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Archiv "Partnerstädte"

Interreligiöse Begegnungsreise im Herbst 2007

In Erlangen gibt es eine gewachsene gute Gesprächsbereitschaft zwischen den drei großen monotheistischen Weltreligionen. Von MdL und Stadtrat Wolfgang Vogel stammte die Idee einer gemeinsamen „Interreligiösen Begegnungsreise“ nach Besiktas, um bei der dritten Bürgerreise auch Vertreter der unterschiedlichen Religionsgruppen in dem dynamischen Istanbuler Stadtteil zu besuchen und sich mit ihnen auszutauschen. Von der Stadt Erlangen und beim Verein ERBES wurde dieser Vorschlag gerne aufgegriffen.

Aus der Idee wurde dank eines eifrigen Vorbereitungsteams (u.A. Dekan Josef Dobeneck, Dr. Hans Markus Horst,  Dr. Hans Jürgen  Luibl, Pfr. Johannes Mann und ERBES-Vorstand Ruhi Teksifer) und dank des Organisationstalentes von Silvia Klein schöne Realität: Vom 16. bis 21. September 2007 hielten sich 23 Bürgerinnen und Bürger Erlangens in der Partnerstadt zu diesem Zweck auf. Dazu gehörten natürlich vor allem Vertreterinnen und Vertreter der drei wichtigsten christlichen Konfessionen, der islamischen Gemeinden Erlangens und der jüdischen Gemeinde mitsamt deren lokalen Freundeskreis.

Manche Überschneidungen mit dieser Kerngruppe gab es bei weiteren Delegationsmitgliedern wie z.B. den Repräsentanten von ERBES und Alt-Obgm. Dr. Dietmar Hahlweg, dem Leiter des christlich-islamischen Arbeitskreises. Sprecherin der Gruppe bei den interreligiösen Begegnungen und bei dem freundlichen Empfang durch Bürgermeister Ismail Ünal  war Bürgermeisterin Dr. Elisabeth Preuß, die sich dieser Aufgabe mit bewundernswerter Freundlichkeit und Leichtigkeit unterzog. Auch die Erlanger Theologische Fakultät war durch Prof. Dr. Hacik Rafi Gazer, den in Istanbul aufgewachsenen armenischen Christen, vertreten, der mit seinem unschätzbaren Wissen die Reisegruppe bereicherte. Peter Millian von den „Erlanger Nachrichten“ würdigte diese Reise in einer vom 25. bis 29. September 2007 erschienenen Artikelfolge und nochmals am 7. Januar 2008 ausführlich.

Empfang bei Bürgermeister ÜnalEmpfang bei Bürgermeister Ünal

Die Reise fiel in den Fastenmonat Ramadan. Für Remzi Güneysu und Ramazan Öztürk von der Erlanger Islamischen Gemeinde bedeutete das, bei der unvergessenen  Nachmittagseinladung bei Mualla Hanim, der Hauptdarstellerin des Besiktas-Films, auf  das angebotene Gebäck und Getränke zu verzichten. Fest in Erinnerung bleiben wird auch die Feier des gemeinsamen abendlichen Fastenbrechens mit Vertretern der verschiedenen Religionsgruppen aus Erlangen und Besiktas. Erwähnenswert bleiben auch die abendlichen Genüsse der reichhaltigen türkischen Küche an den übrigen Tagen und die Leistungen unseres sehr guten Fremdenführers Arman M. Masoglu, welcher der  Gruppe im Begleitprogramm  viele Schönheiten der Stadt zeigte und Gegenwart und Geschichte Istanbuls bzw. des einstigen Konstantinopels lebendig vorstellte.

Die Begegnungsgespräche begannen gleich nach dem ersten Hotelfrühstück mit dem Empfang beim Mufti von Besiktas Süleyman Ilhami Özden, dem ca. 80 islamische Geistliche (Imame) unterstehen. Ihm selbst ist westliche Mentalität vertraut, da er früher als islamischer Religionslehrer in Belgien tätig war. Nur unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen konnten die Erlanger Christen, Juden und Muslime in die Synagoge und das jüdische Gemeindezentrum im schönen Ortaköy-Bezirk gelangen, eine Folge des schlimmen Bombenattentats auf die Synagoge in Beyoglu. Dann aber standen für die Reisegruppe alle Räume offen. Interessanter Gesprächspartner war der Rabbiner Rav Naftali Haleva, der seine Ausbildung in New York absolviert hat und einer offenbar recht lebendigen jüdischen Gemeinde vorsteht.

Wichtiger als die Diskussion mit dem evangelischen und dem katholischen Pfarrer der deutschen Gemeinde Istanbuls war entsprechend dem Reisezweck die Begegnung mit Vertretern der orthodoxen Kirche in der Türkei. Der Sprecher des griechisch-orthodoxen Patriarchen hatte wegen hohen politischen Besuchs aus den USA nur beschränkte Zeit für die Gäste aus Deutschland. Viel Zeit hingegen gab es für sie bei der armenischen Gemeinde in Ortaköy, wo nicht nur die Marienkirche sondern auch die angesehene  armenische Schule besucht werden konnte, die von einer armenischen Rektorin und einem türkischen Kollegen geleitet wird. Nach der Einziehung bedeutsamen weiteren Immobilienbesitzes in den 1970er Jahren setzt man hier  Hoffnungen und Erwartungen auf verbesserte finanzielle Bedingungen unter der Regierung Erdogan. Die Stadt Erlangen und der Verein ERBES freut sich inzwischen auf den Gegenbesuch von Religionsvertretern aus Besiktas, der noch 2009 stattfinden soll.

Heinrich Hirschfelder

29.07.2020
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