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Informationen

Ursula Fischer – Optimismus-Quelle

Wer im Seniorenbeirat aktiv wird, der hat viele Gaben, darunter – und das gilt für alle – Neugierde und Hilfsbereitschaft. Wir berichten heute über ein erstaunliches Mitglied. Eine Frau, eigentlich wie viele andere, aber trotzdem eine ganz außergewöhnliche Person: Ursula Fischer.

Mitglied im Seniorenbeirat seit bereits sechs Jahren, gehört sie zu den ganz Aktiven, zuverlässig und voller Motivation. Das Gespräch mit Ursula Fischer eröffnet unsere Reihe über die Mitglieder des Seniorenbeirats. Wer uns seine Geschichte erzählen will, ist herzlich eingeladen.

Ursula Fischer und Andrea Kaiser - Seniorenbeirat

Ursula Fischer wurde in den letzten Kriegswochen geboren. Ihr Vater, Kraftfahrer, wusste nicht einmal, dass er eine Tochter bekam, denn er war in der Zeit bereits in sowjetischer Gefangenschaft. Desto größer war seine Freude bei der Rückkehr. Seiner Tochter gab er fürs Leben seinen Optimismus mit, der bis heute in jedem Gespräch mit ihr zu spüren ist. Dafür bleibt sie ihm dankbar, denn, wie sie selbst sagt, es gebe Tage, die weniger gut seien, aber dann kämen wieder gute Tage.

Aufgewachsen in der Nachkriegszeit, wurde ihr Berufsweg von den Eltern vorbestimmt, wie es für Frauen von heute kaum noch vorstellbar ist. Nach der Schule folgte eine Buchhaltungslehre, die Entscheidung der Eltern, denn ihren eigenen Wunsch durften junge Frauen damals kaum äußern; man erwartete von ihnen auch, dass sie bald heiraten und für die Familie zuständig werden. Bald schon stellte sich jedoch heraus, dass diese Ausbildung nichts für sie war, weshalb sie die Lehre abbrach und eine ganz andere Richtung einschlug.

Die junge Frau machte bei einer Kirchengemeinde eine Ausbildung als Jugendleiterin. Die bedeutete viel Arbeit. Ursula Fischer betreute vor allem Mädchen im Alter von 6 bis 15, was ihr viel Freude bereitete. Im Sommer ging sie mit vielen Gruppen auf Freizeit, es waren ca. 80 Jugendliche mit vielen Helfern, mit denen sie drei Wochen irgendwo in Schwarzwald zusammen waren. Es fühlte sich wie eine große Familie an, die man von morgens bis abends betreute und für die man Verantwortung trug. Anschließend unterrichtete Ursula Fischer an einer Volksschule und Sonderschule Religionslehre.

Schließlich lernte Ursula Fischer ihren künftigen Mann kennen, einen Diplom-Physiker, der nach dem Studium auf der Suche nach einer Stelle in Erlangen war. Vier Kinder machten mit den Jahren das Familienglück perfekt. Der Ehemann arbeitete zunächst bei Siemens und dann bei der KWU, und die Frau war zu Hause Chefin und Managerin. 

Schnell wurden die Kinder groß, und so stellte sich für Ursula Fischer die Frage nach dem Was nun. Sie suchte nach einer neuen Aufgabe und fand sie auch ganz schnell. Zuerst machte sie eine Ausbildung bei der Diakonie für Demenzbegleitung, in einem Bereich, der sie sehr interessierte. Rasch wurde klar, wie gut sie das konnte. Die spätere Seniorenbeirätin hat eine gute und nützliche Gabe: Sie kann zuhören und trösten. Gemeinsam mit den anderen leitete sie eine Gruppe, die Angehörige entlastete und ihnen ein bisschen Freizeit verschaffte. Basteln, Singen, Fördern nicht nur zum Spaß, sondern auch als kognitives Training. Eine der wichtigen Aufgaben bestand darin, einen geregelten Tagesablauf zu schaffen, was gerade für Demenzkranke sehr hilfreich ist. Und das tat sie zehn Jahre lang.

Zurzeit betreut Ursula Fischer nur Einzelpersonen in zwei Heimen. Die Corona-Lage macht die Arbeit schwieriger, deshalb ist sie auch telefonisch für „die Ihren“ immer da. Sie wissen: „Da ruft jetzt Frau Fischer an und erzählt etwas Positives. Was genau, weiß ich noch nicht, aber auf jeden Fall etwas Positives“. Ihr Erfolgsrezept? „Zuhören, weinen und sprechen lassen und dann sage ich: Es ist nicht nur alles schwarz! Es gibt doch auch Gutes in Ihrem Leben!“

Und als ob dies nicht ausreichend wäre! Auch ihre Kirchengemeinde profitiert nach wie vor von ihrem Engagement.

Ursula Fischer mit dem Seniorenbeirat in Jena (re.)

Seit sechs Jahren ist sie nun im Seniorenbeirat, in den sie über eine Freundin kam, die sagte: „Übernimm meine Vertretung!“ Aus Neugierde auf die neue Aufgabe entstand eine aktive Arbeit im Gremium, sei es in den Beiratssitzungen selbst, im Arbeitsausschuss oder auch als eine aufmerksame Gastgeberin bei den Veranstaltungen gemeinsam mit den anderen Beiräten.  Viel Spaß macht ihr die Arbeit mit Frau Steger von der Geschäftsstelle. „Sie ist eine tolle Frau. Sie strahlt auch so viel Optimismus aus“, sagt Ursula Fischer zum Abschluss.

Und immer wieder kommt sie zurück zu ihrer Lebenseinstellung – optimistisch bleiben! Und das sieht und hört man im Gespräch mit ihr jedes Mal aufs Neue.

 

02.08.2021
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