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Archiv "Partnerstädte"

Bericht über die Bürgerreise nach Cumiana

Bürgerreise des Italienisch-Deutschen-Vereins Erlangen e.V. nach Cumiana

vom 16. – 21. September 2015

Bericht: Bruni Hummich, Fotos: Roland Thamm

 

Mittwoch, 16. September 2015 – erster Tag

Los ging es nach Cumiana – Freundschaftsstadt Erlangens im Piemont in der Nähe von Turin (Torino) gelegen – am Mittwoch, 16. September um 6:30 Uhr. Fast 30 Teilnehmer fanden sich um diese Uhrzeit am Busbahnhof ein. Giuseppe Andolino , Vorsitzender des Italienisch-Deutschen-Vereins, hatte die Reise – wie so manche vorher – wieder hervorragend vorbereitet und organisiert, was immer wieder eine große Leistung ist trotz aller Erfahrungen und die er in seiner ehrenamtlichen Funktion wunderbar meistert.

Erst musste jedoch noch Nürnberg angefahren werden, hier warteten die beiden letzten Reiseteilnehmerinnen auf ihre Abholung, aber dann ging es richtig los via Autobahn Heilbronn, an Ulm und Memmingen vorbei Richtung Bregenz über die Grenze, nun fuhr man  durch die landschaftlich schöne Schweiz, wobei man die Berge meist nur erahnen oder ganz verschwommen sehen konnte, da die Wolken bis tief in die Täler hingen. Nachdem der San Bernardino-Tunnel durchfahren war ging es weiter Richtung Lugano und dem herrlich gelegenen Lugano See auch vom Comer See war noch die letzte Spitze zu sehen bis man nach langer Fahrt am frühen Abend Cumiana erreichte. Hier wurde die Gruppe im Rathaus von Bürgermeister Paolo Poggio und einigen Stadtratsmitgliedern herzlich empfangen. Die Freude war bei denjenigen groß, die sich bereits durch frühere Begegnungen kannten. Die Gäste wurden nach einer kurzen Begrüßungsrede durch Bürgermeister Poggio zu einem kleinen Erfrischungstrunk  nach der langen Busreise eingeladen. Danach ging es weiter nach Cantalupa zum Hotel „Tre Denti“, wo man für die nächsten fünf Nächte Herberge fand.

Palazzo Comunale        Empfang im Rathaus

Donnerstag, 17. September – zweiter Tag

Nach dem Frühstück fuhr die Gruppe Richtung Cuneo zum Castello di Racconigi.

Gruppenfoto

 

Ursprünglich eine mittelalterliche Festung beauftragten die Fürsten von Cariagnano – ein nicht regierender Zweig des Hauses Savoyen – die Umwandlung in eine höfische Residenz, dabei entstand durch den Architekten Guarino Guarini die zum Park hinaus gehende Fassade mit den zugehörigen Pavillons und die Monumentaltreppe. Später im 18. Jahrhundert wurden die Erneuerung der Innenräume nach klassischem Geschmack, die Gestaltung des berühmten Herkules-Saals und der Bau der zum Dorf gewandten Fassade Giovanni Battista Borra anvertraut, ihm waren hierbei durch archäologische Ausgrabungskampagnen erworbene Kenntnisse von Nutzen. Nach der Thronbesteigung durch Karl Albert von Savoyen-Carignano war es notwendig die Residenz in einen königlichen Sommerfrische-Palast zu verwandeln, dies erforderte weiter Anbauten und Erweiterungen im Bereich der Innendekorationen. Bei der Besichtigung des Schlosses konnte man die Dimension offiziellen Hoflebens verspüren sowie die familiäre Atmosphäre durch die laufende Nutzung bis in die Vierzigerjahre des 20. Jahrhunderts. In dem 300-Zimmer-Schloss sind das Mobiliar und die Ausstattung schon sehr sehenswert. Neben dem schon erwähnten Herkules-Saal (Ball-Saal) befindet sich der Speisesaal mit prachtvollen Säulen aus Carrara-Marmor und dem Deckenfresko der „Ewigen Jugend“, drum herum die „Vier Jahreszeiten“. Zu sehen ist die Gemäldegalerie und die chinesischen Appartements mit originaler Reispapier-Tapete, des Weiteren der Diana-Saal und der Saal der Würdenträger. Im Empfangssaal stößt man auf das wertvollste Deckenfresko des Schlosses mit der Darstellung der Tugenden. Es folgen noch weitere Säle, das Etruskische Arbeitszimmer usw. und schließlich die Schlafgemächer von König und Königin. In den oberen Stockwerken waren die Privatgemächer des Königshauses untergebracht. Unbedingt lohnend ist ein Blick ins Untergeschoss, hier befindet sich eine Küche gigantischen Ausmaßes, in der für 400 Personen gekocht, gebacken, gebraten uva. werden konnte - damals hochmodern ausgestattet – außerdem Schlächterei, Bäckerei, Käserei und Eiskeller.

