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Projekte und Kontakte

Wo das Wissen gestapelt ist

Gleich welche Nummer man gestern morgen in der VHS anwählte, der Anrufbeantworter gab die stets gleiche Auskunft: „Wegen einer internen Veranstaltung bin ich heute nicht erreichbar. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht. Unsere Öffnungszeiten...“ Dahinter verbarg sich ein ganztägiger Erfahrungsaustausch mit den Partnern aus Jena. Gudrun Luck, Leiterin der VHS Jena, war mit einem achtköpfigen Team gekommen, um ab 10.30 Uhr im Club International die eigene Arbeit vorzustellen und zu hören, womit sich die Kollegin Christine Flemming und ihr Stab in Erlangen beschäftigt. Doch just die Gastgeberin mußte sich am späten Vormittag für einige Zeit entschuldigen, weil kurzfristig im Rathaus bei Oberbürgermeister Siegfried Balleis eine Sparrunde angesetzt war und fehlt deshalb auf dem Gruppenbild. „Wir sind ja eine sogenannte freiwillige Leistung im Bildungsbereich und müssen nun alles auf den Prüfstand stellen. Das eine oder andere Angebot wird da sicher nicht zu halten sein“, prognostiziert die Direktorin der VHS schon jetzt.

VHS-Treffen

Dennoch herrscht Optimismus vor. Beide Volkshochschulen verstehen sich als Wissens- und Bildungsvermittler und setzen auf den Weitblick der Politiker, die ja zumindest verbal längst erkannt haben, wie wichtig der Bereich für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung des Landes ist. Beide Volkshochschulen können viel voneinander lernen und haben noch viel gemeinsam vor. So hat die VHS Jena einen ausgesprochen guten Draht zu Schulen und bietet u.a. in den Ferien einen Comicworkshop, digitale Videoaufbearbeitung und Zeichenkurse an; sogar Tanz und Tanzspiele für Kinder ab drei Jahren gibt es. Ein guter Ansatz, um die Jugend schon früh an zusätzliche Bildungsangebote heranzuführen. Hierzu paßt auch das Programm „globales Lernen“ mit einem ganzheitlichen Ansatz, der neben Theateraufführungen auch Fußball beinhaltet, wobei die Schüler früh die Verantwortung für eigene Projekte übernehmen. „Ein Lernprozeß sogar für die Lehrer“, meint Christian Ziege, verantwortlich für das „globale Lernen“ an der VHS Jena, „wenn sie nicht mehr in die Vorgänge eingreifen sollen.“ Auch thematisch ausgerichtete Postkartenaktionen, wo die Jugendlichen kreativ mit gesellschaftlichen Fragen umgehen und Umfragen veranstalten, gehören zu diesem innovativen Instrumentarium. Besonders stolz ist man in Jena auf die enge Zusammenarbeit mit der Friedrich-Schiller-Universität, die mietfrei das Gros der Unterrichtsräume für die Abendkurse stellt. Noch, muß man hinzufügen, denn die wachsenden Studentenzahlen könnten bald zu Engpässen führen. Profitiert hat die VHS Jena natürlich auch in jeder Hinsicht von der erfolgreichen Bewerbung als „Stadt des Wissens“ 2008, wo ein dichtes Netzwerk zwischen allen Bildungsträgern an der Saale geknüpft wurde, das noch lange tragen wird.

Was in Erlangen noch nicht gelungen ist, praktiziert die VHS Jena schon seit einiger Zeit erfolgreich. Auf besonderen Wunsch von Oberbürgermeister Albrecht Schröter gibt es Englisch-Kurse für die Verwaltung, und auch die regelmäßigen Schulungen in der EDV übernimmt die VHS. Erlangen hingegen ist wegen seiner Bevölkerungsstruktur mit einem Migrantenanteil von 15% besonders stark in der engen Zusammenarbeit mit verschiedenen ausländischen Kulturvereinen und hat den Club International mit seinen Sprachbegegnungen und Freundeskreisen der Städtepartnerschaften zu bieten. Diese Einrichtung steht freilich besonders unter dem Finanzierungsvorbehalt, denn im nächsten Jahr läuft die Förderung aus, und die Angebote müßten dann komplett von der Stadt getragen werden. „Wir werden dann wohl Beiträge nehmen müssen, was viele wieder abschrecken könnte“, fürchtet Christine Flemming.

Die Volkshochschule Erlangen hat nicht nur in der Zusammenarbeit mit Jena Pionierarbeit geleistet. Ohne sie sind auch die anderen Partnerschaften – vor allem mit Wladimir, Rennes und Stoke-on-Trent – nicht in der gegebenen Qualität denkbar. Nun könnte die VHS Jena bei der Entwicklung des Partnerschaftsdreiecks Erlangen – Jena – Wladimir eine ähnliche Rolle spielen und will schon im nächsten Semester Informationsveranstaltungen zu der Stadt am Goldenen Ring anbieten. Auch gemeinsame Studienreisen könnten Wirklichkeit werden. Natürlich soll der Informationsaustausch intensiviert werden. So könnten die Volkshochschulen hier wie dort auf große kulturelle Ereignisse hinweisen, wie z.B. die aktuelle Kandinsky-Ausstellung in Jena. In jedem Fall wird das nächste Jahr eine Reihe von Partnerschaftsprojekten bringen, und etwas zu feiern gibt es dann auch: Die VHS Erlangen wird 60 Jahre. Auf die Grüße aus Jena, wo die ältere Schwester schon 1919 gegründet wurde, darf man sich schon jetzt freuenDer nächste Gast aus Jena wird übrigens bereits am 9. Dezember an der VHS Erlangen erwartet: kein geringerer als Oberbürgermeister Albrecht Schröter. Davon bald mehr an dieser Stelle.

31.10.2009, Peter Steger

08.04.2012
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