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Projekte und Kontakte

20 Jahre Deutsche Einheit in Jena – ein Fest der Völker

Rasch machte der Begriff vom „Einheitswetter“, geprägt von Klaus Dicke, Rektor der Friedrich-Schiller-Universität, die Runde und wird wohl in Zukunft im Sprachgebrauch der Partner Erlangen und Jena das „Kaiserwetter“ ersetzen.

Tatsächlich strahlte zum Tag der Deutschen Einheit die Sonne mit der Lichtstadt Jena und ihren Erfolgen um die Wette – und mit ihnen die Gäste aus aller Welt. Jena empfing nämlich am vergangenen Sonntag nicht nur die 250 Freunde aus Erlangen, sondern veranstaltete ein regelrechtes Eine-Welt-Fest mit Partnern von Nicaragua bis Albanien, von Rumänien bis Frankreich und natürlich aus Wladimir, seit zwei Jahren Kooperationspartner im Zusammenspiel mit Erlangen. In der Touristinformation konnte man den ganzen Tag über anschaulich die Fäden verfolgen, die Jena mit Orten in der ganzen Welt verbinden.

Einheit 1

Nach einem Willkommensfrühstück in der Diele des Historischen Rathauses ging es in den ökumenischen Gottesdienst, mitgestaltet vom Erlanger Pfarrer und Stadtrat Jürgen Belz, in die bis auf den letzten Platz gefüllte Stadtkirche. Den musikalischen Rahmen schuf in meisterlicher Klarheit das Ensemble des Erlanger Gesangsstudios von Margarete Poetsch. Wer Jena noch nicht kannte, konnte parallel dazu an einer der Stadtführungen teilnehmen, von denen aus die Besucher unmittelbar ins Volkshaus gelangten. Kaum ein Stuhl blieb in dem gewaltigen Festsaal leer, und wer kam, sollte es nicht bereuen, denn zwei Premieren waren zu bestaunen: Ein Quartett der Jenaer Philharmonie führte eine beeindruckende Auftragskomposition vor, eine bezwingend schöne Vereinigung der Nationalhymnen beider Staaten deutscher Nation, - „Auferstanden aus Ruinen“ und „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Und ein kurzer Film zeigte kontrastiv die Entwicklung Jenas vor 1990 und nach 1990, eine Erfolgsgeschichte, die klugen politischen Entscheidungen des damaligen Oberbürgermeisters Peter Röhlinger zu verdanken ist, aber auch Freunden und Partnern aus dem Westen, die natürlich während des Festakts zu Wort kamen.

Ehrenbürger Lothar Späth, ohne den die Sanierung von Carl Zeiss Jena wohl nicht gelungen wäre, lobte nicht nur die Leidens- und Anpassungsfähigkeit, er begrüßte ausdrücklich die Tradition der Partnerstädte, den 3. Oktober gemeinsam zu feiern, etwas, das leider andernorts viel zu wenig geschehe. Ein Ball, den Gerd Lohwasser gern aufnahm. Nicht genug nämlich damit, daß das Paar Erlangen – Jena als eine der aktivsten deutsch-deutschen Partnerschaften gilt, der Erlanger Bürgermeister konnte auch ein Faksimile des Stadtratsbeschlusses als offizielles Geschenk übergeben, in dem vor 40 Jahren – 20 Jahre vor der Wiedervereinigung! – der Wunsch zum Ausdruck kommt, „mit der Bürgerschaft von Jena oder einer anderen, ihrer Struktur nach ähnlichen Stadt Thüringens, bürgerschaftliche Kontakte herzustellen.“ Im 20. Jahr der Wiedervereinigung ein bundesweit wohl einzigartiges Dokument einer Wunschpartnerschaft!

       Einheit Jena 2

Der Nachmittag gehörte den Vereinstreffen, den Privatkontakten, den Begegnungen auf dem Marktplatz mit seinem Festbetrieb. Viele waren gekommen, die sich vor 20 Jahren über die Kontaktbörse im Erlanger Rathaus kennengelernt hatten, einige ehemalige Jenaer waren dabei, die zum ersten Mal nach Jahren wieder in ihre Heimatstadt gereist waren, eine Abiturientin des MTG zog just am 3. Oktober nach Jena, um dort ihr Studium aufzunehmen. Und natürlich trafen sich der Seniorenbeirat, die IG-Metallsenioren, die Triathleten, die Vertreter des Roten Kreuzes und all die vielen anderen Organisationen, die den Tag für ein Wiedersehen nutzen, während das Erlanger Tanzhaus in bewährter Weise zu seinen Mitmachtänzen animierte. Wer da sitzen blieb, war selber schuld.

Einheit 3 Jena

Auf einem Diskussionspodium lieferte Gastgeber Albrecht Schröter im Beisein der beiden Altoberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Peter Röhlinger, das Stenogramm dessen, was die Deutsche Einheit für ihn bedeutet: Meinungsfreiheit, Befreiung von dem Kriegs- und Nachkriegstrauma und Ausrichtung auf Europa. Seine Erwartungen an die Einheit sieht er erfüllt. Nicht einverstanden damit war freilich ein etwa dreißigköpfiger Block von Autonomen, der mit einem lautstarken Zug durch die Altstadt gegen das einige Deutschland demonstrierte. Doch auch diesen Belastungstest der Demokratie bestand Jena an diesem Tag bravourös und souverän.

Einheit 4 Jena

Ein rundum gelungenes Bürgerfest mit einer Vielzahl von Einzelveranstaltungen, einer Ausstellung zur Geschichte der deutschen Trikolore, die untrennbar mit Jena verbunden ist, Begegnungen über Ost und West und viele Landesgrenzen hinweg. Als am späten Nachmittag der Erlanger Kammerchor Vocanta unter Leitung von Joachim Adamczewski seinen umjubelten Auftritt in der Diele des Historischen Rathauses beendete, rutschte dem Ensemble bei der Zugabe vor gut und gerne 300 Zuhörern das Herz auf die Zunge mit dem Refrain von Leonhard Lechner: „Ach, Scheiden macht uns die Äuglein naß.“ Schöner kann man es nicht sagen, wie ein vierzig Jahre alter Traum von der Partnerschaft wahr geworden ist.

Einheit Jena 5

05.10.2010, Peter Steger

08.04.2012
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