Schlächterei     Mittagessen

Zu der Residenz gehört ein großer englischer Park mit dem Komplex des ehemaligen Experimentier-Bauernhofs von Carlo Alberte genannt „Le Margherie“ am nördlichen Ende.

Nach einem exzellenten Mittagessen mit etlichen Gängen, hervorragenden Weinen und zum Abschluss einem traditionellen italienischen Espresso in der Trattoria da Anna ging die Fahrt weiter  zur „Le Langhe“ für viele Reisende das Herz des Piemont mit seinen lang gestreckten sanften Hügelketten, hier wächst an den Hängen der Nebbiolo – Rohstoff der weltberühmten Weine Barolo und Barbaresco.

Die Langhe ist uraltes Kulturland – kaum ein rebenreicher Hügel Zug, der nicht von einem traditionsreichen Dorf gekrönt und kaum einem Dorf, das nicht von einer wehrhaften Burg geschützt ist. In der unteren Langhe – die Bassa Langhe – liegen alle Orte, die diese Weingegend weltberühmt gemacht haben: Alba, La Morra, Novello, Barbaresco, Neive und natürlich Barolo – die Elite italienischer Weinbaugebiete. In der oberen Langhe – die Alte Langhe – wird die Landschaft bergiger und schroffer und statt Wein gibt es hier mehr Wald, vor allem uralte Kastanienwälder und Haselnussplantagen Tonda Getinle delle Langhe heißen die berühmten Haselnüsse, die „zarten Runden aus dem Langhe“.

Die kleine Rundreise durch die unter Langhe begann in Bra, einem typisch piemontesischen kleinen Städtchen mit viel Barock. In Bra wurde 1986 von Carlo Petrini die Slow-Food Bewegung gegründet, dieser Organisation geht es um die Öko-Gastronomie und die Verwendung hochwertiger Nahrungsmittel aus kleiner landwirtschaftlicher Produktion, sie ist die Antwort auf die weit verbreitete Fast-Food-Welle.

Weiter ging es nach Cerasco, eine ungemein lebendige Stadt, berühmt für ihren Antiquitätenmarkt und viele hochkarätige Kunstausstellungen, die meistens im prachtvoll ausgestatteten Barockpalast dem Palazzo Salmatoris stattfinden. In diesem Palazzo unterzeichnete Napoleon 1796 den Friedensvertrag mit dem Herzogtum Savoyen.

Die beiden Orte Bra und Cerasco gehören noch zum Gebiet „das Roero“, eine sanfte Hügellandschaft, aus der der bekannte und beliebte Weißwein „Aneis“ kommt. Wer sonst nur die Piemonteser Rotweine kennt, muss diesen seltenen, sehr begehrten Aneis zur feinen Antipasti-, Polenta- und Risotto Küche einfach mal probieren, die Harmonie ist unbeschreiblich. Traumhaft gelegen, zwischen sanften und etwas steileren Hügeln, erinnert das Roero mit seiner unberührten Landschaft, den vielen Weinbergen und Obstbäumen an ein Gemälde und die Idealvorstellung des Piemonts.

Weiter führte die Fahrt Richtung Barolo vorher aber noch an La Morra vorbei, einem kleinen auf einem Hügel gelegenen Ort, umgeben von vielen Weinbergen, hier wird der meiste Barolo – einer der herrlichsten aber auch teuren Rotweine des Piemont – produziert. Auch die Ursprünge dieses Ortes gehen in die Römerzeit zurück ebenso wie Cerasco.

