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Stoke-on-Trent

Viele neue Freunde in Stoke

Kaum zu glauben, aber wahr: Erst im März hat sich der Englisch-Deutsche Verein in Stoke-on-Trent gegründet, und schon zählt er mehr als einhundert Mitglieder, darunter natürlich Deutsche, aber auch viele Engländer, wie Terry Pye, der schon Ende der 90er Jahre in Erlangen zu Gast war und regelrecht darauf brennt, wieder nach Franken zu kommen. Was da an einem Dienstagmorgen in der Hotel-Lounge besprochen wird, ist der Stoff, aus dem die Partnerschaft sein könnte: Eine Bürgerreise von Stoke nach Erlangen zur nächsten Bergkirchweih, Unterstützung bei allen Austauschprogrammen, Betreuung von Gästen, Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut in Manchester, Vorträge von Erlangern zu einem Sondertermin oder bei den Treffen, die regelmäßig immer an jedem ersten Donnerstag im Monat stattfinden. Wenn es diesen Verein nicht schon geben würde, müßte man ihn erfinden. Und natürlich hat er auch schon eine Homepage für all jene, die gerne mehr wissen und Kontakte knüpfen wollen, bevor sie in Richtung Stoke aufbrechen: http://northstaffsanglogermanclub.jimdo.com

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Edel geht es zu im Potter’s Club und fein, früher sogar elitär. Nur die Bosse der Keramikbetriebe kamen hier zusammen, blieben unter sich, um über Geschäfte zu sprechen. Heute sind in dem historischen Ziegelsteingebäude, das sogar die Queen schon besucht hat, verschiedene Institutionen untergebracht, und im Obergeschoß, der guten Stube von Stoke, sind längst auch Normalsterbliche, sogar weiblichen Geschlechts, zugelassen. Und einen Rauchsalon gibt es auch nicht mehr. Dafür noch die schöne Sitte, sich nach dem Essen für eine Weile in einen anderen Raum zu begeben, wie um die Verdauung und das Gespräch anzuregen. Gekocht wird hier übrigens vorzüglich, alles typisch englische Gerichte, und zum Abgang sollte man sich in keinem Fall den Potter’s Delight entgehen lassen, ein köstlich-süßes Potpourri.

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Eingeladen hat Mark Meredith, der letzte von der Bevölkerung gewählte Mayor, der sich noch gut an seinen Erlangen-Besuch erinnert. Der frühere Amateurboxer geriet 2009 unter Korruptionsverdacht, konnte sich aber rehabilitieren und ist längst wieder nicht nur ein angesehener Geschäftsmann, sondern auch ein prominentes Mitglied des Stadtrats. Sogar dem zehnköpfigen Kabinett des Mehrheitsführers und starken Mannes von Stoke, Mohamed Pervez, gehört er an. Für die nächsten vier Jahre – die Legislaturperiode hat im Mai begonnen – sieht er unter Labourführung eine stabile Kommunalpolitik voraus, die freilich schwer zu kämpfen haben werde mit der von London verordneten Sparpolitik. Allein im nächsten Haushalt seien um die 20 Mio. Pfund zu streichen. Das schmerzt den Labour-Mann, der in seiner Amtszeit gerade für die Stadtteilarbeit und das Sozialwesen viele wichtige Projekte ins Leben gerufen hat.

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Zwei seiner Lieblingsprojekte zeigt er deshalb dem Gast auch gern: Das Mitch, ein architektonisch ansprechend gestaltetes und rundsanierten Theater für Jugendliche ganz im Stadtkern, wo, wie der Leiter, Ian Hutchingson, meint, gern auch einmal eine Erlanger Truppe auftreten oder von wo einmal das Theaterfestival Arena ein Ensemble einladen könnte. Ein Zentrum übrigens, in dem auch Schulabbrecher eine Chance auf Wiedereingliederung in das Bildungssystem erhalten. Und dann ist da die Skater Plaza im Wahlkreis von Mark Meredith. Eine Anlage, die in der Art einzigartig sein dürfte. In unmittelbarer Nähe eines „Waldparks“, angelegt auf einer alten Kohlengrube und meisterhaft renaturiert, für alles geschaffen, was das Herz von Skatern und BMX-Fahrern höher schlagen läßt. Auch das des Besuchers, der nur staunen kann über die Akrobatik der Jugendlichen, die sich hier selbst organisieren, überwacht lediglich von den sogenannten „sprechenden Kameras“ und gelegentlich vorbeikommenden Polizisten. Der ideale Platz, um auch einmal Erlanger Skater bei einem Wettbewerb an den Start zu schicken. 

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Mit den jungen Leuten kommt man hier rasch ins Gespräch. Deutschland ist so weit und unbekannt für sie. Neugierde in den Augen. Durchaus aber auch gesundes Mißtrauen. Was soll der Photoapparat? Ist der Unbekannte vom Festland etwa ein Pädophiler? In England ist es nicht erlaubt, Jugendliche unter 16 Jahren ohne Einverständnis der Eltern zu photographieren. Später stellen Erwachsene die Frage, ob man mit der Kamera etwa auf der Suche nach den Unruhen sei. Immerhin haben die ja schon die Nachbarstädte Manchester und Birmingham erreicht. Wer weiß… Die Polizei zeigt jedenfalls vorsichtshalber Präsenz und präsentiert sich auch gleich mit dem neuen Dienst, der Nachbarschaftspolizei, die weniger Kompetenzen, dafür aber den Puls an der Bevölkerung hat – und gerne einmal von den eigenen Erfahrungen in Erlangen berichten würde.

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Und dann immer wieder Zufallsbegegnungen mit Menschen, die Erlangen kennen, schon einmal dort waren oder Gäste aufgenommen haben, etwa von der Waldorfschule. Aber das hat sich ja leider ebenfalls verlaufen. Gut, daß jetzt die Zeit gekommen ist, wieder alle und alles zusammenzuführen.

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Vielleicht auch in einem der Stadtteilbüros, wo es Börsen für Ehrenamtliche gibt, wo Beratungsangebote gemacht werden – vor industriehistorischer Kulisse -, wo an ähnlichen Konzepten - Stichworte „Familienfreundlichkeit“ oder „lebenslanges Lernen“ - gearbeitet wird wie in Erlangen.

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Es sind noch viele Ecken sich selbst überlassen, Ödland findet man zuhauf in Stoke, aber die Richtung ist erkennbar. Die Stadt will weg von ihrem Image als Stahl-, Kohle- und Töpferstadt, setzt auf erneuerbare Energie, auf saubere Industrie, will Bildung und Wohlstand schaffen, eine grüne Kommune werden. Und Stoke hat Politiker wie Mark Meredith, die allem auf den Grund gehen, die nah an den Menschen und sich nicht zu fein sind, auch persönlich den Zustand der öffentlichen Toiletten zu überprüfen: Politiker, die da sind für ihre Bürger, die weltoffen denken und tatkräftig den Neustart der Partnerschaft unterstützen. Was will man mehr!

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09.08.2011

13.08.2011
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