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Archiv "Partnerstädte"

Am Vorabend der Einheit in Jena

"So kurz war ich noch nie in Jena", meinte Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg auf dem Rückweg nach Erlangen. Und in der Tat waren die Gäste aus Erlangen in verschiedenen Gruppen und unter Leitung von Oberbürgermeister Florian Janik erst am frühen Nachmittag aufgebrochen und schon gegen 22.00 Uhr wieder zu Hause. Aber ohne Erlanger Beteiligung wäre die Feierliche Sondersitzung des Stadtrates von Jena in St. Michael am Vorabend des Tags der Einheit nicht denkbar gewesen - so eng, wie die freundschaftlichen Verbindungen in den 28 Jahren der Partnerschaft geworden, so vielfältig die familiären Bande gewachsen sind. Man denke nur an Gerhard Helbig, dessen Vater vor über 80 Jahren aus Erlangen nach Jena kam und der sich noch erinnert, wie im Frühjahr 1945 die brennenden Balken vom Dach der Stadtkirche fielen. Oder an Gudrun Bußmann, die am "Berg" von Jena geboren, schon als Kind nach Erlangen kam oder an Elisabeth Preuß, deren Vater aus Jena stammt, wo sie noch heute Verwandtschaft hat, die sie einmal im Jahr besuchen konnte und wo sie an jeder Ecke an ihre Kindheit erinnert wird.

Elisabeth Preuß, Ursula Rechtenbacher, Heide Mattischeck, Florian Janik und Gerhard Helbig

Es schwebt schon ein besonderer Geist über dieser Partnerschaft, und auch an diesem 2. Oktober zeigte er sich wieder in beeindruckender Gestalt, etwa bei der Übergabe eines Altartuches, das am Ende des Krieges ein GI in seine Heimat, nach Michigan, brachte und wo jetzt, 70 Jahre danach. die dortige protestantische Gemeinde entschied, das Parament nach Jena zurückzugeben. Etwa in den Worten von Bundestagspräsident a.D., Wolfgang Thierse, der nicht nur den Mut der Friedlichen Revolution lobte, sondern auch auf die Rolle Moskaus hinwies: über all die Jahre vorher - vom 17. Juni 1953 über die Aufstände in Ungarn, Polen und in der Tschechoslowakei - repressiv gegen jeden Protest, doch nun endlich, vor einem Vierteljahrhundert, bereit, unblutige Veränderung zuzulassen und schließlich in die Einheit Deutschlands einzuwilligen, jenes Volkes, das die schlimmste Katastrophe des 20. Jahrhunderts zu verantworten hat. Ein friedlich erkämpftes Geschenk der Geschichte.

Rolf Wurzschmitt, Ernst Deutsch und Volker Blumentritt

Zu diesem besonderen Geist gehört die Begegnung von Dietmar Hahlweg und dem Photograhen Dieter Urban, der sich erinnert, noch vor der Wende für seine Bilder vom Erlanger Oberbürgermeister nachträglich ein Honorar erhalten zu haben, dazu gehören die Begegnungen von Kollegen wie Rolf Wurzschmitt und Ernst Deutsch, die gleich nach der Wende die Weichen für eine vernünftige Infrastruktur der Stadtwerke in Jena stellten, dazu gehören die Gespräche von Rainer Dippold, der zusammen mit Robert Niersberger fast den ganzen Wohnungsbestand in Jena-Lobeda sanierte und noch immer beste Verbindungen in die Partnerstadt unterhält...

Gäste aus Erlangen in der Stadtkirche Jena

Man könnte noch lange fortfahren und an die Friedensgespräche der damaligen Bürgermeisterin Ursula Rechtenbacher oder die politischen Begegnungen von Stadträtin Heide Mattischeck erinnern... Und - oder.

Dieter Urban und Dietmar Hahlweg

Schon heute sehen sich viele wieder, die gestern miteinander sprachen. Nur Albrecht Schröter wird nicht dabei sein. Er bleibt in Jena, um sich den drei rechtsextremen Demonstrationen in seiner Stadt entgegenzustellen. Florian Janik versteht das gut: "Wir freuen uns auf all die vielen Gäste zum 3. Oktober, aber wir sind in Gedanken auch bei Euch, wenn es gilt, denen die Stirn zu bieten, die das Fest der Einheit für ihre Zwecke mißbrauchen wollen."

Peter Steger, 03.10.2015

03.01.2016
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