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Projekte und Kontakte

Wirtschaft im Fokus

Auch wenn man die engen Verflechtungen in den Bereichen Wissenschaft und Wirtschaft zwischen Erlangen und Jena zu kennen glaubt, ist man doch immer wieder verblüfft über deren Vielfalt und Vitalität. Noch mehr erstaunt es daher, daß so selten offizielle Wirtschaftsdelegationen den Austausch pflegen. Schon eineinhalb Jahre ist es her, seit ein ganzer Bus voller Unternehmer aus Jena nach Erlangen gekommen ist. Am gestrigen Freitag nun der Gegenbesuch. Auf Initiative von Wolfgang Geus, Vorsitzender des IHK-Gremiums Erlangen, und seiner Geschäftsführerin, Renate Doeblin, unterstützt vom städtischen Wirtschaftsreferenten, Konrad Beugel, und seinem Mitarbeiter, Dieter Beck, kamen an die 20 Vertreter aus den unterschiedlichsten Branchen des Erlanger Wirtschaftslebens in die Partnerstadt.

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Die hat seit der Wende eine gar erstaunliche Entwicklung genommen, wie die Gastgeber mit berechtigtem Stolz, aber auch mit aufrichtigem Dank gegenüber Erlangen, dessen partnerschaftliche Aufbauhilfe unvergessen bleibt, immer wieder zum Ausdruck bringen. Wenn man 1990 noch gerade einmal 5.000 Studenten zählte, liegt deren Zahl heute bei über 25.000. Mit 3.500 Wissenschaftlern trägt Jena mit Recht den Titel „Stadt der Wissenschaft“ und hat sich internationale Anerkennung errungen. In der vergangenen Dekade liegt die Bruttowertschöpfung in Jena bei einem Plus von 13% p.a. Beeindruckende Zahlen, die den fränkischen Besuchern am Beutenberg Campus besonders anschaulich vor Augen geführt werden.

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Der bereits vor 50 Jahren gegründete Campus stößt mittlerweile an seine natürlichen Grenzen und könnte doch immer weiter wachsen. Jürgen Popp, Direktor des Instituts für Photonische Technologien, der, nebenbei bemerkt, in Erlangen studiert hat, erzählt von der Strahlkraft des Forschungsgeländes mit seinen neun Instituten – darunter zwei Max-Plank-Institute, zwei Leibnitz-Institute und ein Fraunhofer Institut – sowie 50 Firmen und kann selbst als Professor und Leiter seines seit 1992 bestehenden Instituts auf eine kräftige Expansion hinweisen: 300 Mitarbeiter, 62 Patente in den letzten zehn Jahren. Die Jenaer Bio-Chip-Initiative stammt aus seinem Haus, und dafür gab es zusammen mit der Friedrich-Schiller-Universität auch schon den Thüringer Forschungspreis. Faseroptik für Nitratmessungen im Meer gehören ebenso zum Arbeitsgebiet des Instituts wie die Entwicklung einer „ethisch unbedenklichen“ Wärmebildkamera, die Waffen und andere Fremdkörper abbildet, ohne ein sogenanntes Nacktbild zu liefern. Aber auch medizinische Anwendungen gibt es, wenn man etwa per Katheder die Speiseröhre erkundet. Und – wichtig für die Städtepartnerschaft – man steht in engem Austausch mit dem Max-Planck-Institut in Erlangen, das ja am Exerzierplatz vor seiner alsbaldigen Erweiterung steht.

Auch Martin Fürböck, Vizepräsident der IHK Ostthüringen zu Gera und in Personalunion Geschäftsführer der Stadtwerke Jena–Pößneck, wartet mit erfreulichen Nachrichten auf. Innerhalb seiner IHK sei Jena – ebenso wie Erlangen innerhalb der IHK Nürnberg – das Kraftfeld mit großem Entwicklungspotential weit über die Region hinaus. Und wieder der Hinweis auf die Hilfe aus Franken, die man ab 1990 so massiv erhalten habe. Vor allem für die Hilfestellungen im Bereich Aus- und Weiterbildung sei man noch immer zu großem Dank verpflichtet. Heute freilich könne man stolz sein auf das gemeinsame Kind, das längst laufen gelernt habe. Auch Martin Fürböck unterhält engste Beziehungen zur Partnerstadt: Erst Anfang der Woche hat er sich mit seinem Kollegen von den Erlanger Stadtwerken, Wolfgang Geus, getroffen und strategische Fragen auf dem Gebiet der regenerativen Energien besprochen. Da wird, so kündigen beide an, bald mehr zu hören sein.

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Für den Beutenberg Campus insgesamt begrüßt schließlich auch noch Hartmut Bartelt als Vorstandsvorsitzender die Gäste. Was auch ihm leicht von der Hand geht, lebte und arbeitete er doch 20 Jahre in Erlangen, bevor er 1991 die Leitung des Campus in Jena übernahm. Zwei Dekaden Erlangen, zwei Dekaden Jena. Welch ein Leben als Professor im Dienst der Wissenschaft, der deutsch-deutschen Zusammenarbeit, der Städtepartnerschaft! Neben den neun Instituten und 50 Firmen florieren hier auf dem Beutenberg zwei Gründerzentren mit mittlerweile 18 Ausgründungen; insgesamt sind 2.300 Menschen – alle im Bereich Wissenschaft und Forschung - auf dem Campus beschäftigt.

