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Archiv "Partnerstädte"

China war eine Reise wert

Im Zeitraum vom 10. Oktober 2010 bis 9. November 2010 besuchte Schulleiter Manfred Müller mit einer bayerischen Schulleiterdelegation auf Einladung der Hanns-Seidel-Stiftung und des Arbeitsamtes der Provinz Guangdong (Department of Human Resources and Social Security) die Volksrepublik China. Ziel war es, durch die Diskussion mit verschiedenen beruflichen Schulen in der Provinz Guangdong mögliche Schulpartnerschaften auszuloten.

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Der Flug von München (Abflug:22:35 Uhr) nach Guangzhou mit einem Zwischenaufenthalt von über vier Stunden in Dubai wurde mit insgesamt 13 Stunden reiner Flugzeit zur ersten Herausforderung für die Teilnehmer aus elf verschiedenen bayerischen Berufsschulen. Der Empfang durch das Arbeitsamt und den Vertreter der Hanns-Seidel-Stiftung am Flughafen Baiyun Guangzhou um 22.00 Uhr Ortszeit war dann umso herzlicher. Ab diesem Zeitpunkt standen uns eine Dolmetscherin und ein Dolmetscher zur Verfügung. Unsere chinesischen Gastgeber hatten unseren Aufenthalt hervorragend vorbereitet und organisiert. Wir waren nur in den besten Hotels untergebracht. Der Transfer zu unseren verschiedenen Terminen war ebenfalls hervorragend gelöst.

Nach einer Eröffnungskonferenz am 1.11.2010, 8.00 Uhr, in den Räumen des Arbeitsamtes in Guangzhou, an der hohe Vertreter der Abteilung für Facharbeiterausbildung des Arbeitsamtes und zehn Schulleiter verschiedener beruflicher Schulen teilnahmen und bei der Fragen der beruflichen Bildung in Bayern und China zur Diskussion standen, ging es zum unvermeidlichen festlichen Mittagessen. Hier machten wir die ersten Erfahrungen mit der chinesischen Gastfreundlichkeit und den doch für uns sehr ungewohnten Speisen. Dass manche von uns durchaus in der Lage waren, mit Stäbchen zu essen, wurde sehr positiv vermerkt. Dass es nach jedem Essen ein Gruppenfoto gibt und Geschenke ausgetauscht werden, darauf waren wir gut vorbereitet.

Shenzhen 2

Wie wichtig unser Besuch genommen wurde, lässt sich durch einen Blick auf folgenden Link erahnen.

http://www.getc.net.cn/pages/xnhd/ny.asp?new=3084

Die weiteren Stationen unserer Reise führten uns zu folgenden Schulen:

01.11.2010: Höhere Facharbeiterschule für Städtebau Guangdong

02.11.2010: Meisterschule für Industrie und Handel Guangzhou und Höhere Facharbeiterschule für Maschinenbau und Elektrotechnik Guangzhou

03.11.2010: Meisterschule Zhongshan

04.11.2010: Höhere Facharbeiterschule Zhuhai, Besichtigung der Firmen MTU Maintance Zhuhai Co. Ltd. und der Firma Schmidt Zhuhai Ltd., die beide ihren Stammsitz in Deutschland haben.

05.11.2010: Meisterschule Shenzhou, Höheres praktisches Ausbildungszentrum Shenzhen

08.11.2010: Institute of Vocational Education (VTC) Hongkong

Wir konnten uns in Besprechungen und Besichtigungen sehr gut über den Stand der beruflichen Bildung in diesem wirtschaftlich hoch entwickelnden Teil von China informieren. Guangdong gehört zu den dichtest besiedelten Provinzen Chinas. Allein in der Hauptstadt Guangzhou (Kanton) leben über elf Millionen Menschen. Im südlichen Teil der Provinz verläuft der Perlfluss, der eine der bedeutendsten Schiffahrtsstraßen Chinas ist. Das sogenannte Perlflussdelta mit den Sonderwirtschaftszonen Shenzhen und Zhuhai sowie den Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macao zählt zu den aktivsten Wirtschaftsregionen Chinas. Diese Region ist „Chinas Tor zur Welt“ bzw. „Fabrik der Welt“.

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Die Schulen besitzen eine sehr gute Ausstattung, um die sie in Deutschland so manche Firma beneiden würde. Unsere Berufsschulen können in dieser Hinsicht in keiner Weise mithalten.

Die Schülerzahlen der chinesischen Schulen bewegen sich in Größenordnungen von 5.000 bis 20.000, die während ihrer Ausbildung überwiegend am Schulstandort untergebracht sind (Campusprinzip). Die meisten Schulen betreiben mehrere Schulstandorte gleichzeitig. Dies stellt eine besondere Herausforderung für die jeweiligen Schulleiter, die in ihrer Funktion wie Politiker und Funktionäre einzuschätzen sind und Millionenbeträge an Finanzmitteln zu verwalten haben, dar. Dabei ist das Zusammenspiel mit dem örtlichen Arbeitsamt, das scheinbar alles finanziert, von hoher Bedeutung, was sich in den gegenseitigen Freundschaftsbekundungen (man stößt mit einem Glas Rotwein auf gute Zusammenarbeit an und trinkt es aus) während der offiziellen Essen immer wieder deutlich zeigt. Hier mitzuhalten, war für manchen von uns eine große Herausforderung. Ein Glück, dass das Rotweinglas nur etwa zu einem Viertel gefüllt wird.

