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Aktuelles

Carl Haag
Maler zwischen Okzident und Orient

19. Mai – 16. August 2020

Carl Haag (Erlangen 1820 – Oberwesel 1915) war Erlangens international erfolgreichster Maler des 19. Jahrhunderts. In Nürnberg absolvierte er eine Lehre als Porzellanmaler bei seinem Onkel Rudolf Weber und eine Ausbildung an der Kunstschule unter Albert Reindel.

Nach Erfolgen als Porträtist in München und Brüssel war für seinen weiteren Lebensweg die Begegnung mit der englischen Aquarellmalerei bestimmend. Haag hat die Brillanz und Beständigkeit seiner Aquarelle durch technische Versuche stetig verbessert.

In seinen reifen Werken erreichte er eine der Ölmalerei vergleichbare Leuchtkraft. Er war Mitglied der Royal Watercolour Society und lebte über 56 Jahre in London. Dank einer Empfehlung von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha lud ihn Queen Victoria nach Schloss Balmoral ein, wo er Szenen der schottischen Highlands und des höfischen Lebens malte. Ausgedehnte Reisen führten Carl Haag durch weite Teile Europas, unter anderem nach Tirol, Italien, Dalmatien und Montenegro; prägend wurden seine Aufenthalte im Vorderen Orient. Als Spezialist für orientalische Motive wurde er berühmt und wohlhabend. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Künstler in Oberwesel am Rhein.

Die Kabinettausstellung zum 200. Geburtstag des Malers zeigt neben ausgewählten Leihgaben aus lokalen Sammlungen erstmals die wichtigsten Neuerwerbungen des Stadtmuseums Erlangen. Werke aus Carl Haags frühen Jahren in der fränkischen Heimat kontrastieren mit Arbeiten, die im Zuge seiner Italien- und Orientreisen entstanden.

Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.


Carl Haag, Innenhof eines koptischen Hauses in Kairo, 1859, ©Stadtmuseum Erlangen


Aufgrund der Schließung des Stadtmuseums vom 14. März bis 18. Mai haben wir die Ausstellung auf unseren sozialen Netzwerken Facebook, Instagram und Twitter präsentiert. Folgend finden Sie die einzelnen Beiträge:

Stadtmuseum fürs Wohnzimmer. Hinter den Kulissen geht die Arbeit weiter - Kunst und Kultur aus dem Erlanger Stadtmuseum.
Seit dem 14. März ist der Ausstellungs- und Veranstaltungsbetrieb auch im Stadtmuseum auf unbestimmte Zeit eingestellt – zum Schutz Ihrer Gesundheit. Wann und wie wir wiedereröffnen, darüber halten wir Sie auf dem Laufenden. Natürlich geht die Arbeit bei uns intern weiter. So ist die Foyerausstellung „Carl Haag“, dem wohl berühmtesten Erlanger Maler, fertig. Wir möchten sie Ihnen zeigen – erst einmal digital, dann, so hoffen wir auch noch analog.


Aufbau der Ausstellung
Am 14. März musste auch das Stadtmuseum wegen Corona schließen. Dies hat uns mitten im Aufbau der Ausstellung “Carl Haag“ überrascht. Dafür hatten wir hinter verschlossenen Türen mehr Zeit für die optimale Hängung zu sorgen.
In enger Zusammenarbeit zwischen den wissenschaftlichen Mitarbeitern und den Kollegen aus der Werkstatt musste die genaue Positionierung der Gemälde festgelegt, die Vitrinen eingerichtet und das Licht optimal eingestellt werden.

    
Beim Aufbau der Ausstellung, Fotos: Erich Malter


Am 20. April vor 200 Jahren erblickte Carl in seinem Elternhaus in der Erlanger Altstadt (heute: Theaterstraße 2) das Licht der Welt. Er war das erste Kind des Bäckers Wilhelm Haag und dessen Frau Babette. Anfang Mai wurde er in der Hugenottenkirche getauft. Sein Vater Wilhelm, der selbst gerne zeichnete, erkannte schon früh das Maltalent des jungen Carl. Nach dem Tod des Vaters 1828 zog die Mutter mit den Kindern nach Nürnberg, wo sie das Talent des Ältesten weiter förderte.

Eine Gedenkplakette am Haus Theaterstraße 2 erinnert noch heute an das Geburts- und Elternhaus des später berühmten Erlanger Künstlers.


Das Geburtshaus von Carl Haag in der Theaterstraße 2 in Erlangen. Über der Eingangstür ist ein Schild angebracht mit der Aufschrift "Karl Haag Maler hier geb. 20. April 1820", Fotos: Christian Gürtler


Den ersten professionellen Feinschliff erhielt der junge Carl durch seinen Onkel, der Porzellanmaler war. Nach einer Ausbildung am Polytechnicum in Nürnberg wurde er 1836 an der Nürnberger Kunstschule aufgenommen. Schon bald war er der Lieblingsschüler des Direktors Albert Reindel. Carl blieb bis 1844 in Nürnberg. Er schuf dort zahlreiche Gemälde und Zeichnungen mit familiären und geographischen Bezügen. Darunter fällt das hier gezeigte Bild des Eingangs in die Nürnberger Burg von 1842. Die anatomische Studie antiker Köpfe sind wohl an der Kunsthochschule entstanden.