Die staunenden Gäste bekommen eine Führung durch das Labor für optische Spezialfasern und sehen, wie aus einem dicken Glasstab die ultradünne Glasfaser gezogen wird, bekommen gezeigt, wie man buchstäblich in der Westentasche mit einem speziellen Minilabor Keime und Bakterien analysieren kann… Hochtechnologie auf kleinstem Raum und vom Feinsten.

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Hoch hinaus geht es dann auch zum Mittagsempfang ins Turmrestaurant Scala, wo Oberbürgermeister Albrecht Schröter gemeinsam mit der Universitätsleitung und lokalen Wirtschaftsvertretern die Besucher begrüßt. Jenas Stadtoberhaupt hat schon über seinen Vater, der 1951 an der FAU Theologie studierte, einen engen Bezug zu Erlangen und ist persönlich spätestens seit der Wende so eng wie kaum jemand mit der Hugenottenstadt verbunden. Für ihn war und ist die Partnerschaft, die nie eine Patenschaft war, denn auch immer eine Herzensangelegenheit. Gerne knüpft Albrecht Schröter, der den Bereich Wirtschaft zur Chefsache gemacht hat, an die Erfolgsschilderungen vom Vormittag an, wenn er davon spricht, man brauche wegen des Zuzugs und Geburtenüberschusses mehr Schulen, habe einen Leerstand von unter einem Prozent, erlebe einen regelrechten Ansturm von Studenten, habe also vor allem „Wohlstandsprobleme“ zu beklagen. Konrad Beugel, in Erlangen auch für die Finanzen zuständig, horcht auf, als er vernimmt, Jena habe derzeit eine Pro-Kopf-Verschuldung von gerade einmal 600 Euro und wolle diese – freilich auch um den Preis von Veräußerungen – in den nächsten zehn Jahren auf Null drücken. Schuldenfrei als Kommune in Mitteldeutschland, wenn das kein Erfolg ist! Eine erstaunliche Investitionstiefe, Patentanmeldungen in einem mit Erlangen vergleichbaren Maß, eine Arbeitslosigkeit von 7,4% gegenüber 12% im Jahr 2006, führend in Rankings bei Verwaltung und Wirtschaftsförderung… „Jena leuchtet, es strahlt nicht“, schließt das Stadtoberhaupt mit einem Augenzwinkern in Richtung aktueller Energiedebatte seinen Vortrag, den Konrad Beugel in seiner Erwiderung mit dem Hinweis auf die jahrelange Zusammenarbeit im Technologie und Innovationspark (TIP) und die erfolgreiche Kooperation als Optionsstädte ergänzt. Erst dieser Tage trafen sich die zehn bayerischen Städte in Erlangen, die Optionskommunen nach dem Beispiel von Erlangen werden wollen; als willkommener und kompetenter Gast am Tisch: die Partnerstadt aus Thüringen.

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Der Nachmittag gehört Besuchen bei der Firma MAZeT, die komplette mikroelektronische Schaltkreise entwickelt, und der Carl Zeiss Meditec AG mit ihren weltweit führenden Komplettlösungen zur Diagnose und Behandlung von Augenkrankheiten und einer zukunftsweisenden intraoperativen Strahlentherapie. Aus Termingründen konnte Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis erst zum Ende der Gespräche hinzustoßen, zeigt sich dann aber tief beeindruckt von dem so erfolgreichen Besuch. Und ihm bleibt die ehrenvolle Aufgabe, Wilfried Röpke, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Jena, und seinem Team für ein gelungenes Programm zu danken. Wie auch immer die an diesem sonnigen Frühlingstag geknüpften Kontakte zwischen Erlanger und Jenaer Wirtschaftsvertretern im einzelnen fortgeführt werden, in einem ist man sich einig: Derlei Treffen sollen von nun an häufiger stattfinden, vielleicht schon zum Sommerfest der Wirtschaft in Jena. Die Einladung jedenfalls steht.

Im Schatten der Wirtschaft tat sich unterdessen noch einiges andere. Die Partnerschaftsbeauftragte Anja Schwind ist seit Anfang April im Mutterschaftsurlaub und wird nun für ein knappes Jahr von Janine Tavangardian vertreten. Eine harmonische Stabübergabe. Das neue Gesicht der Partnerschaft kennt das Metier schon von ihrer früheren Arbeit mit EU-Projekten her, hat Erfahrung mit der Gründung und Führung von Vereinen und sprüht vor Ideen. Nun will sie möglichst bald nach Erlangen kommen, um sich ein eigenes Bild von der Partnerstadt zu machen – und den Tag der Deutschen Einheit vorzubereiten.

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An dem wird auch Grit Leinen mitarbeiten. Im Oktober nämlich zeigt sie eine Ausstellung ihrer Arbeiten in den Räumen der BRK Erlangen – Höchstadt, zu der sie Nadja Steger eingeladen hat. Im Gespräch über die Details entsteht die Idee, mit der Künstlerin, die an der Waldorfschule von Jena unterrichtet, auch den Platz der Einheit zu gestalten, der am 3. Oktober an der Nürnberger Straße, gegenüber vom Platz des 17. Juni, eröffnet werden soll. Da gibt es noch viel zu besprechen und zu tun – gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen für die Zukunft der Städtepartnerschaft und des geeinten Deutschlands. Wohlan denn!

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09.04.2011, Peter Steger

08.04.2012
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