Insgesamt wird sehr anwendungsorientiert ausgebildet und außerordentlich stark auf die Anforderungen der Betriebe und Firmen vor Ort eingegangen. „Kooperation“, und ich hatte den Eindruck, das meinen Chinesen, wenn sie vom dualen System der Ausbildung sprechen, versteht man so, dass alle Anforderungen der Betriebe erfüllt werden, wobei auf Seiten der Betriebe keinerlei Verpflichtungen entstehen. Es wird für die „Werkbank der Welt“ ausgebildet. Unsere Firmenbesichtigungen bei MTU (Wartung von Flugzeugtriebwerken) und der Firma Schmidt (Hersteller von Geräten zur Fertigung von Solarmodulen) stützen meine Vermutung sehr deutlich. MTU hat in der Berufsschule eine eigene Klasse mit hohem Ausbildungsstand, ohne eine Übernahme der Schüler zu garantieren. Man sucht sich die besten aus. Die Wartungsarbeiten an den Turbinen werden ausschließlich von chinesischen Mitarbeitern erledigt, was einen hohen Ausbildungsstand widerspiegelt. Bei der Firma Schmidt werden die Geräte unter für uns sehr bedenklichen Umwelt- und Arbeitsschutzmaßnahmen gefertigt, und auch die Arbeitsplätze haben für unsere Verhältnisse einen niedrigen Ausstattungsstandard. Aber die chinesischen Fachkräfte sind sehr zufrieden, was durch eine hohe Stammbelegschaft in dieser Firma zum Ausdruck kommt. Berufsausbildung in China ist mit dem dualen System der Berufsausbildung bei uns nicht vergleichbar, aber unsere chinesischen Partner haben immer wieder davon gesprochen, dass sie unser duales System bewundern und von uns lernen wollen. Sie sind sich bewusst, dass ohne hochqualifizierte Facharbeiter und Techniker die Entwicklung des Landes nicht weitergehen wird. Es fehlen in der Provinz Guangdong nach Aussage des Arbeitsamtes schon heute 1,69 Millionen Facharbeiter und 360.000 Techniker. Berufliche Bildung hat daher einen außerordentlich hohen Stellenwert, was sich auch dadurch ausdrückte, dass sich unsere chinesischen Partner sehr um uns bemühten. Konferenzen und offizielle Essen mit Gedankenaustausch standen jeden Tag auf der Tagesordnung, und auch so manches „Kulturprogramm“ war möglich.

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Das Kulturprogramm machte uns deutlich, dass es in dieser hoch entwickelten Wirtschaftsregion durchaus Bestrebungen gibt, trotz aller gigantischen Planungen für großflächige neue Wirtschaftszonen, das „alte China“ zu erhalten. Allerdings sind die Chinesen sehr stolz auf den Aufbau ihrer Sonderwirtschaftszonen und haben deren Entwicklungen, z.B. in Shenzhen, in einem Museum eindrucksvoll dokumentiert.

Der Übergang aus Shenzhen in die Sonderverwaltungsregion Hongkong war zeitlich sehr aufwendig, wurde aber von der Berufsschule in Shenzhen und der Schule in Hongkong begleitet und war dadurch relativ unproblematisch.

Die Berufsschulen in Hongkong sind nach englischem Muster aufgebaut (Kollegsystem) und unterscheiden sich deutlich von den chinesischen Schulen. Außer, dass vollständig schulisch ausgebildet wird (Berufsfachschulsystem), kann man die Schulen in Ausstattung und Unterrichtsweise mit unseren Schulen vergleichen. Die Ausbildung ist auf die Bedürfnisse von Hongkong zugeschnitten, z.B. Tourismus, Hotelgewerbe. Es werden aber auch Ausbildungsrichtungen angeboten, die auf die Wirtschaft in den angrenzenden Wirtschaftszonen Shenzhen und Zhuhai ausgerichtet sind.

Dass Hongkong auch viele Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, konnten wir an unserem „freien Sonntag“ erkunden. Es ging auf den Victoria Peak, auf den Nachtmarkt, und wir genossen die Lightshow vor der Skyline der Wolkenkratzer bei Nacht. Der Flug nach Hause über Dubai war dann schon Routine.

Ob eine Schulpartnerschaft über eine so große Distanz möglich ist, das werden wir im Kollegium in nächster Zeit diskutieren müssen. Für mich ist aber klar, China war die Anstrengungen der Reise wert.

Manfred Müller

01.12.2010

05.10.2015
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