Aber nun sah man schon Barolo liegen, dieses Weinörtchen liegt nicht auf einem Hügel sondern ganz eindrucksvoll am Rande eines Tales. Das wichtigste Bauwerk des Ortes ist das Schloss, ursprünglich eine mittelalterliche Festung, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder umgebaut wurde. Hier lebte einst der Marquis Falleti de Barolo, seine Gattin Juliette Colbert war die Urenkeltochter des Finanzministers von Ludwig XIV. Heute befindet sich im Castello die Falletti das neue Weinmuseum (WiMu).

Ein weiterer traumhafter und geschichtsträchtiger Ort der Langhe ist Monteforte Alba mit seinem alles überragenden Campanile – einem romanischen Glockenturm.

Die Fahrt ging weiter durch eine wunderbare Hügellandschaft über Roddino nach Serralunga D’Alba mit seiner imposanten steil aufragenden Burg.

Es wäre noch viel zu sehen gewesen z.B. Alba, die Hauptstadt des weißen Trüffels auch „Stadt der hundert Türme“ von denen allerdings nur noch wenige stehen geblieben sind. Es ist jedoch schon spät und so musste man wieder zurück nach Cherasco.  Verlassen wurde die wunderschöne Lange mit ihren sanften Hügelketten, ihren Castellos, kleinen verwinkelten Straßen in den Orten, die Häuser mir viel Blumenschmuck, kleine Hotels, Restaurant, Kaffees und Enotecas. Ein  kurzes Stück über die Autobahn Richtung Carmagnola dann war man auch schon zurück in Cantalupa und im Hotel und zum Abendessen.

Es war ein wunderbarer erlebnisreicher Tag!

Freitag: 18. September 2015 – dritter Tag

An diesem Tag ging es zur Besichtigung von „La Palazzina di Caccia di Stupinigi“ ein Jagschloss der Herzöge von Savoyen, es liegt etwa 10 km von der Turiner Innenstadt entfernt, mit der es durch eine schnurgerade Ausfallstraße verbunden ist, sie führte mitten in das Zentrum der savoyischen Macht. Der Bauherr Filippo Juvarra baute eine wunderbar harmonische Schlossanlage mit Nebengebäuden und Park. Zentrum und Kern des Schlosses ist ein ovaler Ballsaal in der Mitte, auf dessen Dach ein bronzener Hirsch thront. Über einen Seitenflügel gelangt man durch eine Galerie und die Bibliothek in den lichtdurchfluteten Ballsaal mit Balkon für das Orchester, der Saal selbst ist mit herrlichen Fresken geschmückt, natürlich zum Thema Jagd. Im rechten Flügel des Schlosses befinden sich die ebenfalls mit kostbaren Fresken verzierten Gemächer der Savoyer, wobei die Iphigenien Darstellung im Vorzimmer der Königin herausragt. Heute ist in der Pallazzina das Kunst- und Interieur Museum untergebracht, überwiegend ausgestattet mit Möbel aus dem 18 Jahrhundert auch zahlreiche Originale aus der Zeit Vittorio Amedeos II und aus umliegenden Schlössern. Das Schloss ist umgeben von einem großen Schlosspark mit prächtigen Buchsbäumen und Blumenbeeten.

Plazzina di Caccina

Zum Mittagessen ging es nach Piosassco ins Castelletto zu einem weiteren ausgiebigen Essen nach Piemonteser Art.

