Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Archiv "Partnerstädte"

In Rennes daheim

Eva Brönner kann es noch nicht recht in Worte fassen, warum Rennes sie so an Erlangen erinnert. Aber das ist ja auch nicht so wichtig. Wer in der französischen Partnerstadt zu Gast ist, spürt es ja selbst: Als Erlanger fühlt man sich hier gleich zu Hause. Besonders dann, wenn man so zu Werke geht, wie das die Studentin an der Fachakademie des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde (IFA) tut. Französisch und Frankreich lagen ihr schon seit ihrer Kindheit am Herzen. In ihrem Heimatort Dormitz hat sie über Jahre geholfen, den Jugendaustausch mit der Partnergemeinde Clairoix bei Paris aufzubauen, über Pfingsten übernahm sie die Betreuung einer Pfadfindergruppe aus Uttenreuth, die das partnerschaftlich verbundene Saint Grégoire in der Banlieue von Rennes besuchte. Und dann ist da ja noch der Schüleraustausch mit der Hauptstadt der Bretagne, mittlerweile leider abgebrochen, an dem sie schon 2004 dank der Realschule am Europakanal teilgenommen hatte.

Tout Rennes court Eva Brönner Fahrrad

Eine Praktikumsstelle schreibt das IFA jedes Jahr für Rennes aus, finanziert vom Hochschulaustauschprogramm Erasmus. Eva Brönner bewarb sich darauf und bekam den Zuschlag. Bereits über Pfingsten hatte sie einen Teil des Gepäcks nach Rennes gebracht, wurde also schon gewissermaßen erwartet, als sie am 3. September ankam, um ein ganzes Jahr an der Universität Rennes II zu studieren und nebenher bei „Rennes Métropole“ im Bereich Internationales und Städtepartnerschaften ein Praktikum zu machen. Noch ist alles ganz neu, vieles noch unbekannt, die ersten Tage und Wochen waren angefüllt damit, „das Leben auf die Beine zu stellen“, ein Konto zu eröffnen, sich an der Uni zurechtzufinden, den Alltag zu ordnen, sich einen Freundeskreis aufzubauen. Doch schon kann die Neubürgerin überzeugend von sich sagen: „Ich fühle mich hier daheim, lebe in einer guten WG, und es gefällt mir super!“

Tout Rennes court Eva Brönner

Erste kleine, aber feine Unterschiede zu Erlangen hat die angehende Übersetzerin mit der Fachrichtung Geisteswissenschaften bereits entdeckt. So ist es für Studenten in der Universitätsstadt Rennes wesentlich leichter und günstiger, eine Wohnung zu finden; dafür sind die allgemeinen Lebenshaltungskosten durchweg höher, was die Existenz von Lidl wieder etwas erträglicher macht. Etwas, wovon Erlangen aber unbedingt lernen könnte, ist Velostar. Hinter dem Begriff verbirgt sich etwas, das der Fahrradstadt Erlangen zur Ehre gereichen würde. Überall in der Stadt kann man sich per Velostar für eine halbe Stunde ein Rad leihen – umsonst. Man stellt es einfach wieder an einem der vielen Fahrraddocks ab. Brauch man das Vehikel für länger, kann man es für sage und schreibe 20 Euro ein ganzes Jahr lang sein eigen nennen. Legt man weitere 10 Euro drauf, fährt man damit auch im ÖPNV, und sogar der Besuch im Schwimmbad kann auf die Karte geladen werden. Einfacher und günstiger geht es nicht mehr für Studenten. Billiger ist nur noch zu Fuß zu gehen - oder gleich daheim zu bleiben.

       Tout Rennes court Eva Brönner Lieblingshaus

Eva Brönner knüpft in Rennes an vieles an, was sie daheim in Dormitz und Erlangen schon gesponnen hat. Auch hier wird wie im E-Werk Salsa getanzt, und die Pfadfinder verfehlen einander ja ohnehin nie, gleich, wohin sie kommen, gleich, wo sie nacheinander suchen. Da wundert man sich nicht, wenn die oberfränkische Gaststudentin jetzt schon daran denkt, ihren Aufenthalt zu verlängern. Wenigstens für ein paar Wochen. Doch spätestens im September nächsten Jahres geht es in den Endspurt an der Akademie in Erlangen. Ohnehin kein Gammelstudium mit dem weiten Feld der Geisteswissenschaften, wo man so gut wie überall Bescheid wissen sollte, um übersetzen zu können in den Bereichen Fremdenverkehr, Kunstgeschichte, Religion und vielem mehr. Dabei wird das Studienjahr in Rennes gar nicht anerkannt, es gibt keine „credit points“, hier erzielte Noten zählen dort nicht. Dennoch, da ist sich Eva Brönner sicher, „die Zeit ist nicht vertan. Ich tue genau das Richtige. Ein Jahr im Ausland ist das Mindeste für eine Übersetzerin.“ Sie weiß - ebenso wie Stephanie Koblbauer, Lehramtsstudentin an der FAU, die ein halbes Jahr per Erasmus in Rennes bleibt -, es ist auch eine Schule fürs Leben, die sie jetzt durchläuft, und sie genießt es, für Erlangen und die Partnerschaft Werbung machen zu können. Diszipliniert wie sie ist, hält sie auch täglich ihre Eindrücke fest. Wer weiß, vielleicht gewährt sie eines Tages hier auf der Rennes-Homepage Einblick. Es gäbe da bestimmt viel zu entdecken – von Rennes und einer aufgeweckten Mittlerin zwischen den Kulturen. Mehr davon und von ihr - hoffentlich bald hier! 

Peter Steger, 8. Oktober 2011

Tout Rennes court Eva und Stephanie

P.S.: Es sollte einmal gesagt werden: Die Strahlkraft der Partnerschaft mit Rennes kann man nicht zuletzt daran erkennen, wie sie auf das Umland hier wie dort wirkt. Keine andere Partnerstadt Erlangens hat gleich zwei weitere Jumelages hervorgebracht: Uttenreuth mit Saint Grégoire und Baiersdorf mit Pacé. Das sollen andere Partnerstädte erst einmal nachmachen. Nur Jena kann da noch mithalten mit der Zeugung der Partnerschaft zwischen dem Saale-Holzland-Kreis und Erlangen-Höchstadt.

08.09.2012
» zurück zur Übersicht

Weiterführende Informationen

Chapeau, du schönes Rennes!

Rennes-Karte

Eindrücke eines Reisenden en passant. Rennes ist eine Stadt wie fürs Leben gemacht, für ein Leben, wie man es sich in Frankreich vorstellt. Weltoffen, gastfreundlich, großzügig und voll guten Geschmacks in allen Dingen. Eine Stadt, wo sich Besucher – auch unangemeldete – ebenso wohl fühlen wie Einheimische.

» mehr lesen