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Projekte und Kontakte

So viel Freude, daß man nicht aufhören möchte

Man muß schon einen festen Glauben haben, wenn man wie Gert Wagner von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Erlangen bereits am 30. Juni 1987, also unmittelbar nach Abschluß der Städtepartnerschaft, vorschlägt, zu den Baptisten in Jena Kontakt aufzunehmen. Er hatte am 31. Mai d.J. auf der Bundeskonferenz in Hannover den Generalsekretär des DDR-Bundes, Manfred Sult, getroffen, und fühlte sich von dem Gespräch ermuntert, den Versuch zu unternehmen, die Baptistengemeinden in den Partnerstädten zusammenzuführen.

Die Gemeinde in Jena reagierte positiv, dennoch sollte es April 1989 werden, bis ein erster Besuch in der Partnerstadt möglich war, wobei einem Ehepaar noch das Visum verweigert wurde. Doch mit der Friedlichen Revolution war dann plötzlich doch alles möglich. Die schon im Frühjahr 1989 angebotene humanitäre Hilfe konnte voll anlaufen, die gegenseitigen Besuche wurden regelmäßig. Ausflüge, Chorfreizeiten, Pastorentreffen stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl, und im Oktober 1994 stand nicht von ungefähr der Besuch der Gemeindeleitung aus Jena in Erlangen unter dem Motto: „Wir wollen gemeinsam eine Gegengesellschaft gegen die wachsende Mauer in den Köpfen sein!“

Baptistengemeinde Erlangen

Im Sommer 1998 schließlich beendigten die beiden Gemeinden „die offizielle Partnerschaft mit dem beiderseitigen Wunsch, gewachsene Kontakte weiter zu pflegen.“ Seither gibt es nur noch ein institutionalisiertes Treffen, das seit Herbst 1990 alle zwei Jahre – das letzte Mal 2011 – auf dem Programm steht: die gemeinsame Frauenfreizeit der Gemeinden Erlangen und Jena in Heiligenstadt, Bad Blankenburg, Friedrichroda oder Bad Klosterlausitz und immer mit einem Glaubensthema und einer Referentin. Gute Traditionen haben eben auch ohne offiziellen Rahmen ihr fruchtbares Eigenleben. Gottlob!    

Am besten kommt der Geist dieser Glaubensgemeinschaft und Gemeindepartnerschaft in Selbstzeugnissen zum Ausdruck. Zum Chorwochenende im Juli 1992 schreibt beispielsweise Ingrid Bouecke:

Baptisten Chortreffen 2000

„Daß Gaben einbringen Freude machen kann, sogar so viel, daß man nicht aufhören möchte, ist wohl eine Erfahrung, die man nicht ganz so oft macht und die auch nicht selbstverständlich ist. Und darum ist es auch so schwer, das Erlebte in Worte zu fassen, die nicht nur den nüchternen Ablauf schildern, sondern auch die Freude wiedergeben, die uns geschenkt wurde. Wovon rede (schreibe) ich eigentlich?

Wir, Euer Chor, waren mit einigen wenigen Ehepartnern und Kindern zu einem Chorwochenende mit dem Jenaer Chor, ebenfalls mit Ehepartnern und Kindern, in einem kleinen Kurort ganz in der Nähe von Jena. Dort haben wir in drei intensiven Übungseinheiten sieben Chorsätze gemeinsam einstudiert, teilweise unbekannt und einige davon mit Klavier- und Flötenbegleitung. Diese Lieder, die noch von zwei hervorragend vorgetragenen Musikstücken umrahmt wurden, durften wir dann am Sonntag im 65jährigen Jubiläumsgottesdienst der Freien Evangelischen Gemeinde Bad Klosterlausitz, zu deren Bund auch das wunderschöne Gästehaus gehört, in dem wir untergebracht waren, zu Gehör bringen. Leider gibt es keine Cassette von diesem Gottesdienst, so daß wir nur zur Freude der Anwesenden gesungen haben – aber insbesondere zur Ehre unseres HERRN. An den zwei Tagen haben wir uns zwischendurch auch entspannen dürfen, z.B. bei einer nassen Wanderung oder in einem kleinen Konzert in einer nahegelegenen Klosterkirche, besonders aber an den zwei Abenden nach getaner Arbeit in enger Runde beim fröhlichen Gespräch.

