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Hartmut Wiechert: zwischen Berlin – Frankfurt am Main – Franken und Japan

Kennen Sie Sukiyaki? Wissen Sie, was „Dozo omeshi agari kudasai“ heißt? Haben auch Sie im Schinto-Schrein geheiratet? Nein? Dann lesen Sie über das Seniorenbeiratsmitglied Hartmut Wiechert. 

Seit 2018 ist Hartmut Wiechert ein sehr aktives und engagiertes Beiratsmitglied, das gerne eigene Ideen einbringt, diskutiert, Vorschläge macht; wir kennen ihn aber auch als jemand, der mit anpackt und auf den immer Verlass ist. 
 
Geboren wurde Hartmut Wiechert in Berlin, ein Jahr nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, in einer Großfamilie mit sechs Brüdern und einer Schwester. Bald ist die Familie nach Danzig umgezogen, wo sie blieb, bis sie mit dem damals fünfjährigen Hartmut auf verschiedenen Wegen fliehen musste. 

Hartmut Wiechert

Zum Wiedersehen kam es dann in Hessen, im damaligen Landkreis Schlüchtern, wo der Junge zur Schule ging und das Abitur machte. Ganz in der Nähe von Frankfurt, wo er Physik studierte, bis er später das Fach um Regelungstechnik, heute sagt man Automatisierung, in Darmstadt ergänzte. Schnell fand der Absolvent eine Stelle bei der früheren KWU in Frankfurt am Main. Seine Arbeit widmete Hartmut Wiechert der Automatisierung der ersten Kraftwerke und war sozusagen einer der Pioniere in diesem Bereich. Kurz danach kam der gebürtige Berliner nach Franken, sprich, Erlangen. All diese Jahre ging die Automatisierung fast aller Kraftwerke durch seine Hände, was auch dazu führte, dass der Wahlerlanger viel unterwegs war, mal in Schweden, mal in den USA, mal auch im eigenen Land. Über sich selbst sagt er, er sei ein typischer Reiseingenieur mit 50-60 Stunden pro Woche gewesen. Drei Jahre verbrachte Hartmut Wiechert mit seiner Familie im Auftrag seines Arbeitsgebers in Atlanta, wieder mit der Aufgabe, Kraftwerke zu automatisieren. Erfolgreich sei die KWU hierbei nicht besonders gewesen, erinnert er sich heute, denn, wie bekannt, bevorzugen die Amerikaner eigene Produkte und wollten auch damals schon keine europäischen Erzeugnisse. 

Auch Schweden beriet der Erlanger Fachmann in Sachen Kraftwerk. Damals wollte der skandinavische Nachbar vorbildlich auf die Atomkraft verzichten und ist – leider – dabei gescheitert. Die Wasserkraftwerke, auf die man setzte, froren im Winter ein, und somit war es bald vorbei mit der guten Idee. 

Schnell ist die Zeit verflogen, schnell kam der Ruhestand: Mit 65 Jahren begann diese neue Lebensphase, und das Leben änderte sich komplett. Aus dem vielgereisten Spezialisten wurde ein ortstreuer Erlanger. Nun war endlich genug Zeit, sich hier ehrenamtlich zu betätigen. 

Aber kommen wir kurz zurück zu der Zeit in Frankfurt, eine für Hartmut Wiechert entscheidende und lebensweisende Phase. Warum? Ganz einfach! Er lernte dort seine künftige Frau kennen. Takako, gebürtige Japanerin, studierte in der Mainmetropole Germanistik, was für den Siemensianer wie ein Geschenk des Himmels kam, denn sie sprach hervorragend Deutsch. Zwar versuchte er auch selbst, Japanisch zu lernen, und die Sprache an sich sei gar nicht so schwierig, betont er, aber die traditionelle japanische Schrift (Logographie) und unglaublich viele Konventionen, die das Land und die Kultur in sich haben – ein Grund für die ausgeprägte Höflichkeit der Japaner – machten das Erlernen fast unmöglich. Aber nur fast: Denn wenn seine Frau am Wochenende Sendungen in ihrer Muttersprache verfolgt, versteht der Deutsche einiges, auch wenn die Besonderheit der Sprache es ihm nicht leichtmacht. „Dozo omeshi agari kudasai“ (die Familie Wiechert und ihre japanische Verwandtschaft sagt „Itadaki masu“) - „Guten Appetit“, wünscht Hartmut Wiechert seiner Frau mit einem Strahlen in den Augen jedes Mal auf Japanisch, aber auch mit ein paar weiteren Floskeln kann er problemlos in der Sprache des Landes der aufstehenden Sonne punkten, bevor seine Japanisch-Kenntnisse enden.
 
Anders ist es um seine Kochkünste bestellt, die er immer wieder beweist. Sehr gerne kocht Hartmut Wiechert asiatische Gerichte, auch den traditionellen japanischen Eintopf „Sukiyaki“ meistert er mit Bravour, auch wenn das, wie er verrät, seine Frau immer noch besser kann. 

