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Archiv "Partnerstädte"

Das Mandat zum Wandel wird umgesetzt.

Nichts ist leichter, als nach Stoke-on-Trent zu kommen. Selbst wenn es der Nürnberger Flughafen nicht schafft, an einem Januarmorgen die Maschine nach Amsterdam rechtzeitig zu enteisen und man deswegen den Anschluß nach Birmingham ganz knapp nicht mehr erreicht. Man bucht dann dort kurzerhand auf Manchester um, ruft den flexiblen Programmkoordinator, Andrew Briggs, an und läßt die geplanten Begegnungen einfach um eineinhalb Stunden verschieben. Englisches Organisationstalent macht es möglich - und die ideale Lage der Partnerstadt in Mittelengland, in Äquidistanz zu gleich vier Flughäfen gelegen (Liverpool, Middlands, Manchester und Birmingham).

Empfang beim Lord-Mayor Stoke-on-Trent

Ganz gelassen nimmt die Verspätung jedenfalls Lord Mayor Terry Crowe und freut sich, im Kreis der Stadtratskollegen Mark Meredith und Andy Platt sowie in Anwesenheit des Teams von Alison Knight, beauftragt mit der Pflege der Partnerschaft, die Besucher aus Erlangen begrüßen zu können. Denn, das sei erklärtes Ziel der Kommunalpolitik und der Stadtverwaltung: Es soll wieder etwas werden mit den guten Beziehungen zu Erlangen. Auf allen Ebenen. Doch dieses Mal, daran läßt Matthias Hiegl, Vorstand der Erlangen AG und Geschäftsführer des IZMP bzw. des Medical-Valley-Centers, stehen Kontakte in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Medizin und Erneuerbare Energien ganz im Vordergrund. Auf besonderen Wunsch der Gastgeber, die den welterfahrenen Netzwerker bereits bei Besuchen in Erlangen kennengelernt und sich von seiner Leistung tief beeindruckt gezeigt haben.

Treffen mit Freundeskreis Stoke-on-Trent

Doch bevor man an diesem 28. Januar so richtig loslegt, hilft, erst einmal, innerlich wie äußerlich anzukommen bei einer mittäglichen Stärkung und einem Gespräch mit Petra Cox, der Vorsitzenden des Anglo-German-Club, dem bei der Pflege der Partnerschaft sicher noch eine besondere Bedeutung zukommen wird. Zumal die Wahl-Stokerin im vergangenen Herbst bereits ein "Oktoberfest" erfolgreich veranstaltet hat und nun freudig die Idee aufnimmt, nach Möglichkeit gemeinsam mit dem Goethe-Institut in London, der Stadtverwaltung Erlangen und einer fränkischen Brauerei im Herbst "Deutsche Tage" zu veranstalten. Gewissermaßen ein Auftakt für die Jubiläumsveranstaltungen 2014, wenn 25 Jahre Partnerschaft zu feiern sind.

Jane Forshaw Stoke-on-Trent

Matthias Hiegl ist ein ausgewiesener Kenner der Thematik Geothermie. Bei Jane Forshaw (rechts im Bild), der stellvertretenden Direktorin für Grüne Unternehmen des Stadtrates, ist er deshalb genau an der richtigen Adresse. In der richtigen Stadt. Zum einen, weil Stoke-on-Trent sich seit 2011 der Grünen Energie verschrieben hat und zu den sechs Städten in England zählt, denen beste Chancen attestiert werden, energieautark zu werden. Zum andern, weil die Partnerstadt auf einem riesigen Schatz gebaut ist. Das Wasser, das sich in den aufgegebenen Kohlenminen gesammelt hat, bietet in einer Tiefe von 700 Metern Temperaturen zwischen 30° C und 35° C Wärme. Nicht genug beim gegenwärtigen Stand der Technik, um Strom zu produzieren, aber in einem geschlossenen Kreislauf ließe sich genug Fernwärme gewinnen, um die Stadt zu beheizen. Eine Herausforderung - technisch wie finanziell -, die vielleicht gemeinsam mit dem Energie-Cluster Nürnberg zu bewältigen wäre. Etwas, das sich wohl schon bald herausstellen wird. 

