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Archiv "Partnerstädte"

2. Bürgerreise im Herbst 2006

Am 24. September 2006 traf eine 20köpfige Reisegruppe aus Erlangen in Istanbul ein, um sich einige Tage lang vor allem in der Partnerstadt Besiktas umzusehen. Die Reise hatte die Stadt Erlangen für Erlanger Bürger/innen im Frühsommer ausgeschrieben. Planung und Durchführung lagen in den Händen von  Silvia Klein vom Bürgermeister- und Presseamt/ Internationale Beziehungen mit Unterstützung des Vorsitzenden von ERBES e.V., Ruhi Teksifer, der die Gruppe in Istanbul empfing.

Das Besuchsprogramm, auf das die Teilnehmer/innen vorbereitet worden waren, führte die Erlanger nicht nur nach Besiktas, sondern auch in andere Stadtteile von Istanbul. Der Aufenthalt fiel in die Zeit des Fastenmonats Ramazan (so die türkische Form). Das teilweise hektische Treiben des Tages entspannte sich schlagartig nach einem Böllerschuss, der zum Zeichen des Fastenendes etwa um 19 Uhr erfolgte; gleichzeitig füllten sich zusehends die Restaurants.

So anstrengend das Programm war, so vielseitig und interessant war es wohl für alle. Der erste Besuch führte in das Rathaus von Besiktas. Anhand einer umfang- und inhaltreichen Power-Point-Präsentation wurden die Zukunftsaufgaben der Stadt Besiktas sowie Wege zu ihrer Lösung aus einer – wie ausdrücklich festgestellt wurde – sozialdemokratischen Position heraus und unter verstärkter Bürgerbeteiligung vorgestellt. Die erfolgreiche Ansiedlung großer Unternehmen, die auch hierdurch bedingte rege Bautätigkeit sowie die überdurchschnittliche Schul- und Hochschuldichte kennzeichnen die Situation der Stadt mit hohem Lebensstandard (200 000 Einwohner). Die geplanten Maßnahmen zur Qualifizierung bestimmter Bevölkerungsgruppen, besonders junger Frauen, und zur Verkehrsberuhigung deuten aber auf  Probleme, die Besiktas mittelfristig zu lösen hat. Nach der Präsentation wurde die Reisegruppe vom stellvertretenden Bürgermeister von Besiktas begrüßt. In ihrer auf Türkisch vorgetragenen Erwiderung dankte Frau Dr. Preuß für die Einladung und überbrachte die Grüße der Stadtspitze.

Immer neue Ansichten von Besiktas vermittelte das weitere Programm des ersten Tages. Der Weg führte u.a. in das alte Zentrum von Besiktas mit seinem Fischmarkt, zu einer armenischen und einer griechisch-orthodoxen Kirche, zu einer Synagoge und einer Moschee – unterbrochen von einer einstündigen Schifffahrt auf dem Bosporus von der Anlegestelle Ortaköy bis zur Festung Rumeli Hisari. Beeindruckend war dabei nicht allein die Nord-Süd-Ausdehnung von Besiktas entlang des Bosporus, sondern die Fülle sehenswerter Anlagen und traditioneller Holzbauten am Ufer; fast beängstigend demgegenüber die dichte Bebauung an den Berghängen und auf den Höhen.

Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Besiktas waren Ziel einer anderen Rundfahrt: der Dolmabahce-Palast, ein Beispiel für die Prachtentfaltung der späten osmanischen Herrscher, die Yildiz-Porzellanmanufaktur, in der das Geschirr nach wie vor mit der Hand bemalt wird, und der weitläufige Yildiz-Park, ein Naherholungsgebiet mit einem Schloss – heute Museum – und mit Pavillons, die heute als Cafés für die Besucher dienen. Durch den Stadtteil Bebek, den vornehmsten Teil von Besiktas am Bosporus, führte Frau Mualla Mezhepoglu, die sich der Stadt Erlangen ganz besonders verbunden fühlt und die in ihrer Wohnung zu einem gemeinsamen Gespräch und einem traditionellen, d.h. opulenten, Nachmittagstee einlud.

Natürlich durften bei all den interessanten Zielen in Besiktas die hervorragendsten Bauten von Alt-Istanbul nicht fehlen. Am zweiten Tag des Aufenthaltes standen auf dem Besichtigungsprogramm: der ägyptische Basar (Gewürzbasar), der Große Basar, die Süleymaniye-Moschee, die Blaue Moschee (Sultanahmet-Moschee), das Hippodrom, die Hagia Sophia und die Yere-batan-Zisterne. In jeder dieser Anlagen hätte man viele Stunden verbringen mögen. Dem örtlichen Reiseleiter, nach türkischem Brauch „Arman Bey“ genannt, gelang es indes, auf interessante Weise in sehr viel kürzerer Zeit die wichtigsten Fakten – und Geschichten – zum kulturellen Erbe Istanbuls zu vermitteln. Seinem weit gefächerten Wissen und seinem tadellosen Deutsch verdankten es die Besucher, sehr gut informiert und bestens unterhalten worden zu sein; informiert übrigens auch über die gesellschaftliche, religiöse und politische Entwicklung der Türkei bis in die Gegenwart wie auch über die nicht unproblematische geologische Lage Istanbuls.

Trotz des dichten Programms kam auf dieser Reise die Erholung nicht zu kurz. Der letzte Tag führte die Erlanger Besucher zu den Prinzeninseln im Marmarameer. Selbst diese Inselgruppe gehört verwaltungsmäßig zu Istanbul. Die größte, Büyük Ada, ist ein bevorzugter (Ferien-) Wohnort der wohlhabenden Istanbuler – und frei von privaten Autos. Eine Kutschfahrt zum Fuß des höchsten Berges (mit einem griechisch-orthodoxen Kloster) führte an einer unerwartet großen Zahl sehr schöner Villen vorüber.

Die Rückfahrt mit dem Schiff vermittelte schließlich noch einen kurzen Eindruck vom asiatischen Teil Istanbuls. Vom Fährhafen Kadiköy aus ging es –  jetzt wieder mit dem Bus – zum Pinienhügel Camlica, einem beliebten Ausflugsziel über dem Bosporus mit herrlichem Blick auf Besiktas. Über die beeindruckende Atatürk-Hängebrücke war es nicht mehr weit zum Hotel in der Nähe des Taksim-Platzes. Am Abend traf sich die Gruppe zum Essen in einem Restaurant, bei dem noch einmal die Köstlichkeiten der türkischen Küche zur Wahl standen. Hierbei – wie in vielen anderen Situationen mit Ruhi Teksifer zusammen – stand Frau Klein mit ihren sehr guten Türkischkenntnissen hilfreich zur Seite.

Nach der Rückkehr am 29. September waren sich die Teilnehmer darin einig, dass Besiktas eine bedeutende Partnerstadt und noch viele Bürgerreisen wert ist.


Gerhard Mischel
27.10.2006

29.07.2020
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