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Stoke-on-Trent

Partnerschaft kann so schön sein

Partnerschaft kann so schön sein, wenn alle mitmachen. Wenn sogar Lord Mayor, Terry Follows, seit Mai in einem Amt, das ihm freilich keinen unmittelbaren Einfluß auf die Kommunalpolitik verschafft, die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit von Stoke und Erlangen wünscht und sich viel Zeit für ein Gespräch mit dem deutschen Gast nimmt.

Lord Mayor

Partnerschaft kann so schön sein, wenn es nach dem protokollarischen Auftakt so richtig an die Arbeit geht. Wenn Alison Knight, Chefin der Abteilung für Stadtentwicklung, wo auch die Partnerschaftsarbeit angesiedelt werden soll, mit ihrem Mitarbeiter, John Willis, den gemeinsamen Claim der Kooperation absteckt. Um Wirtschaftsförderung geht es ihr vordringlich, um Austausch von Fachkräften zwischen den Verwaltungen, um das Mandat, einen Paradigmenwechsel in der Stadtpolitik herbeizuführen, möglichst mit Freunden aus dem Ausland, um den Kontakt zu Erlangens Forschern von der FAU oder den Fraunhofer Instituten, aber auch um den Komplex erneuerbarer Energien, wo man Deutschland ganz vorne sieht. Bei all dem vergißt sie nicht, daß eine Städtepartnerschaft vor allem aus der Bürgerschaft heraus lebt, kulturelle Impulse braucht. Genau das, was man auch in Erlangen für unabdingbar ansieht. Man kann sehr sicher sein, daß Alison Knight schon bald mit einer Wirtschaftsdelegation nach Erlangen kommt, um einen Gegenbesuch der IHK Nürnberg anzuregen.

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Partnerschaft kann so schön sein, wenn man gleiche Ziele hat. Beide Partnerstädte stecken sich ehrgeizige Klimaschutzziele. Stoke leistet sich sogar einen eigenen Mitarbeiter für das Thema Klimawandel, der vor allem darauf achtet, den CO² - Ausstoß auf lokaler Ebene zu senken. Die Regierung in London hat sich dafür ein probates Druckmittel einfallen lassen. Für jede Tonne des Klimakillers zahlt der Verursacher £ 12. Die Kommune muß derzeit £ 500.000 berappen. Schon für 2015 wird die Strafgebühr pro Tonne £ 30 betragen. Ein gewaltiger Anreiz also, wo immer möglich, Energiespaßnahmen zu nutzen und auf alternative Quellen umzusteigen - bis hin zur Geothermie. Als postindustrielle Stadt ist Stoke ja auch in der Tat auf dem besten Weg, zu einer „grünen“ Kommune zu werden, die sich zum Ziel gesteckt hat, möglichst autark in Sachen Energie zu werden. Auf immer mehr Dächern sind deshalb Sonnenkollektoren zu sehen, unweit von Stoke baut Siemens einem Windpark. Vor allem die fast 20.000 Wohnhäuser in städtischem Besitz müssen alle wetterfest gemacht werden. Und man ist schon weit gekommen. Unter den 130 britischen Kommunen, die an einer landesweiten Ausschreibung „Creativ Council“ teilgenommen haben, ist Stoke unter die 17 Finalisten gekommen, die in der Ausscheidungsrunde mit erheblichen Zuschüssen aus London rechnen können. Interessant dabei, daß der Umwelt- und Klimaschutz zu einer Querschnittsaufgabe geworden ist; das Umweltamt gewissermaßen in der Wirtschaftsförderung, im Sozialen, in der Stadtplanung und in anderen Bereichen aufgegangen ist. Dennoch oder gerade deshalb zeigt sich Nicolas Jones brennend an den Erlanger Erfahrungen mit Passivhäusern, Verkehrsplanung, alternativen Energiequellen und vor allem den Stadtwerken interessiert. Angemerkt sei noch, daß Stoke – wer hätte das in Erlangen gedacht! – im Rahmen eines EU-Projekts bereits mit Eskilstuna zusammenarbeitet, just jener Stadt, die jetzt schon seit 50 Jahren mit der Siemensstadt verbunden ist. Denkbar, daß sich da ein Kooperationsdreieck ergibt.