Heutzutage sind internationale Ehen etwas Selbstverständliches. Fast jeder kennt solche Paare, nichts Außergewöhnliches vor allem in Erlangen. Aber damals war die Heirat mit einer Ausländerin fast eine Staatssache. Die Erlaubnis musste den Brautleuten der hessische Ministerpräsident persönlich erteilen. Die Hochzeit feierten die beiden in der Heimat der Ehefrau, in einem Schinto-Schrein, einem traditionellen japanischen Tempel mit allen dazu gehörigen Bräuchen. 

Schnell wuchs die Familie, zwei Söhne und eine Tochter krönten das Eheglück. Der älteste studierte Biologie, die Tochter Pharmazie, und der Jüngste ist Schreiner geworden. Von Bern über Freiburg nach Hamburg führte sie das Leben. 

Hartmut Wiechert 1

Gleich zu Beginn seiner Berufskarriere trat der heutige Rentner der Gewerkschaft und der SPD bei. Mit der SPD bekam er im Laufe der Berufsjahre immer mehr Schwierigkeiten, denn seine Partei setzte immer mehr auf den Atomausstieg, während der diplomierte Ingenieur an Kernkraftwerken arbeitete. So ließ er bis zur Verrentung seine SPD-Arbeit ruhen. Mit dem Beginn des dritten Alters reaktivierte er seine Parteimitgliedschaft, ging in einen Männergesangverein, dessen Vorsitzender er wurde. Aller guten Dinge sind drei: Die dritte Aufgabe kam mit der Einladung von Helga Steeger, ihre Nachfolge bei der SPD 60+ zu übernehmen. Hier kam es auch zum ersten Kontakt mit dem Seniorenbeirat, als Helga Steeger, damals Gremiumsvorsitzende, immer wieder von der Arbeit berichtete. Schließlich lernte Hartmut Wiechert Anette Christian kennen, die ihm auch vorschlug, ins Gremium zu kommen. 2018 war es so weit. Hartmut Wiechert hatte bereits als Ortsbeirat Kriegenbrunn Erfahrungen in der kommunalen Gremienarbeit, und dennoch war der Seniorenbeirat etwas ganz anderes. Während man sich in einem Ortsbeirat den Anliegen des Ortsteils widmet – sei es Falschparken, Umwidmung einer Straße oder das Stadteilhaus – ist der Seniorenbeirat nur beratend tätig. Schnell war ihm klar: Willst du etwas ändern, gehe zur Verwaltung und rede mit ihr. Die Politik sei wichtig, so seine Erkenntnis, aber die Verwaltung noch wichtiger. 

Bei der SPD 60+ war von Anfang an sein Ziel, Menschen aus dem Sessel hochzukriegen, vielfältige Angebote zu machen, das Leben in der Pflege zu zeigen und einfach vielseitig, kreativ und offen zu sein. So organisiert er dort Bücherbesprechungen, Filmnachmittage und Ausflüge. Was ist hier wichtig? Man schafft Netzwerke, behält den Überblick, erweitert den Horizont und sucht Verbündete. In Peter Römer von den IG-Metall-Senioren fand Hartmut Wiechert schnell einen Mitstreiter, der wusste, wie man das eine mit dem anderen gut und effizient verbindet. Und schon treffen sich die beiden Gruppen, planen Wanderungen, - Filmnachmittage, Programme und natürlich auch die Seniorenarbeit insgesamt. 

Hartmut Wiechert 3

Und wie bleibt man gesund? Durch den Sport! Im Siemens-Sportzentrum ist Hartmut Wiechert ein „Wiederholungstäter“, Gymnastik und Schwimmen stehen wöchentlich auf seinem Plan – und das bereits seit zehn Jahren! Was noch? Sein Kochdienst, den er zweimal in der Woche seiner Frau anbietet, wenn sie nach dem Sport nach Hause kommt. Auf dem Speiseplan – viele asiatische Gerichte, Thaiküche, auch ein paar japanische, natürlich Sukiyaki, den es in der Familie Wiechert vor allem zu Weihnachten gibt, wenn die ganze Familie zusammenkommt. 

Was Hartmut Wiecherts Anliegen im Seniorenbeirat ist? Dass das Gremium als Multiplikator wichtig wird, dass mehr gemeinsam gemacht wird, sei es Exkursionen, Kontakte zum Seniorenbeirat Jena, Vorträge oder gemeinsame Aktionen, wie z. B. die Heinzelmännchen in Herzogenaurach. Und schon gehen die Pläne weiter, was man alles im Gremium in der nächsten Legislaturperiode machen könnte. Einmal in Bewegung, immer in Bewegung. Und stets voller Ideen, Gedanken, Handlungsdrang, so wie unsere 60+ nun einmal sind und bleiben wollen. 

13.09.2021
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