Ein Wochenende, an dem jeder gefordert wurd, etliche noch eine Zusatzaufgabe hatten, doch keiner stöhnte, sondern allen war die Freude an der Gemeinschaft und am Gesang abzuspüren. Das äußerte sich dann auch am Sonntag zum Abschluß noch in einem ungeplanten offenen Chorliedersingen. Schade, daß Jena zu weit ist, um noch häufiger Gemeinschaft zu haben. Aber bestimmt werden wir Fortsetzung machen.“

Auch Günter Meininger äußert am Ende seines Rückblicks auf dieses Chorwochenende: „Solche Tage sollen kein einmaliges Erlebnis bleiben!“

Baptistengemeinde Jena, Eröffnung Gemeindezentrum

Im Gemeindeblatt der Erlanger Baptisten vom Juni 1994 ist dann keine frohe Kunde zu vermelden: „Endlich ist es so weit! Unsere Partnergemeinde feiert das Fest der Einweihung ihres umgebauten und erneuerten Gemeindehauses am 5. Juni. Wir haben die lange Bauzeit mitverfolgen können. Es begann mit viel Mühe schon vor der Wende. Durch den Zusammenbruch der DDR wurde manches am Bau einfacher und leichter, aber es bedeutete auch, viele alte Pläne aufgeben, eine neue Finanzierung erstellen und vor allem immer wieder neu zur Eigenleistung am Bau motivieren. Für einige Geschwister ging das oft über die Grenzen der Kraft. Nun ist es geschafft, und wir freuen uns mit unseren Geschwistern, die uns herzlich zu ihrem Fest einladen. Ihr Geschwister in Jena, wir wünschen Euch des Herrn Segen für Euer erneuertes Haus. Möge es vielen Menschen aus Jena zu einem Ort werden, an dem sie der Liebe Gottes in Jesus durch Wort und Gemeinschaft begegnen.“

Im Gemeindebrief vom September 1996 zum 50. Jahrestag der Gründung der Baptisten-Gemeinschaft in Jena findet man auf Seite 16 einen Rückblick der besonderen Art folgenden Wortlauts:

Erster Besuch aus Erlangen in Jena

„In die Zeit unserer Umbauarbeiten kam ab 1987 auch das Angebot über unseren damaligen Präsidenten des Bundes in der DDR, Bruder Manfred Sult, eine Gemeinde-Partnerschaft mit der Gemeinde Erlangen in Bayern aufzunehmen. Nicht ganz ohne den Hintergedanken einer verstärkten „Westhilfe“ für unseren Bau nahmen wir diese Kontakte gern auf, nachdem sich die Erlanger zuerst an uns gewandt hatten. Auch durch die seit 1987 bestehende Städtepartnerschaft zwischen Erlangen und Jena versprachen wir uns für diese Beziehungen einen guten Erfolg, der sich zwar zu DDR-Zeiten nicht bemerkbar machte. Die Erlanger Gemeinde jedoch versuchte in jeder möglichen Weise ihre Partnerschaft ganz praktisch zu gestalten. Sie war von Anfang an mit Geldmitteln und Paketsendungen (für die Beköstigung unserer Bauhelfer) bei der Sache. Erst im Jahre 1989 war es möglich, auf dem umständlichen Antragswege Geschwister Ruth und Gert Wagner sowie die 1987 nach Erlangen gekommenen Predigerleute, Renate und Hermann Heinrich, für einen Besuch nach Jena zu bekommen, womit immer engere und privatere Beziehungen auf mehreren Ebenen begannen, die bis heute ausgebaut und in guter Regelmäßigkeit stattfinden konnten. Der Heizkessel von Erlangen im Wert von ca. 5.000 DM für unsere Kapelle tut seit 1993 seine Dienste treu, was wir über aller anderen, nun gegenseitigen „Bereicherung“ nicht vergessen sollten. Am Sonntag, 1. Juli 1990, dem Tag der Währungsunion, waren wir als ganze Gemeinde in Erlangen zu Gast, und im Juli 1991 kam die Gemeinde Erlangen nach Jena zu einem Treffen, das wir wegen unserer Umbauarbeiten noch im Niemöller-Haus der ev.-luth. Kirche Jena durchführen mußten.  Bei den gelegentlichen „Nachfragen“ zu der Weiterführung dieser Partnerschaft wurden wir davon überzeugt, daß es weiterhin sehr wertvoll für uns ist, uns gegenseitig mit Hilfe der regelmäßigen Kontakte und Informationen in der Fürbitte zu tragen und mit Rat und Tat beizustehen. Unsere Gemeindepartnerschaft hat mit der Wende keinen Abbruch erlitten!“

Das möge noch lange - am besten für immer! – so bleiben.

Peter Steger, 25.08.12

14.09.2013
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