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Kunstpalais

Jahresvorschau 2021

Mike Bourscheid. Pisces and Capricorns

21. November 2020 bis 30. Mai 2021

Mike Bourscheid, This is how I imagine love, 2015-18, Installationsansicht Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy the artist, Foto: Stefan Stark

 

Cowboystiefel, Epauletten, Lederschurz und Mieder – in den Skulpturen, Videos und Performances von Mike Bourscheid (*1984 in Esch-sur-Alzette, Luxemburg) tragen die Charaktere Exzentrisches. Schon diese einzelnen Elemente erzählen Geschichten, verweisen auf typische Träger*innen und ihren Platz in der (Kultur-)Geschichte. Aber macht das eine Figur automatisch zur Prinzessin, zum Cowboy, zum Vater?

Mike Bourscheid entwirft und fertigt vielschichtige und symbolisch aufgeladene Kostüme und Requisiten und macht sie zum Mittelpunkt seiner Arbeiten. Um diese Objekte herstellen zu können, eignet er sich immer wieder neue handwerkliche Fertigkeiten an – der Prozess des eigenhändigen Schneiderns, Töpferns, Schmiedens und Schnitzens ist für seine Herangehensweise zentral. So entstehen beispielsweise Plateausandalen, die schmiedeeisernen Kaminholz-Haltern ähneln, ein paillettenübersäter Kopfputz oder mit Besen versehene Handschuhe. Diese Dinge tragen Bourscheids Protagonist*innen (und häufig auch der Künstler selbst) mit großer Selbstverständlichkeit – beim Tanzen, Essen oder auf dem Laufband laufend, auch wenn man sich manchmal kaum damit bewegen kann.

In seinen humorvollen Werken spielt der Künstler liebevoll mit Ideen von zwischenmenschlichen Beziehungen, mit Rollen und Identitäten und stellt die verlässliche Deutung und Aussagekraft von Figur, Männlichkeit, Statur und Kleidung so verschmitzt wie dringlich in Frage.

Im Jahr 2017 vertrat Mike Bourscheid sein Heimatland Luxemburg auf der Kunstbiennale in Venedig. Das Kunstpalais zeigt nun die erste Einzelausstellung des Künstlers.

 

Vivian Greven. Apple

21. November 2020 bis 30. Mai 2021

Vivian Greven: Ode, 2019 © Vivian Greven, Courtesy die Künstlerin, Aurel Scheibler, Berlin, und Kadel Willborn, Düsseldorf, Foto: Ivo Faber

Sinnliche Oberflächen, erotische Kompositionen, makellose Schönheit, doch immer wieder durch eine überraschende Irritation verzerrt – die neuesten Gemälde von Vivian Greven (*1985 in Bonn) verführen die Betrachter*innen mit einer eigentümlichen Spannung, die sich zwischen Polen wie Perfektion und Unheimlichkeit, Tradition und Avantgarde aufbaut. Grevens Figuren sind in Bildern zum Leben erweckte Skulpturen, deren glatte Haut an Marmor und Porzellan erinnert. Mal aufreizend glänzend, mal geheimnisvoll matt – ihre figurative Malerei spiegelt das Verlangen nach einer perfekten Ästhetik und gefühlvollen Körperlichkeit in einer digitalen Zeit wider.

Apfel und Pfeil – die inhaltlichen Ausgangspunkte für ihre neue Serie Apple sind zwei der ältesten und weit verbreitetsten Motive der Kulturgeschichte. Grevens virtuos verstörende Kompositionen wecken ineinanderfließende Assoziationen von der biblischen Frucht als Symbol der Lust und des Wissens bis hin zum Logo von „Apple“, vom Märtyrertod des Heiligen Sebastian bis hin zu digital animierten Computerspielen.

In der Ausstellung Apple spielt Vivian Greven nicht nur in ihren Gemälden mit den verschiedenen Momenten komplexer Licht- und Schatteneffekte, sondern überträgt diese mittels zusätzlicher Farbsetzungen auch auf die Wände der Ausstellungsräume. Die kabinettartige Ausstellungsarchitektur greift die barocke Geschichte des Palais Stutterheim mit engen Türbögen und raumgreifenden Pastellfarben auf.  Als Betrachter*in wird man unwillkürlich in den Bann der sinnlichen Figuren gezogen und zum verbotenen Anfassen verführt!