Am Nachmittag Besuch des Museo del Gusto in Frossasco – es ist das einzige Geschmacksmuseum in Italien. Im Eingangsbereich ist die Verarbeitung der Erzeugnisse des Piemonts zusehen wie des Weins der Milch des Brotes usw. Das Museum lädt zu einer ideellen Reise in die Nahrungsmittelgeschichte ein von der Prähistorie bis in unsere heutige Zeit. Man findet Küchen ab der Antike über das Mittelalter bis in die jetzige Zeit mit modernster Ausstattung, sei es vom Mobiliar bis zu den Geräten und die jeweiligen zur Verfügung stehen Kochgeschirre, Rezepte und Kochbücher etc. Eine Abteilung ist der Entwicklung und Herstellung von Schokolade gewidmet. Es gibt Abteilungen die nach verschiedenen Ländern und deren Themen eingerichtet sind mit den jeweiligen Kochbüchern und Darstellung der Lebensmittel z.B. von Amerika, Frankreich, Afrika, Deutschland Italien, aber auch zu Europa, Südamerika usw. Dann findet man eigene Bereiche zur Herstellung von Weinen, Likören und Schnäpsen. Auch die Internationale Kochfachschule befindet sich in den Räumen des Museums, hier finden Kurse der Bildungsagentur CFIQ von Pinerolo statt, aber auch Lehrgänge und Kurse für Amateurköche. Es gibt verschiedene Lehrküchen und Speisesäle, besonders beeindruckend war ein Raum zur Degustation von Ölen und Weinen mit entsprechenden Probierstationen.

Danach ging es weiter zur Weinprobe in die Cantina Dora Vini, dieses Mal zu Fuß, da diese nicht weit entfernt war. Nach Verkosten eines spritzigen Proseccos und verschiedener Rotweine wurde rege eingekauft sowohl für den eigenen Gebrauch zu Hause als auch als Mitbringsel für Daheimgebliebene.

Sektverkostung

In gehobener Stimmung liefen alle zurück ins Hotel, wo bereits ein spätes Abendessen wartete.

Samstag, 18. September 2015 – vierter Tag

Diesmal war Turin angesagt

Turin – die meisten verbinden mit dieser Stadt Fiat, den größten Privatkonzern Italiens und natürlich Juventus Turin, den bekannten Fußballclub, aber Turin hat viel mehr zu bieten. Denn die einstige Hauptstadt der Savoyer hat viele wunderbare Sehenswürdigkeiten, schließlich wurde hier repräsentiert – u.a. mit prachtvollen Barockpalästen und mit 18 Kilometern Arkadengängen. Im 19. Jhd. war Turin 4 Jahre lang die Hauptstadt des geeinten Italiens, bevor Florenz und danach  Rom Hauptstadt wurde.

In Turin angekommen führte die Fahrt erstmal ein Stück am Po Ufer entlang mit dem Blick auf den prächtigen Palazzo delle Esposizioni, das Castello Valentino, ein Stück weiter den Monte die Capuccino und die Kirche Gran Madre di Dio am gegenüberliegenden Ufer des Pos sowie  einige Kilometer weiter entfernt auf einem Hügel die Basilica die Superga – die prächtige Grabkirche der Savoyer. Ab hier ging es leicht bergan über die Piazza Vittorio Veneto, einem riesigen Platz, wobei es dem Architekten hier gelang die sieben Meter Höhenunterschied zwischen oberem und unterem Ende der abschüssigen Piazza durch die Arkaden geschickt „wegzubauen“. Auf der rechten Seite der Via Po Richtung Piazzo Castello befinden sich einige interessante Palazzos, außerdem ebenfalls rechts – etwas weiter entfernt – die Mole Antonella – das Wahrzeichen der Stadt Turin. Das Bauwerk (167,50 Meter hoch) überragt die umliegenden Häuser bei weitem und war zeitweise das höchste Bauwerk Europas. Sie schmückt auch die 2-Cent-Stücke der italienischen Euro-Münzen.

Der Stadtrundgang führte über die Piazza Castello, ein großer, autofreier und komplett von Arkaden umgebener Platz – hier schlägt das Herz von Turin. Die Prefettura und die Regionalregierung haben hier ihren Sitz und die wichtigsten Einkaufsstraßen zweigen von hier ab, aber auch einige der wichtigsten historischen Bauwerke Turins sind hier zu finden, allen voran der Palazzo Madame mitten auf der Piazza, der Palazzo Reale und der Duomo mit der Capella della Sindone.

Palazzo Reale, der elegante Bau entstand bereits im 17. Jhd. auf Initiative von Christina di Francia, vorher stand hier ein alter Bischofspalast, in dem die Savoyer seit ihrem Umzug nach Turin residiert hatten. Der Palazzo Reale stand den Savoyern bis 1865 als königliche Residenz zur Verfügung. Kostenlos ist der Zutritt zum Innenhof, in dem dank seiner wunderbaren Akustik oft Konzerte stattfinden und zu den gepflegten Königlichen Gärten.

