Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Archiv "Partnerstädte"

Offizieller Besuch aus Chomutov

Seit 1951 - 100 Jahre nachdem Franz Makowiczka aus Komotau nach Erlangen gekommen war, um hier Politikwissenschaft an der FAU zu lehren und 1877 zum Ehrenbürger ernannt zu werden -, seit fast 65 Jahren also hat die Hugenottenstadt eine Patenschaft für die Vertriebenen aus dem heutigen Chomutov in Nordböhmen. Seit der politischen Wende in der Tschechischen Republik gibt es auch intensive Kontakte seitens des Heimatkreises Komotau vor all...em zum Museum, dessen Direktor, Stanislav Děd, die Geschichte der Deutschen - sie machten bis Ende des Krieges 90% der Bevölkerung aus - intensiv aufarbeitet und bereits erfolgreich Verbindungen zu Erlanger Vereinen pflegt und Ausstellungen organisiert.

Florian Janik und Daniel Černý

Doch zum ersten Mal ist mit Daniel Černý ein Oberbürgermeister aus der 50.000-Einwohner-Stadt nach Erlangen gekommen, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu prüfen. Erst seit dem Frühjahr als unabhängiger Kandidat der Grünen Partei an der Spitze des Bündnisses "Pro Chomutov" im Amt, wählte er Erlangen als eines seiner ersten Ziele im Ausland, um von den deutschen kommunalen Erfahrungen zu lernen. Dabei war der 1972 geborene Politiker in anderer Funktion, nämlich als Photograph, bereits vor einigen Jahren in Erlangen und beteiligte sich an einer Ausstellung in der Galerie im Treppenhaus. Wieder einmal ein Beleg dafür, welch wichtige Rolle gerade dem Kulturaustausch im internationalen Miteinander zukommt.

Florian Janik, die Heimatgemeinde Komotau und die Gäste aus Chomutov
Zwei Tage lang erkundet nun Daniel Černý, ein gelernter Ingenieur, mit seiner siebenköpfigen Delegation Erlangen, will erfahren, wie man hier mit Flüchtlingen umgeht, welche Schwerpunkte man in der Sozial- und Bildungspolitik setzt, und seinen Gastgeber, Florian Janik, hat er auch schon nach Chomutov eingeladen. Besonders wichtig ist den Besuchern dabei, offen auf die Vertriebenen zuzugehen und das deutsche Erbe ihrer Stadt wieder allen zugänglich zu machen. Denn über Jahrzehnte habe man dieses totgeschwiegen, und vielen Tschechen sei gar nicht mehr präsent, welch prägender Einfluß von den Deutschen ausging.

Hedwig Gemmrig, Florian Janik und Daniel Černý am Ehrenmal für die Opfer der Vertreibung

Das gestrige gemeinsame Gedenken mit der Vorsitzenden des Heimatkreises, Hedwig Gemmrig, und etwa 30 Mitgliedern des Verbands am Mahnmal für die Vertriebenen aus Komotau ist deshalb mehr als protokollarische Symbolik, von hier aus kann wieder ein Miteinander ausgehen, können Verständigung und Versöhnung wachsen - 70 Jahre nach Krieg und Zerstörung in einem Europa, wie Florian Janik betont, das angesichts der Flüchtlinge vor Herausforderungen steht, die sich nur gemeinsam meistern lassen und indem man aus den Fehlern der Geschichte lernt. Erlangen und Chomutov wollen nun zeigen, wie das geht.

Die Delegation aus Chomutov in der Heimatstube mit Hedwig Gemmrig

Gestern, gegen Abend, am Ende des zweitägigen Besuchs der achtköpfigen Delegation aus Chomutov, zog Primator (Oberbürgermeister) Daniel Černý nach all den vielen Gesprächen und Begegnungen erfreut das Fazit: "Wir werden bestimmt enger zusammenarbeiten und uns bald wiedersehen." In der Tat ist die Reihe möglicher Kooperationen lang:

Die Gäste aus Chomutov bei den Erlanger Fotoamateuren

Die Erlanger Fotoamateure wollen ebenso wie der Erlanger Kunstverein im nächsten Jahr eine Auss...tellung nach Chomutov bringen; der Heimatkreis Komotau plant, eine Reihe seiner Unterlagen und Dokumente als Leihgabe zur Verfügung zu stellen; eine Bürgerreise nach Nordböhmen soll bereits 2016 stattfinden; neben Oberbürgermeister Florian Janik nehmen auch die beiden Stadträte Birgitt Aßmus und Christian Lehrmann die Einladung der Gäste an.

Die Gäste aus Chomutov mit Birgitt Aßmus und Christian Lehrmann

Die gemeinsamen Themen und Probleme reichen von der Drogenprävention über Obdachlosigkeit und Kinderschutz bis zu Bildung und Kultur oder sozialer Wohnungsbau. "Ein erfolgreicher Besuch war das", meint Daniel Černý: "Děkuji, Erlangen! Danke Erlangen!"

Peter Steger, 08./09.09.2015

03.01.2016
» zurück zur Übersicht