Zu der ersten institutionellen Ausstellung der Künstlerin ist ein reich bebilderter Katalog erschienen. Mit einem Vorwort von Amely Deiss, Essays von Helga Krutzler und Timotheus Vermeulen und einer neuen Kurzgeschichte von Jackie Thomae, die sich von den Werken der Künstlerin inspirieren ließ. Begleitend zu den zwanzig Gemälden, die alle zum ersten Mal publiziert werden, schrieb Vivian Greven anlässlich des Katalogs zwei neue Gedichte. Gebundene Ausgabe: 128 Seiten, 24 x 29 cm, englisch/deutsch, zahlreiche farbige Abbildungen und Detailaufnahmen.

 

Devan Shimoyama. All The Rage

19. Juni bis 14. November 2021

Devan Shimoyama: Smoke and Sage, 2019, Courtesy the artist and Kavi Gupta

Mit All The Rage zeigt das Kunstpalais erstmals eine Ausstellung des amerikanischen Malers Devan Shimoyama (* 1989 in Philadelphia, USA), der mit seinen vielschichtigen, einprägsamen Materialcollagen in den USA bereits erste große Erfolge feiert.

Leuchtende Farben, knallige Umrisslinien, Pailletten, Strass, Stoff und Federn charakterisieren Shimoyamas Kunst unverwechselbar. In seiner neuesten Werkserie stellt er Freunde, Idole und immer wieder auch sich selbst in unterschiedlichen Rollen mit mythologischem und fantastischem Bezug dar. Die schillernden, selbstbewussten Figuren auf Shimoyamas großen Leinwänden verkörpern für sich und andere das Recht auf die unbegrenzte Möglichkeit, sich selbst zu positionieren und zu definieren. Wassermann, Vampira, Schwertträger und Medusa – und damit auch die durch sie verkörperten realen Personen – stellen sich in Shimoyamas Bilderfindungen extrovertiert und spielerisch gegen gesellschaftlich auferlegte Definitionsschranken von Gender, Sexualität oder Herkunft.

Als homosexueller Afroamerikaner hat Devan Shimoyama einen intensiven Bezug zu Themen der Schwarzen Community wie auch der queeren Subkultur in den Vereinigten Staaten. Auch den Schattenseiten dieser Lebenswirklichkeit wie Alltagsrassismus und Polizeigewalt, Schwulen- und Frauenfeindlichkeit stellt er mit seiner Kunst kraftvolle Ikonen gegenüber, die Hoffnung, Stärke und Schönheit ausstrahlen.

 

Zuzanna Czebatul. The Happy Deppy Ecstasy Institute

19. Juni bis 14. November 2021

Zuzanna Czebatul: Installationsansicht Trip City, Ujazdowski Castle Center for Contemporary Art, Warschau, 2017, Courtesy the artist

In The Happy Deppy Ecstasy Institute, ihrer ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland, stellt Zuzanna Czebatul (* 1986 in Międzyrzecz, Polen) Fragen nach Macht, ihrer symbolischen Verkörperung und danach, wie Machtverhältnisse unsere soziale Wirklichkeit strukturieren. Für das Kunstpalais produziert die in Berlin lebende Bildhauerin nicht nur neue Skulpturen, sondern erstellt ein umfangreiches künstlerisches Raumprogramm, das sich wie eine Parodie auf real aufgeführte Endzeitspektakel lesen lässt. Mächtige Gaspipelines, mannshohe Türme aus Körperpanzern oder die Raubkopie eines Louvre-Fassadenteils spiegeln dabei Czebatuls anhaltende Faszination für geopolitische Themen und monolithische Formen wider. Die sich in der Ausstellung überlagernden Diskurse um Macht- und Deutungsansprüche gleichen einer Signatur unserer Zeit.

Bei aller ästhetischen Wucht beschäftigen sich Czebatuls Werke vor allem mit den gerne verdrängten Aspekten unserer Produktions- und Lebensweise. Vor dem Horizont gegenwärtiger politischer, ökonomischer und ökologischer Krisen schöpft sie aus den Strategien einer vielstimmigen, emanzipatorischen Gegenkultur, ohne dabei der Versuchung moralischer Endgültigkeit zu erliegen. In Zeiten, in denen die Standbilder von Kolonisatoren geschleift und zugleich imperiale Schlösser rekonstruiert werden, stellen ihre Arbeiten geistreiche Anti-Monumente dar – Denkmäler einer noch zu errichtenden ideologiefreien Gesellschaft.

 

 

 

23.04.2021
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