Carl Haag, Eingang in die Nürnberger Burg, 1842


Carl Haag, Anatomische Studien antiker Köpfe, 1837


1844 hatte sich Carl Haag in Nürnberg abgemeldet, um zur Weiterbildung nach München zu reisen. Zwei Jahre später zog er, mit dem Ziel die Welt zu sehen, nach Paris. Sein Weg führte ihn über Brüssel, wo er bis 1847 u.a. bei Baron Gustaaf Wappers lernte.

Im Frühjahr desselben Jahres zog es ihn auf die britischen Inseln. Er hatte viel von der berühmten englischen Aquarellmalerei gehört und wollte diese mit eigenen Augen sehen. Dort angekommen besuchte er die Ausstellung der „Watercolour Society“ und war derart begeistert, dass er sich entschied zu bleiben und seine Techniken zu verbessern. Er studierte die Zusammensetzung von Farben und experimentierte mit dieser. Dabei nahm er Anleihen bei William Turner.

In diesem Zusammenhang entstand auch das hier in einem Ausschnitt abgebildete Aquarell: „Panorama von London“. 1848 schrieb er sich in der Royal Academy ein und verfeinerte als Schüler von John Prescott Knight weiter seinen Malstil.


Ausschnitt aus: Carl Haag, Panorama von London, 1848, Reproduktion, Original: London Metropolitan Archives, City of London


Auf einer Wanderung in Tirol im Jahr 1852 traf der junge Carl Haag zufällig auf Fürst Karl zu Leiningen, den Halbbruder der englischen Königin Victoria, und auf Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha, den Bruder von Prinzgemahl Albert. Der Fürst beobachtete Haag beim Zeichnen, sah sich sein Portfolio an und war begeistert. Er lud den Künstler auf sein Anwesen ein und gab das hier ausschnitthaft gezeigte Aquarell in Auftrag, das die beiden Adeligen nach der Gamsjagd zeigt. Später stellte er Haag der englischen Königin vor.

Als der Maler 1853 nach London zurückkehrte, wurde er als erster Ausländer überhaupt zu einem Vollmitglied der „Society of Painters in Watercolours“ ernannt. Außerdem erhielt er eine Einladung auf Schloss Balmoral in Schottland, dem Lieblingsaufenthalt Queen Victorias. Die Königin hatte das Bild der beiden Fürsten mittlerweile in London gesehen und war davon sehr angetan. Sie gab ähnliche Bilder mit Szenen in den Schottischen Highlands in Auftrag, an denen Haag auf Balmoral arbeitete. Rund 30 Zeichnungen und ein Skizzenbuch sind allein von diesem Aufenthalt erhalten. In dieser Zeit entstand auch das zweite hier in einem Ausschnitt abgebildete Aquarell, dem eine Urlaubserinnerung der Königin zugrunde liegt. 1854 wurde Haag schließlich von Herzog Ernst II. zum Hofmaler ernannt.


Ausschnitt aus: Carl Haag, Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha und Fürst Karl zu Leiningen nach der Gamsjagd, 1852, Reproduktion, Original: Royal Collection, © Her Majesty Queen Elizabeth II 2020


Ausschnitt aus: Carl Haag, Ein Morgen in den Highlands: Die königliche Familie beim Aufstieg auf den Lochnagar, 1853, Reproduktion, Original: Royal Collection, © Her Majesty Queen Elizabeth II 2020


Carl Haag startete seine großen Reiseunternehmungen 1854 in Dalmatien und Montenegro. Dort entstanden zahlreiche Trachtenbilder, die auch bei uns in der Ausstellung zu sehen sind. Von dort aus ging er weiter nach Rom, um nach einer kurzen Rückkehr nach London 1858 seine große Orientexpedition anzutreten. Er bereiste u. a. Ägypten, darunter Kairo und die berühmten Pyramiden von Gizeh, sowie die Sphinx. Letztere ist ebenso als Abdruck in der Sonderausstellung zu sehen.

Weiter ging es nach Jerusalem, wo eine seiner berühmtesten Zeichnungen, die des Felsentempels, entstand. Diese kann ebenfalls in der Ausstellung besichtigt werden. Darauf folgten Samaria, Galiläa, Syrien und Palmyra. Er verbrachte die meiste Zeit in der Gesellschaft von Einheimischen, um deren Lebensweisen zu studieren. Rund vierzig Jahre schöpfte er aus dem während dieser Reise angehäuften Fundus an Skizzen und fertigte daraus eine Fülle orientalischer Gemälde, die schon Zeit seines Lebens einen gewaltigen Absatz fanden.

Das Bild zeigt eine Karte mit der Reiseroute des Künstlers.


 

 

28.05.2020
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