Die Sorgen, wie der alte Hausbestand - in der Stadt sind ca. 26.000 Gebäude sanierungsbedürftig - bei steigenden Energiepreisen ökologisch verträglich beheizt werden soll, treibt auch John Carr um. Das Mitglied im Leitungsgremium des regionalen Unternehmerverbands und Vorreiter zur Senkung von Treibhausgasen kennt nicht nur die Problematik, er arbeitet auch an Lösungen - mit Unternehmergeist und Ideen, die Matthias Hiegl gern in der weiteren Zusammenarbeit aufgreifen will.

Old Plough Inn 2

Für Geschäftsessen und sonstige Treffen ist übrigens The Old Plough Inn der richtige Austragungsort. Ein originelles Interieur mit vielen Sinnsprüchen und Lebensweisheiten....

Old Plough Inn 3

... mit einer ausgezeichneten Küche und einem Landlord in stets aufgeräumter Stimmung. Rob und Jane Ward führen das urige Wirtshaus seit 20 Jahren und geben jedem Gast das Gefühl, hier daheim zu sein.

IHK-Treffen Stoke-on-Trent

Dieses Gefühl zu vermitteln, schafft auch Sara Williams, seit einem Jahr die Geschäftsführerin der IHK North Staffordshire mit Sitz in Stoke-on-Trent. Sie zielt ganz klar auf die Kooperation mit dem Ausland, besonders mit Deutschland. Gerne würde sie enger mit der IHK Nürnberg kooperieren, verspricht sie sich doch viel von der fränkischen Erfahrung in Sachen Stärkung des regionalen Zusammenhalts und der Cluster-Bildung. Außerdem sucht sie nach Absatzmärkten für Produkte aus Staffordshire. Das könnte u.a. durchaus auch Keramik sein, denn immer mehr Betriebe verlagern die vermeintlich günstigere Produktion aus Fernost wieder zurück in die Heimat. Da allerdings fehlen mittlerweile oft die Fachkräfte.

Universität Stoke-on-Trent 1

Um die auszubilden, arbeitet die IHK Northstaffordshire auch und gerade mit den Hochschulen zusammen. Denn Stoke versteht sich mittlerweile auch als Zentrum der Wissenschaft und Forschung. Die Wirtschaft soll davon profitieren. Und so hat sich Sara Williams ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Zahl von gegenwärtig 800 Mitgliedern - in England ist die Mitgliedschaft freiwillig - möchte sie in den nächsten drei Jahr auf 1.000 bringen. Dazu braucht es ehrgeizige und lohende Angebote, wie etwa Unternehmerreisen nach Nordbayern. Für den Herbst gibt es da sogar schon ganz konkrete Pläne. Davon hoffentlich bald mehr an anderer Stelle.

Universität Stoke-on-Trent 2

Vieles geht da Hand in Hand in Stoke-on-Trent. Das spürt man auch an der Staffordshire Universität, mitten in der Stadt gelegen, mit einem Zentrum für angewandte Forschung und einem Schwerpunkt zum Thema Nachhaltigkeit. Schon jetzt befindet sich die Hochschule im oberen Drittel der "grünen Universitäten" auf der Insel. Nun will man unter die Top 10! Erfolge bei der Energie-Effizienz und ein Biomasse-Exzellenz-Zentrum sowie die Kooperation mit acht EU-Ländern bürgen dafür, aber auch die 300 mittelständischen Unternehmen, die von den Wissenschaftlern beraten werden. Auch hier also wieder hervorragende Bedingungen für eine Zusammenarbeit mit Erlangen, wie Matthias Hiegl meint.

CoRE Stoke-on-Trent

Tief beeindruckt zeigt sich der Gast schließlich von CoRE, dem hier auf dieser Seite schon mehrfach vorgestellten 15-Mio.-Euro Projekt, das jetzt in seine Endphase geht. Was dem Zentrum für nachhaltige Gebäudesanierung mit seinen Ausstellungs- und Unterrichtsräumen nun nur noch fehlt, ist ein deutsches Unternehmen, das seine Technologien präsentieren möchte. Auf dem Serviertablett, denn CoRE ist auf dem besten Weg, das Aushängeschild für nachhaltiges Bauen in ganz England zu sein. Und deutsche Technik ist da durchaus gefragt.

