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Archiv

Erlangen im Ersten Weltkrieg

13. Juli 2014 – 11. Januar 2015
 
 
Der Erste Weltkrieg gilt als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. Zur Erinnerung an den Kriegsbeginn vor 100 Jahren zeigt das Stadtmuseum Erlangen eine Ausstellung, die nicht nur die Auswirkungen des Kriegs auf die Universitäts- und Garnisonsstadt Erlangen dokumentiert, sondern auch politische Einstellungen und Wahrnehmungsmuster ins Blickfeld rückt. Historische Fotografien, Briefe, Plakate und Objekte informieren über die Mobilmachung, die zunehmende Totalisierung des Krieges sowie über das Kriegsende und die Revolution im November 1918 in Erlangen. Weitere Themen sind die Fronterfahrungen Erlanger Soldaten und das Gedenken an die Kriegstoten in der Weimarer Zeit. Ein „Metadenkmal“ am Martin-Luther-Platz weist auf die Funktion des ehemaligen Kriegerdenkmals als Versammlungsort bei Kriegsbeginn hin.
 
Ausmarsch des 19. Infanterie Regiments, 8.8.1914, Foto: Stadtarchiv
 
Die einzelnen Stationen verdeutlichen, wie sehr Erlangen auch in den Kriegsjahren durch die Garnison und Universität geprägt wurde. Die staatstragenden Repräsentanten des wilhelminischen Erlangen kamen aus dem Besitzbürgertum, der Professorenschaft, den Studentenverbindungen und dem antiparlamentarisch eingestellten Militär. Gerade in diesen Kreisen wurde der Krieg Anfang August 1914 emphatisch begrüßt und auch propagandistisch unterstützt. Viele Studenten drängten als Kriegsfreiwillige an die Front, während ihre Professoren die geistige Mobilisierung der Jugend betrieben und auf den Siegfrieden setzten.
 
Auszug des 10. Feldartillerie Regiments, 1914, Foto: Stadtarchiv 
 
Auch nach dem Ausrücken der beiden Erlanger Regimenter prägte die Garnison das Leben in der Stadt. Bereits im Sommer 1914 wurde das Garnisonslazarett durch mehrere Reservelazarette – darunter das Kollegiengebäude und Schloss – ergänzt. Für die immer neuen Truppenaushebungen wurden provisorische Massenquartiere eingerichtet, und auf dem Exerzierplatz entstand ein Gefangenenlager, in dem bis zu 3600 gefangene Franzosen und Russen interniert waren.
 
Gefangenenlager am Exerzierplatz, 1915, Foto: Stadtarchiv
 
Mit der Fortdauer des Krieges wurden alle gesellschaftlichen Ressourcen in den Dienst der Kriegsführung gestellt. Durch Volksküchen, die Fürsorge für Kriegerfamilien und die Zwangsbewirtschaftung der Lebensmittel versuchte die Stadt die Not zu lindern. Aber auch die Einführung von Bezugsscheinen 1915 konnte nicht verhindern, dass sich Versorgungsengpässe immer mehr verschärften. Im „Steckrübenwinter“ 1916/17 kam es zu einer regelrechten Hungersnot. Die Zustimmung zum Krieg schwand, größere Unruhen beim Militär und in der Bevölkerung gab es, im Frühjahr 1918.
 
Butterverkauf am Marktplatz, 1916, Foto: Stadtarchiv 
 
Die Novemberrevolution von 1918 führte in Erlangen zur Gründung eines „Arbeiter- und Soldatenrates“, dessen Wortführer aus SPD und Gewerkschaften im Verbund mit der Stadtspitze einen gemäßigten Kurs im Übergang zur Demokratie verfolgten. Etwa gleichzeitig beendete der Waffenstillstand von Compiègne den Krieg. Als die harten Bedingungen des Friedensvertrags im Mai 1919 bekannt wurden, protestierte auch in Erlangen nicht nur das Bürgertum, sondern auch die Arbeiterschaft.
  
Protest gegen Friedensbedingungen, 1919, Foto: Stadtarchiv
 
Während des Ersten Weltkriegs fielen etwa 600 Erlanger Bürger und 400 Studenten; die beiden Erlanger Regimenter hatten etwa 3300 Tote zu beklagen – eine Bilanz, die später von nationalistischen und reaktionären Kräften missbraucht wurde. Statt der Trauer Ausdruck zu geben und an des Leid des Krieges zu erinnern, propagierten sie den „Heldentod für das Vaterland“ und die Hoffnung auf Deutschlands Wiedererstarken. – Auch dieser politische Totenkult der Weimarer Zeit gehört zu den folgenreichen Verwerfungen, die auf die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ zurückführbar sind.
 