Cattedrale die San Giovanni Battista/Capella della Sacra Sindone: Der Turiner Dom stammt noch aus vorsavoyischer Zeit  und ist die einzige Renaissancekirche in ganz Turin. Ein schmuckloser dreischiffiger Kuppelbau mit schlichter Fassade, nur der Campanile fällt etwas aus dem Rahmen mit seinem schönen barocken Aufbau. Das Schmuckstück des Doms ist die Capella della Sacra Sindone. Diese Kapelle wurde eigens für die Aufbewahrung des Heiligen Grabtuches errichtet, auf dem angeblich der Körperabdruck des gekreuzigten Christus zu sehen ist. Aber aus wissenschaftlicher Sicht ist bis heute noch keineswegs geklärt was es mit diesen bekanntesten Reliquien der Christenheit auf sich hat. Leider war das Grabtuch nicht zu besichtigen, auch nicht die Kopie sondern nur ein kurzer Film bei dem die Abdrücke allerdings besser zu sehen waren als auf dem Original.

Links neben dem Dom wurden die bescheidenen Reste eines römischen Theaters ausgegraben und daneben die Porta Palatina, das ehemalige Haupttor der Stadt. Es besteht aus zwei hohen Flankentürmen, zwischen die sich eine gut erhaltene Fassade mit Durchfahrts- bzw. Durchgangsbögen spannt. Vor dem Tor wachen Statuen (Kopien) von Julius Caesar und Kaiser Augustus.

Inmitten der fast einheitlichen Fassadenfront ist die nur wenige Schritte vom Palazzo Reale entfernte Kirche – Chiesa di San Lorenzo – kaum als solche zu erkennen, lediglich die Kuppel weist auf ein Gotteshaus hin, ein Turm fehlt.  Hinter der unauffälligen Eingangstür befindet sich allerdings ein wahres Schmuckstück barocker Baukunst von Guarino Guarani – dieser Name erscheint bei vielen historischen Bauwerken Piemonts immer wieder – Das Innere der Kirche, deren Wände sich wechselnd konkav und konvex in den Kirchenraum „hinein- und hinauswinden“ beeindruckt, ein überwältigender Barock-Prunk überall opulente Marmor-, Gold- und Stuckausstattung sowie prachtvolle Altarbauen. Sehr beeindruckend ist auch die achteckige Kuppel mit den gekreuzten Bögen, der oberste Teil scheint förmlich frei im Raum zu schweben. In dieser Kirche wurde zuerst das berühmte Grabtuch zuerst aufbewahrt.

Palazzo Madame: der Name des eindrucksvollen Palazzo verweist auf die zwei „königlichen Damen“, Christina di Francia und Maria Giovanna Battista die Nemours, beide übernahmen die  Regierungsgeschäfte ihrer verstorbenen Gatten. Beide residierten zeitweise hier und ließen den Palazzo nach ihren Vorstellungen ausbauen und umgestalten. Heute befindet sich darin ein Museum antiker Sammlungen.

Zum Mittagessen ging die Fahrt zu einem Selbstbedienungsrestaurant ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs von Turin die Stazione Porta Nuova, ebenfalls ein monumentaler Bau aus dem 19. Jhd. mit einer filigran verzierten Fassade im neugotischen Stil über einer breiten Säulenhalle. Vorbild soll King’s Cross Station in London sein.

Gestärkt ging es zurück zur Piazza Castello von hier zu Fuß durch Arkaden vorbei am ältesten Kaffeehaus das Baratti & Milano -  ein riesiges Café, das nach umfangreicher Renovierung wieder im originalgetreuen  Stil neben Cappuccino, Espresso etc. auch für seine hervorragenden Pralinen und Kuchen berühmt ist -  über die Piazza Carlo Alberto mit dem prächtigen Palazzo Carignano – hier wurde 1861 feierlich das Königreich Italien ausgerufen. Auf der Rückseite des Palazzo thront das Reiterstandbild von Carlo Alberto. In einem gegenüberliegenden Eckhaus lebte ein knappes Jahr Friedrich Nitsche in einem Zimmer im obersten Stockwerk.