Exesios 1 Stoke-on-Trent

Die Zusammenarbeit mit Deutschland ist auch Thema des Abends, zu dem Paul und Eleni Brammer handverlesene Geschäftsleute aus Stoke in die Büroräume ihrer Werbeagentur eingeladen haben. Die Idee dazu hatten sie bereits bei ihrem Besuch in Erlangen vor wenigen Monaten, als sie bemerkten, welch großes Potential in einer engeren wirtschaftlichen Kooperation liegen könnte. Thema des Vortrags von Matthias Hiegl ist zwar das Medical Valley, aber die anschließenden Gespräche gehen weit darüber hinaus, berühren sogar Fragen aus den Bereichen Soziales oder Bildung. Und dann ist da noch Carl Evans, Geschäftsführer des Business Network International Staffordshire & Shropshire, der dem Partnerschaftsbeauftragten, Peter Steger, anderntags um 7.00 Uhr Gelegenheit gibt, innerhalb von 60 Sekunden seinen Arbeitsbereich vorzustellen. Da es auch in Erlangen ein Chapter des BNI gibt, liegt ein Link nahe. Und schon wieder könnte ein neuer Kontakt gelingen. 

Exesios 2 Stoke-on-Trent

Ein Besuch in Stoke ist nicht denkbar ohne zumindest einen Abstecher in eine der Porzellanmanufakturen. Sie prägen das Gesicht der Stadt nicht mehr, bieten nicht mehr Arbeitsplätze im Bereich um die 30.000, aber die jetzt noch oder wieder etablierten Potteries bieten doch etwa 8.000 hochqualifizierten Fachkräften ein gutes Auskommen und gehören nach wie vor zur Identität der Stadt.

Potterie 1 Stoke-on-Trent

Wie groß die Vielfalt der Firmen einmal gewesen sein muß, zeigen die Mosaiken im Eingangsbereich des Museums. Ungezählte Signaturen sind da kunstvoll arrangiert, von denen viele leider nicht mehr auf dem Markt sind, aber ihre Spuren in dieser einzigartigen Tradition hinterlassen haben. Schöne Spuren, voll individueller Gestaltungskraft. Einen waschechten Stokie erkennt man übrigens nicht nur an der Sprache, sondern auch daran, daß er jedes Stück Porzellan, das er in die Hände bekommt, umdreht und auf seinen Herkunftsort hin untersucht.

Potterie 2 Stoke-on-Trent

In der Stadt selbst gibt es andere Signaturen, die einem den Weg zeigen. Kurios dabei zu bemerken, wie viele Ziele in der einen Richtung liegen, während ausgerechnet das Fremdenverkehrsbüro nur über einen Abstecher zu erreichen ist.

Wegweiser Stoke-on-Trent

Gern auch per Fahrrad. Auch das gehört zum Mandate for Change. Und Supermärkte erinnern ihre Käufer schon einmal daran, ihre eigenen Tragetaschen mitzubringen und auf Plastikmüll zu verzichten.

Mandate for Change in Stoke-on-Trent

Stoke-on-Trent gilt trotz seiner Bergbaugeschichte und der Potterie-Tradition berechtigterweise als grüne Stadt. Auf Schritt und Tritt Parks, Landschaftsgärten, Grünanlagen. Erholsame Kontrapunkte in einer Stadt, die gerade dabei ist, sich neu zu erfinden.

St. James-the-Less, Stoke-on-Trent

Stille Ecken, wo sich kreative Kräfte sammeln lassen.

Am Trent, Stoke-on-Trent

Als die beiden Erlanger am 30. Januar die Heimreise antraten, nahmen sie vor allem eine Gewißheit mit: Sie werden wiederkommen zu alten und neuen Freunden. Und sie freuen sich, die vielen anstehenden Besuche aus Stoke in Erlangen vorzubereiten. Das Jahr hätte besser nicht starten können. Thank you Andrew, Sebastien, Alison and Karen, Eleni and Paul for a perfect programme, for great meetings, for a wonderful friendship!

Peter Steger, 04.02.13

22.03.2018
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