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Archiv "Partnerstädte"

Dr. Dietmar Hahlweg zum 20-jährigen Partnerschaftsjubiläum

Der Erlanger Ex-Oberbürgermeister Dr. Dietmar Hahlweg war der wohl wichtigste "Baumeister" der Städtepartnerschaft Jena - Erlangen und so zum 20-jährigen Jubiläum ein gern gesehener Gast. OTZ sprach mit ihm über den Wert der Beziehungen zu Jena.

Herr Dr. Hahlweg, Sie haben die Partnerschaft mit Jena maßgeblich auf den Weg gebracht. Wie beurteilen Sie die Entscheidung Erlangens vor 20 Jahren?

Hahlweg: Mich bewegen dabei sehr gute Gedanken. Es war doch richtig auch nach meiner heutigen Einschätzung, den Schritt in die Partnerschaft mit Jena zu wagen. Die ja zunächst nur eine Funktionärspartnerschaft sein konnte, aber mit dem Ziel einer lebendigen Bürgerpartnerschaft. In den eineinhalb Jahren bis zur Wende waren wir aber nicht untätig. Über das Marie-Therese-Gymnasium, den Stadtjugendring, den Chor St. Sebald und andere haben wir den Weg zu den Bürgern Jenas gefunden. Durch einen Glücksfall der Geschichte, den Fall der Berliner Mauer, ist es sehr schnell zu einer echten Partnerschaft gekommen. Wir hatten so einen fliegenden Start hinlegen können. In den ersten acht Wochen nach dem Mauerfall sind 50000 DDR-Bürger nach Erlangen gekommen, die Hälfte von ihnen waren aus Jena. In der Zeit gab es seitens der Erlanger über 2000 Kontaktwünsche zu Jenaern, das hat uns als Verwaltung sehr viel Arbeit beschert. Entwickelt hat sich daraus nach kurzer Zeit ein enges Geflecht von Kontakten zwischen der Wirtschaft, den Vereinen, Kirchen, dem Sport, den Orchestern bis hin zu Landsmannschaften. Wir haben uns dabei nicht als reiche Onkel aus dem Westen präsentiert, sondern gesagt: Lasst uns gemeinsam Gutes tun.

Wie wurde die Partnerschaft mit Jena bei den Erlangern aufgefasst?

Hahlweg: Wir hatten bereits 1983 Partnerschaftsbeziehungen zu der russischen Stadt Wladimir aufgenommen. Das wurde damals im Stadtrat noch höchst kontrovers diskutiert. Die Erfahrungen, die wird mit dieser Partnerschaft sammeln konnten, hat uns den Rücken gestärkt bei der Partnerschaft mit Jena, denn wir konnten ja zum einen darauf verweisen, dass die Sowjetunion da schon viel weiter war als die DDR und in Erlangen darauf, dass kurioserweise die Idee zu einer solchen Beziehung mit Jena schon 1970 von der CSU.

Welchen Sinn macht die Städtepartnerschaft heute?

Hahlweg: Die Partnerschaft zwischen unseren beiden Städten ist zu einer Freundschaft geworden, die einen eigenen Wert hat und die es zu hegen und pflegen gilt. Beide Städte haben ähnliche Einwohnerzahlen, eine starke Industrie, eine Universität und noch viele weitere Gemeinsamkeiten. Wie die, dass auch Erlangen sich um den Titel "Stadt der Wissenschaft" beworben hat, dabei aber ausgerutscht ist. Jena hingegen hat es geschafft, den Titel zu holen. Das könnte also heißen, dass wir von Jena noch einiges lernen können, dass wir mit anderen Worten wichtige Synergieeffekte für beide Städte nutzbar machen.

Und wie ist es hinsichtlich der von Anfang an angestrebten Bürgerpartnerschaft?

Hahlweg: Die Frage ist, ob die Wiedervereinigung in den Köpfen und Herzen der Menschen "hüben und drüben" schon realisiert ist. Finden sich die Bürger der neuen Bundesländer schon voll akzeptiert? Ich denke, da gibt es noch viel zu tun. Insofern kann die Partnerschaft einen Beitrag leisten. Betonen möchte ich, dass es in den 20 Jahren dieser Partnerschaft nie eine Überheblichkeit vom Westen her gegeben hat. Wir haben Jena und die Jenaer immer als gleichwertig betrachtet, als Partner eben und Freunde. (Interview: Frank Döbert - Ostthüringer Zeitung)

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