Von hier lief man weiter zum nahegelegenen Museo Egizio im Palazzo dell’Accademia delle Science. Das ägyptische Museum von Turin ist das bedeutendste in Europa und besitzt nach dem Museum von Kairo die zweitgrößte altägyptische Sammlung der Welt. Zu den wichtigsten Ausstellungsstücken zählen der Felsentempel von Ellassija sowie die völlig unversehrte Grabkammer des Kha und seiner Frau Merit, von großer Besonderheit ist der Königspapyrus – wird auch Turiner Königsliste genannt – und die Statuen der Göttinnen Isis und Sachmet und die dem Ramses II. Das Museum hat 23 Mumien, viele riesige Götter- und Herrscherstatuen, prächtige Sarkophage, Sphinxen, unzählige Grabbeigaben, Hausrat und Werkzeuge der ägyptischen Hochkultur.

Anschließend war ein kurzer individueller Spaziergang durch Turin angesagt, bevor der Bus am frühen Abend Turin – die Hauptstadt des Aperitivo, er wurde tatsächlich hier erfunden, das ist amtlich! – wieder Richtung Cumiana verließ.

In Piscina war im Restaurant Centro ein Abendessen bestellt und das war vom feinsten!!  An dieser Stelle kurz etwas über die Küche des Piemont, sie gilt für viele als die beste Küche Italiens, sie ist abwechslungsreich und einfallsreich, dabei doch traditionell, eng an die lokalen Produkte gebunden. Sie basiert zum großen Teil auf frische, regionale und saisonale Produkte, wobei sich allerdings bei vielen piemonteser Gerichten ein gewisser Einfluss des nahen Frankreichs erahnen lässt. Fleisch ist im Piemont sehr beliebt allerdings verzichtet man weitgehend auf kurzgebratene oder gegrillte Speisen, stattdessen wird bei kleiner Hitze über längere Zeit geschmort, oft in Rotwein. Gerne wird auch rohes Gemüse verzehrt mit einem Dip. Berühmt sind aber die Dolcis – Süßspeisen – die es in großer Vielfalt gibt. Die bekannteste aber auch teuerste Zutat der Küche im Piemont ist aber sicher der Trüffel – hier besonders der weiße aus Alba –allerdings kostet 1 kg ca. 3.000 bis 6.000 Euro. Das Piemont gilt aber nicht nur als beste Küche sondern bei vielen auch als das beste Weinbaugebiet, neben Barolo, Barbaresco (Rotweine) und dem herrlichen Aneis (Weißwein) stammt auch der spritzige Asti Spumante aus dem Piemont.

Sonntag, 20. September 2015 – fünfter Tag

Fahrt durch das Susa-Tal (Valle die Susa) vorbei an dem Kloster Sant’Antonie di Ranverso  und der Sacre die San Michele zum Kloster Novalesa. 726 gründete der fränkische Adelige Abbone das Kloster Novalesa und widmet es den Heiligen Petrus und Andreas. Die Abtei Sankt Petrus und Andreas ist eine der ältesten Abteigründungen des mittelalterlichen Europa. Nach einer wechselvollen Geschichte mit Überfällen durch Räuberbanden, die Mönche flüchten nach Turin, Wiederaufbau, Übernahme durch die Zisterzienser, Wiederaufbau der Abteikirche, erneute Auflösung der Kloster Gemeinschaft, Rückkehr der Mönche und Anschluss an den Benediktiner Orden, Versteigerung des Besitzes der Abtei und Umwandlung in ein Hospiz wird die Anlage im 20 Jhd. von der Provinzverwaltung Turin erworben und  1 Jahr später den Benediktinern anvertraut. Seit dieser Zeit (1973) wird unablässig restauriert und wieder in Stand gesetzt. Besonders sehenswert sind der Glockenturm, der Kreuzgang, die Kapelle Sankt Eldorados –sie ist einem bedeutenden Abt der Abtei gewidmet – und besitzt zwei prachtvolle Freskenzyklen. In der Abteikirche wurden bei Ausgrabungen Ende des vergangenen Jahrhunderts Fundamente der ersten Kirche freigelegt. Diese sind sehr einfach mit quadratischer Apsis und Freskenfragmenten. Die Steinigung des Hl Stefan in einer Nische – teilweise unter dem gegenwärtigen Bodenniveau und eine Prozession der hl Benediktiner.

