Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Informationen über die Stadt

Die Kriegsveteranen - Versöhnung

Die Städtepartnerschaft hätte ihr Ziel verfehlt, wenn es nicht auch und gerade gelungen wäre, die Aussöhnung zwischen den ehemaligen Feinden ins Werk zu setzen. Zum 50. Jahrestags des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion hat Jakow Moskwitin, der inzwischen verstorbene Vorsitzende des Wladimirer Veteranenverbandes, den entscheidenden Schritt getan und im Juni 1991 zehn Teilnehmer am „Unternehmen Barbarossa“ unter Leitung von Stadtrat Heinrich Pickel, CSU, eingeladen. Hieraus entwickelten sich engste Beziehungen, die Ausdruck in vielfältigen Begegnungen, persönlichen Freundschaften, aber auch in der vielbeachteten Ausstellung „Deutsche Kriegsgefangene in Wladimirer Lagern“, konzipiert vom Zeitgeschichtler Witalij Gurinowitsch, und in einer Konzertreise des Wladimirer Veteranenchors nach Erlangen gipfelten.

Veteranendelegation 1991_ Wladimir

Nikolaj Schtschelkonogow, Nachfolger von Jakow Moskwitin, hat eine Erlangen-Hymne mit dem Titel „Stadt an der Regnitz“ (s. unten) gedichtet und vertont. Zum 60. Jahrestag des Überfalls der Hitlertruppen auf die UdSSR kamen im Juni 2001 Veteranen aus Wladimir zu einer Podiumsdiskussion nach Erlangen.

Fritz Wittmann, Motor der Veteranenverbindungen und vieler anderer Kontakte im Bereich der Bürgerpartnerschaft, konnte im Juli d.J. sein Bändchen „Rose für Tamara“ mit Erinnerungen deutscher Frontsoldaten und Kriegsgefangener im Beisein des neuen russischen Generalkonsuls, Dr. Lew Klepazkijs, vorstellen, das im März 2002 von Bundespräsident Johannes Rau mit dem „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ ausgezeichnet wurde und im September 2003 in Wladimir auch in russischer Übersetzung, ergänzt durch Berichte von Wladimirer Zeitzeugen, erschien.

Ungezählte deutsche Kriegsveteranen konnten über die Städtepartnerschaft ihre einstigen Lager wieder besuchen oder die Gräber von Kameraden ausfindig machen. Die Erlanger Veteranen haben auf Betreiben von Peter Uebel, dem Vorsitzenden des lokalen Kriegervereins, und seinem Stellvertreter Fritz Rösch ihren russischen Kameraden einen VW-Bus geschenkt, und die Apotheke des Wladimirer Veteranenverbands kann dank der Initiative und Unterstützung von Fritz Wittmann an viele alte Menschen kostenlos Medikamente ausgeben.

Ein besondere Geste: Zum 9. Mai 2005 war Erlangen mit 60 Gästen vertreten, darunter auch drei Kriegsveteranen bzw. ehemalige Kriegsgefangene, die gemeinsam mit Schülern aus beiden Städten eine „Allee der Freundschaft“ mit 60 Eichen pflanzten. Zu den offiziellen Feierlichkeiten wurden die Gäste ausdrücklich begrüßt. Die russische Fortsetzung von „Rose für Tamara“ unter Leitung von Witalij Gurinowitsch wurde am 23. Juni vom Deutsch-Russischen Forum in der russischen Botschaft Berlin erneut mit dem Sonderpreis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland ausgezeichnet.

Um Friedhelm Kröger bildete sich in Minden eine etwa zwölfköpfige Gruppe von ehemaligen Kriegsgefangenen, von denen 2010 zum 65. Jahrestag des Kriegsendes noch einmal zwei nach Wladimir reisten, gemeinsam mit einer Abordnung des Krieger- und Soldatenvereins Möhrendorf und der offiziellen Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Siegfried Balleis, der sich am Tag des Sieges erstmals mit einer historischen Rede an die Wladimirer wenden konnte.

Veteranen_Minden_Wladimir

2011 konnte Bürgermeisterin Dr. Elisabeth Preuß zum 70. Jahrestag des Überfalls der Hitler-Truppen auf die UdSSR im Beisein von Weltkriegsveteran Wolfgang Morell, dem man in Wladimir das Leben gerettet hatte, auf dem Platz des Sieges sprechen. Am 9. Mai 2015 sprach Dr. Florian Janik als erster Erlanger Oberbürgermeister auf dem Platz des Sieges.

Platz des Sieges_OB Janik_Wladimir

Wladimir wurde im Krieg nicht zerstört, sondern war Lazarett- und Lagerstatt. Ein Erlanger Kriegsveteran wurde dort sogar behandelt und hat Wladimir wohl auch sein Leben zu verdanken. Aber es haben auch viele ihr Leben dort gelassen, und bis heute suchen und finden Angehörige die letzte Ruhestätte ihrer Väter und Großväter in und um Wladimir. Es gab dort auch das sog. „Zentral“, wo Kriegsverbrecher inhaftiert waren. Helmuth Weidling, der letzte Kommandant von Berlin, ist sogar in Wladimir beigesetzt worden; die sterblichen Überreste Johann Rattenhubers, des Chefs der Leibstandarte Hitlers, wurden in den 50er Jahren nach Deutschland überführt. In Susdal war Feldmarschall Friedrich Paulus nach der Niederlage von Stalingrad interniert. Das Thema Veteranen und Kriegsgefangene ist ein eigenes Thema im Blog http://erlangenwladimir.wordpress.com („Veteranen“). 2013 stellte Peter Steger die Erinnerungen der deutschen Kriegsgefangenen an ihre Lagerzeit in Wladimir im Band „Komm wieder, aber ohne Waffen“ zusammen, der 2015 eine erweiterte und überarbeitete Neuauflage erfuhr, die 2017 auf Russisch erscheint.

02.04.2017
» zurück zur Übersicht