Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Stoke-on-Trent

Der Freeman von Stoke-on-Trent

P.S.: Lieber Herr Altoberbürgermeister, Sie sind Ehrenbürger, Freeman, der Partnerstadt Stoke-on-Trent. Eine Auszeichnung, die Ihnen noch keine andere ausländische Kommune verliehen hat. Worin sehen Sie selbst Ihr größtes Verdienst gegenüber Stoke-on-Trent?

D.H.: In der offiziellen Verleihungsurkunde vom 8. Dezember 1995 heißt es dazu, Dietmar Hahlweg werden Bürgerrecht und Ehrenbürgerschaft der Stadt Stoke-on Trent verliehen, weil er sich „durch einen äußerst wesentlichen Beitrag zur Schaffung der Partnerschaftsverbindung zwischen Erlangen und Stoke-on-Trent ausgezeichnet hat“. Im Kern wollte man damit die Erlanger Bürgerschaft auszeichnen, die sich auch in diese Partnerschaft gewohnt offen und engagiert eingebracht hat.

Dietmar Hahlweg und Peter Steger

P.S.:Ihr Name wird zu recht mit den „Ostpartnerschaften“ Wladimir und Jena in Verbindung gebracht, wo der Gedanke der Versöhnung und Entspannung im Vordergrund stand. Welche Motive haben Sie bewogen, mit einer englischen Stadt eine Partnerschaft einzugehen?

D.H.: Das über die Jahre immer wieder gezeigte große Interesse der Bürgerschaft gerade an einer Partnerschaft mit einer Stadt in Großbritannien. Zudem die Einschätzung, die Kommunen könnten und sollten auch beim Zusammenwachsen der „Insel“ mit dem „Kontinent“ im Vereinten Europa entscheidend mithelfen.

P.S.: Immer wieder fragen die Menschen nach der Geschichte einer Partnerschaft, danach, warum ausgerechnet diese oder jene Stadt mit Erlangen verbunden sei. Können Sie Gründe nennen, die zur Aufnahme der Kontakte mit Stoke-on-Trent führten?

D.H.: Die Suche nach einem geeigneten und bereiten Partner in Großbritannien lief mit Hilfe des British Council in München über mehrere Jahre. Von dort kam dann im September 1986 die Information, Stoke-on-Trent suche eine Partnerstadt in Deutschland. Noch im November des gleichen Jahres besuchte der Anglistik-Professor an der Friedrich-Alexander-Universität, Karl Josef Höltgen, zusammen mit seiner Frau, einer geborenen Engländerin, auf meine Bitte hin auf einer privaten Englandreise Stoke-on-Trent und führte erste Kontaktgespräche. Das Ehepaar war sehr angetan und sah viele Ansätze für eine lebendige Partnerschaft mit Erlangen.

Dietmar Hahlweg und Queen

P.S.: Beide Städte sind durchaus unterschiedlich strukturiert und haben auf den ersten Blick nicht viele Gemeinsamkeiten. Weshalb hat der Austausch dennoch Ihrer Meinung nach über mehr als zwei Dekaden hin so gut geklappt?

D.H.: Auch hier gilt: Gegensätze ziehen sich an. Gerade für uns High-Tech-geprägte Erlanger ist es höchst interessant, einen eher altindustriellen Stadtraum im dynamischen Strukturwandel zu erleben. Dazu kommt die zupackende Herzlichkeit der dort lebenden Menschen.

P.S.: In den letzten drei bis vier Jahren war eine Stagnation in den Beziehungen zu beobachten, weil sich bei den Partnern personelle und organisatorische Veränderungen vollzogen. In welchen Bereichen sollte es aus Ihrer Sicht am schnellsten zu einem nachhaltigen Neubeginn kommen?

D.H.: Wir wissen aus den zurückliegenden Jahren, dass es in der Stadt-, Verkehrs und Umweltplanung viel voneinander zu lernen gibt und wie viel Kultur und Sport sowie Sozialeinrichtungen für beide Seiten an lohnenden Anknüpfungspunkten bieten.

     Freeman

P.S.: Man kennt Ihre Begeisterung für die USA, die noch aus Ihrer Zeit als Fulbright-Stipendiat herrührt. Gibt es eine ähnliche persönliche Affinität zu Großbritannien?

D.H.: Die gibt es. Im Sommer 1955 war ich vier Wochen zur Kartoffelernte in einem Internationalen Studenten-Camp in den Midlands östlich von Stoke und erkundete danach per Hitchhiking das Land einschließlich Schottland und Wales. Dank meinen Bed + Breakfast Übernachtungen begeisterte ich mich für das englische Frühstück mit Porridge, Ham and Eggs und der unvergleichlichen Orangenmarmelade, etwas, das ich bis heute schätze.

P.S.: Stellen Sie sich vor, Sie begegnen einer Fee, die Ihnen verspricht, drei Wünsche für die Partnerschaft mit Stoke-on-Trent zu erfüllen. Welche wären das?

D.H.: 1. Mehr von den von Anfang an geplanten Bürgerreisen in beiden Richtungen. - Viele Stoker waren noch nie auf dem „Kontinent“. 2. Eine Neueinschätzung der Möglichkeiten und Chancen dieser Partnerschaft durch beide Rathäuser zusammen mit Interessierten in der Bürgerschaft und eine gezielte Umsetzung. 3. Eine Schärfung des Bewußtseins in unseren beiden Städten für die entscheidende Bedeutung auch der deutsch-englischen Aussöhnung und Partnerschaft für unser gemeinsames Europa.

             Dietmar Hahlweg

P.S.: Verraten Sie uns bitte zum Ende des Gesprächs einige persönliche Dinge: Wer ist Ihr englischer Lieblingsautor? Auf welches englische Lebensmittel möchten Sie nicht verzichten? Welcher Pop- oder Rocksong von der Insel kommt Ihnen spontan in den Sinn? Welches Vorurteil der Deutschen gegenüber den Engländern ist das hartnäckigste? Was halten Sie persönlich für typisch britisch und sollte auch britisch bleiben?

D.H.: In der Reihenfolge: Der irisch-englische Dramatiker George Bernhard Shaw; Orangenmarmelade; “All you need is love” von den Beatles; die Engländer seien versnobt; elegante Herrenmode und die feine englische Art.

P.S.: Haben Sie vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Peter Steger, 12.06.11

13.06.2011
» zurück zur Übersicht

Weiterführende Informationen