Nach der Rückkehr in Cumiana besuchte die Reisegruppe das Mahnmal zur Erinnerung an das Massaker vom 3. April 1944 bei dem damals 51 Bürger von Cumiana erschossen wurden. G. Andolina, der Vorsitzende des Italienisch-Deutschen Vereins und G. Gebhard, stellvertretender Vorsitzender des Stadtverbandes der Erlanger Kulturvereine e.V. fanden kurze bewegende Worte zu diesem schrecklichen Geschehen und gaben der Hoffnung Ausdruck, dass sowas nie mehr vorkommen möge und legten zum äußeren Zeichen einen Kranz nieder. An dem Gedenken nahm auch Gabrielle Nucci teil, Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Cumiana.

An der Gedenktafel

Anschließend ging es zur Trattoria der La Sig.ra Itala Andreotti zu einem letzten Schlemmermal – zumindest bei dieser Reise -. Es war wieder vorzüglich und sehr üppig, was dazu führte, dass man kurz entschlossen das Abendessen im Hotel absagte.

Zum Abschluss dieses Tages wird noch die Apfel- und Kiwi Plantage Il Sig. Biancotto besichtigt. Man glaubt immer noch den wunderbaren Duft der Äpfel in der großen Lagerhalle zu riechen. Nach einer interessanten und aufschlussreichen Führung mit entsprechenden Erklärungen bestand die Möglichkeit hauseigene Erzeugnisse zu kaufen.

Montag, 21. September 2015 – sechster Tag

Nach dem Frühstück trat die Gruppe die Rückfahrt an, sie führte wieder durch die schöne Schweiz – dieses Mal allerdings bei blauem Himmel und Sonnenschein – so dass die Seen Landschaften und die Berge klar und deutlich zu sehen waren. Nach dem San Bernardino Tunnel wurde noch mal kurz in der Viamala-Schlucht gehalten.

Die Viamala ist legendär. Ein beeindruckendes Naturmonument mit bis zu 300 m hohen Felswänden, welche an den engsten Stellen nur wenige Meter voneinander getrennt sind. Das Farbenspiel des Wassers, die Strudeltöpfe und die Felsformationen hinterlassen einen starken Eindruck der natürlichen Schönheit. Und das war früher kaum anders.  Einst war sie verhasst. "Schlechter Weg" nannten die Reisenden die tiefe Schlucht des Hinterrheins. Sie war einst ein Hindernis auf dem Weg über die Alpen. Zwar schön, aber wild und bedrohlich. Und heute reist man genau deshalb zur Viamala. Die Viamala wusste seit jeher zu faszinieren. So hielt einst der Philosoph Friedrich Nietzsche in seinen Aufzeichnungen fest: „Ich schreibe nichts von der ungeheuren Großartigkeit der Via Mala: mir ist es, als ob ich die Schweiz noch gar nicht gekannt hätte.“ Und auch Conrad Ferdinand Meyer ließ sich von der Viamala fesseln: „Als eine Welt der Willkür, des Trotzes und der Auflehnung kann diese Schlucht, wo rasende Fluten sich den Weg durch die Felsen bahnten, beschrieben werden.“  Vielen ist diese Schlucht oder dieser Weg auch aus dem gleichnamigen Film mit Gert Fröbe bekannt (2. Verfilmung 1961).

Danach ging es dann endgültig Richtung Deutschland und zurück nach Erlangen die Reise war zu Ende und allen hat es sehr gut gefallen. Ganz ganz herzlichen Dank an Giuseppe Andolina!

 

Dieser Reisebericht erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, eine noch ausführlichere Reisebeschreibung würde den Rahmen doch beträchtlich sprengen.

Literaturnachweis: Reiseführer Piemont & Aostatal von Sabine Becht aus dem Michael Müller Verlag

28.02.2016
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