich. Und auch die Erlanger Jazzszene ist bundesweit bekannt, ich habe mich vorher informiert. Ich gucke mich im Publikum um, lese die Kleinanzeigen und Veranstaltungsankündigungen am Schwarzen Brett und komme zu dem Schluß: Erlangen ist eine Stadt, in der es viele Möglichkeiten gibt, seine Freizeit zu gestalten, unterschiedliche „Szenen“, also durchaus großstädtisch. Wahrscheinlich läßt es sich hier gut leben, denke ich.

Was für mich immer noch wichtig ist bei einer Stadt, ist das Wasser. In Jena ist die Saale nicht ganz optimal in die Stadt eingebunden. Das freut zwar die Wasservögel, aber die Bürger würden sich sicher über ein paar Cafés am Wasser auch freuen. Strandbar muß ja nicht sein, das können wir in Berlin haben, wenn wir wollen. In Erlangen, muß ich leider gestehen, habe ich das Wasser gar nicht gesehen. Ein Grund mehr, wiederzukommen!

Silvia Demmig, Jena

Die Texte und Bilder sind ausschließlich für nichtgewerbliche Zwecke bestimmt. Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte liegen bei der Stadt Erlangen. Zuwiderhandlungen ziehen rechtliche Konsequenzen nach sich.

29.07.2009
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