Gefallenendenkmal der Universität, 1930, Foto: Stadtarchiv
 
 

Zur Eröffnung der Ausstellung laden wir Sie 

am Sonntag, den 13. Juli 2014 um 11 Uhr

ins Stadtmuseum Erlangen herzlich ein.

 
Es sprechen:
Dr. Dieter Rossmeissl, Referent für Bildung, Kultur und Jugend
Thomas Engelhardt, Leiter des Stadtmuseums Erlangen
 
Musikalische Umrahmung:
Lieder vom Krieg
Ute Rüppel (Gesang), Dorota Beres (E-Piano)
 
 
 

"Metadenkmal" zum Kriegsbeginn am 1. August 1914

 
Zur Ausstellung "Erlangen im Ersten Weltkrieg" präsentiert das Stadtmuseum unter dem Titel "Lokalklang am Kriegerdenkmal, 1. August 1914" eine Installation am Martin-Luther-Platz, die an den Beginn des Ersten Weltkrieg in Erlangen erinnert. Das 1890 errichtete Denkmal war am 1. August 1914 Mittelpunkt einer patriotischen Kundgebung, mit der die Erlanger Bürger auf den Krieg eingeschworen werden sollten. Das Denkmal wurde nach dem Zweiten Weltkriege als Verkehrshindernis abgebrochen, nur der steinerne Löwe, der es bekrönte, steht heute als kontextloses historisches Relikt wieder am alten Platz.
 
Die Präsentation besteht aus Großfotos und einer Audiostation, die ein Stimmungsbild der Ereignisse gibt. Das Metadenkmal soll zum Besuch der Sonderausstellung anregen. Außerdem ist es der Beitrag des Stadtmuseums zum diesjährigen Festival „Lokalklang“ des STADTKULTUR Netzwerks Bayerischer Städte e.V.
 
Kriegerdenkmal am Martin-Luther-Platz, Foto: Stadtarchiv

 

BEGLEITPROGRAMM

Samstag, 19. Juli 2014 um 15 Uhr

Kasernen - Lazarette - Denkmäler
Auf den Spuren des Ersten Weltkriegs 
Fahrradexkursion in Zusammenarbeit mit der vhs
Treffpunkt: Stadtmuseum, Martin-Luther-Platz 9, Dauer: 2 Stunden

Die Fahrradexkursion zeigt in zehn Stationen Ausschnitte aus der Geschichte der Universitäts- und Garnisonsstadt Erlangen im Ersten Weltkrieg. Sie beginnt am ehem. Kriegerdenkmal am Martin-Luther-Platz und endet an der Artilleriekaserne. Weitere Stationen erinnern an die Kriegsvolksküche, die Vereins- und Reservelazarette, die Rüstungsproduktion bei Reiniger, Gebbert und Schall und die ersten politischen Kundgebungen am Marktplatz nach Kriegsende. Außerdem informiert sie über die Gefallenen-Denkmäler der Weimarer Zeit, mit denen das Gedenken an die Opfer des Krieges für den nationalistischen Heldenkult instrumentalisiert wurde.

 

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Achtung Terminverschiebung auf 4. Dezember 2014 um 19 Uhr

Aspekte der Stadtgeschichte 1914-1918
Kurzvorträge von Thomas Engelhardt, Dr. Heinrich Hirschfelder, Michaela Meyer und André Widmann.

 

 
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Die Ausstellung wird museumspädagogisch begleitet. Empfohlen für die Fächer Geschichte, Deutsch und Sozialkunde.
Anmeldungen für Schulklassen ab dem 16. September 2014 unter Telefon: 09131-862972.
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Ausstellungsführungen

Sonntag:
20.7. / 27.7. 2014 um 11 Uhr
3.8. / 10.8. / 17.8. / 24.8. / 31.8.2014 um 12 Uhr
7.9. / 14.9. / 28.9.2014 um 11 Uhr
5.10. / 12.10. / 19.10. / 26.10.2014 um 11 Uhr
2.11. / 9.11.2014 um 11 Uhr
und nach telefonischer Absprache unter 09131-862972
 
 
 
 
Das Stadtmuseum bedankt sich für die Leihgaben und die freundliche Unterstützung von:
  • Stadtarchiv Erlangen
  • Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg
  • Universitätsarchiv Erlangen
  • Haller-Archiv, Großgründlach
  • Museum für historische Wehrtechnik e. V., Röthenbach
  • Siemens MedMuseum
  • Klaus Stolz, Feucht
  • Eike Wagner, Lauf

 

12.11.2014
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