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Von der Stubenlohe zum Zollhaus-Viertel

19. Mai bis 29. Juli 2012

Ort: Werner-von-Siemens-Straße (zwischen Luitpold- und Henkestraße)

Die Ausstellung ist der Beitrag des Stadtmuseums Erlangen zum bayernweiten Festival „Stadt. Geschichte. Zukunft“, das von STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V. im Sommer 2012 veranstaltet wird.

Führungen:
Donnerstage 19. und 26. Juli, jeweils um 18 Uhr
Sonntag 29. Juli um 11 Uhr
Treffpunkt: Infostele bei der Bushaltestelle Zollhaus/ Luitpoldstraße

Oststadt und Ringstraße im Kaiserreich

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Erlangen noch fast völlig von seinen Zollmauern umschlossen. Erst im Kaiserreich erlebte die Stadt durch die Industrialisierung und den Ausbau der Garnison einen Wachstumsschub, so dass sich die Einwohnerzahl zwischen 1871 und 1910 auf knapp 25.000 verdoppelte. Das wichtigste Stadterweiterungsgebiet lag im Osten, wo sich die Sandäcker der sog. Neubrüche erstreckten, die durch die schrittweise Rodung des Altstädter Gemeindewaldes „Stubenlohe“ entstanden waren.

Die ersten neu angelegten Straßen, die Wald-, Stubenloh- und Feldstraße, erinnern in ihren Namen an die ehemalige Nutzung des Terrains. Durch die kleinen, meist eingeschossigen Häuser wurde dieses Quartier zu einem „Kleine-Leute-Viertel“, wie man es vom angrenzenden Bohlenplatz her kannte. Dagegen entwickelte sich im Umfeld der Jägerkaserne zwischen der Bismarck-, Marquardsen- und Luitpoldstraße ein bürgerliches Wohngebiet mit mehrgeschossigen repräsentativen Wohnhäusern. Infolge des Baufortschritts verlegte man 1881 die Gefällstation, an der der Pflasterzoll erhoben wurde, vom Bohlenplatz weiter nach Osten an die Buckenhofer Straße (Drausnickstraße), wo die Stadt nun begann.

Wichtige Weichenstellungen für die weitere Entwicklung waren der Bau der Sekundärbahn („Seku“) von Erlangen nach Gräfenberg 1886 und die gleichzeitige Projektierung der Ringstraße. Die Bahnlinie führte in einem weiten Bogen um den Stadtsüden, um beim Bahnhof „Zollhaus“ in die Buckenhofer Straße einzumünden. Hier entstand 1892/93 die elektrotechnische Fabrik von Reiniger, Gebbert und Schall, die Wurzel der Medizintechnik in Erlangen. Kurz vorher hatte sich die Bürstenfabrik Kränzlein an der Glückstraße angesiedelt, die ebenfalls zu einem Großunternehmen aufstieg.

Auch der Bau der neuen Kasernen an der Drausnick- und Artilleriestraße seit 1890 und 1900 trug zur raschen Expansion der Oststadt bei. Die ersten Häuser an der Ringstraße wurden ab 1888 errichtet. 1908 war die Bebauung zwischen dem Bahnhof Zollhaus und der Henkestraße weitgehend abgeschlossen; nur zwei Eckgebäude entstanden erst 1923/24. In den meist dreigeschossigen, oft in Sichtziegelmauerwerk ausgeführten Mietshäusern wohnten Fabrikarbeiter, Werkmeister und Mechaniker, aber auch Handwerker und kleine Gewerbetreibende, die im Rückgebäude eine Werkstatt oder im Erdgeschoss einen Laden führten. So bildete die Ringstraße mit der benachbarten Stubenloh- und Waldstraße ein Viertel der kleinen Leute, das überwiegend sozialdemokratisch geprägt war und seine Treffpunkte in den zahlreichen Wirtshäusern des Quartiers hatte.

Das Zollhaus-Viertel heute

In den letzten hundert Jahren hat sich das Viertel in vieler Hinsicht gewandelt. Zu den offensichtlichen Veränderungen zählt die Gestaltung des Straßenraums, mit der die Stadt auf Verkehrsprobleme und Bürgeranhörungen reagierte. Nach Einstellung der „Seku“ 1963 projektierten Stadtplaner Ende der 1970er Jahre noch unter dem Leitbild der autogerechten Stadt den Ausbau der Werner-von-Siemens-Straße zur neuen Hauptachse für den ost-westlichen Straßenverkehr. Das Vorhaben einer „Stadtautobahn“ wurde jedoch infolge des Protests der „Bürgerinitiative Zollhausviertel“ und des Umdenkens vieler Stadträte aufgegeben. Seit 1981 ist die ehemalige Ringstraße eine begrünte Anwohnerstraße, in der sich der Durchgangsverkehr auf die Busse beschränkt.

Heute erlebt das Quartier durch Modernisierungsmaßnahmen einen nachhaltigen Wandel. Die aktuellen Sanierungen zielen vor allem auf die Schaffung von kleinen Eigentumswohnungen für Studenten. Um den Wohnraum zu verdichten, werden auch die Rückgebäude umgebaut und durch Außentreppen vom Hof aus neu erschlossen.

Ein gegenwärtig diskutiertes Zukunftsprojekt, das auch das Zollhaus- Viertel betrifft, ist die Stadt-Umland-Bahn, deren Trasse von der Henkestraße über den letzten Abschnitt der Werner-von-Siemens-Straße in die Drausnickstraße führen soll. Auch hier geht es wieder um die Frage, wie das Verhältnis von individueller Motorisierung und öffentlichen Verkehrsmitteln im Nahverkehr zukünftig aussehen soll.

Ausstellungseröffnung im Rahmen der zentralen Auftaktveranstaltung:

Samstag, 19. Mai um 18 Uhr, Kultursaal, Museumswinkel, Gebbertstraße 1
Einführung: Thomas Engelhardt

Führungen - auch für Schulklassen – auf Anfrage: Tel. 86-2408

Als Download finden Sie nachstehend das Begleitheft der Open-Air-Ausstellung, das auch für 2 € im Stadtmuseum erhältlich ist.

 

20.08.2012
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