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Ja, die Partnerschaft kann wirklich so schön sein, wenn man in Julie Obada eine Tourismusfachkraft findet, die sich für die eigene Sache begeistert und die Idee, eine Bürgerreise zu veranstalten, mit großem Interesse aufnimmt und gleich auf den Gedanken verfällt, auch in Stoke einen solchen Trip nach Franken anzubieten. Gemeinsame Ausstellungen könnten das Bewußtsein von der Partnerschaft wieder hier wie dort schärfen. Und dann gibt es auch gemeinsame Traditionen: Bier zum Beispiel. Warum nicht eines der vielen Stoker Biere nach Erlangen benennen, warum nicht zum herbstlichen Beer-Festival ein paar Fässer von Kitzmann über den Kanal schicken? Und Erlangen sollte auch seine Hausaufgaben machen und endlich die Kurzfassung des eigenen Imagefilms ins Englische übersetzen. Ideen über Ideen.

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An Ideen mangelt es auch Maureen Eastgate nicht, die als Pressesprecherin daran interessiert ist, den Partnerschaftsgedanken wieder unter die Leute zu bringen. Und schon wird die Homepage neu gestaltet, soll dort mehr Information über Erlangen zu finden sein, scheint es möglich, einen Partnerschaftsblog ins Leben zu rufen, überlegt man, welche Texte in Deutsch oder Englisch zusätzlich angeboten werden sollten. Schon im Oktober wird es einen ersten virtuellen Neustart geben, vielleicht mit einem Rück- oder Ausblick auf die Partnerschaft, vielleicht mit einem Interview mit einem alten oder neuen Akteur der Städtefreundschaft. Man wird sehen. In jedem Fall wird man die Seiten verlinken und einen engen Informationsaustausch auf den Weg bringen. Ganz sicher!

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Partnerschaft kann so schön sein, wenn einem an der Keele University, malerisch in der Nähe von Stoke gelegen, Rosi Monkmann gegenübersitzt, die selbst vor einigen Jahren in Erlangen an der FAU zugebracht und viel Erfahrung von dort mitgebracht hat – einschließlich ausgezeichneten Deutschkenntnissen. Sie ist jetzt zuständig für den Science + Business Park mit seinen gut 40 Ausgründungen und Start-up-Unternehmen, vor allem aus dem Bereich von Medizin und Gesundheit. Und gleich ein Vorschlag von großer Praxistauglichkeit: Erlanger Jungunternehmer können für bis zu sechs Monate in den Wissenschafts- und Wirtschaftspark kommen, um den britischen Markt zu erkunden und dann vielleicht ganz im Lande zu bleiben. Beispiele dafür gebe es schon mit amerikanischen Partnern. Da sollten sich die Erlanger nicht lumpen lassen und den englischen Freunden ähnliche Konditionen einräumen. Eine Idee, die mit der IHK Nürnberg zu besprechen und sicher umzusetzen ist. Auch was Richard Toon und Andy Brooks aus dem Bereich Forschung und Unternehmensservice von der Keele University vorstellen, hat das Zeug, die Kollegen von der FAU für eine Zusammenarbeit in den verschiedensten Bereichen zu gewinnen: von Medizin bis hin zu Psychologie oder Mathematik. Eine Idee kommt selten allein, und so wird fleißig weitergesponnen: Für Keeler Studenten wäre es einmal eine schöne Sache, ein Praktikum bei Siemens, Adidas oder Puma zu machen, vielleicht auch bei anderen Firmen aus Erlangen und der Region. Das Erasmus Programm könnte bei der Finanzierung helfen – und sicher die Erfahrung des IZMP und der Erlangen AG. 

Da muß sich nun erst so einiges noch setzen, hier wie dort, aber lange sitzen bleiben will niemand, es fehlt das Sitzfleisch, und alle sind schon unterwegs zu den ersten konkreten Projekten. So schön eben kann Partnerschaft sein – zwischen Erlangen und Stoke.

PS, 10.08.11

 

13.08.2011
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