Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Dauerausstellung

Texte zur Dauerausstellung

Die Dauerausstellung vermittelt Erlangens Geschichte in fünf Abteilungen – von der Vorgeschichte im Erlanger Raum bis ins 20. Jahrhundert. Führungen können Sie zu jeder Abteilung oder als Rundgang durch das Museum buchen. Bei den hier vorgestellten Führungsthemen wird Ihnen – ausgehend von einem stadt- oder kulturhistorischen Exponat – eine ganze Epoche erläutert.

Mit der vollen Schärfe des Gesetzes: das Erlanger Richtschwert
Zur Geschichte der Altstadt Erlangen

Richtschwert der Henkerfamilie Gassenmeyer

Lange Zeit standen Abschreckung und Sühne im Zentrum des Rechtsvollzugs – der Begriff der Resozialisierung kommt erst spät auf. So waren Hinrichtungen öffentliche Spektakel fürs Volk. Die Menschen nahmen starken Anteil am grausamen Spektakel, je nach Verlauf wurde der Henker sogar ausgebuht oder bejubelt. Dabei wandte der Scharfrichter, wie es eigentlich heißen muss, eine breite Palette von Tötungsmethoden an: wie etwa Hängen und Rädern, im Unterschied hierzu galt Hinrichtung mit dem Schwert als „ehrenhaft“. Der so Gerichtete konnte in geweihter Erde begraben werden, während der Leichnam des Gehängten am Galgen zerfiel.

Das überlieferte Richtschwert wurde 1924 aus dem Besitz der Familie Gassenmeyer vom Stadtmuseum erworben. Mitglieder dieser Familie waren in Erlangen Scharfrichter und Abdecker. So auch Johann Michael Gassenmeyer, dessen Meisterbrief sich erhalten hat. In diesem Dokument ist vermerkt, wie er 1773 in Wilhermsdorf einen Mörder hinrichtete. Lobend heißt es, dass der Rumpf des Delinquenten nach dem tödlichen Streich ruhig sitzen blieb, bis zum Abtransport. Im Anschluss daran erhielt der angehende Scharfrichter „Drei Maulschellen“ als Zeichen der erworbenen Meisterschaft. Dabei war die Hinrichtung mit dem Schwert nicht einfach: sie erforderte Kraft, Geschicklichkeit und Erfahrung. Idealerweise sollte das in weitem Bogen geführte Schwert in einem bestimmten Winkel in den Nacken eindringen. Nervosität des Scharfrichters oder hektische Bewegungen des Delinquenten konnten hier leicht zu gravierenden Missgeschicken führen.

Das Erlanger Exponat ist ein typisches Richtschwert aus dem 17. Jahrhundert. 1,05 m lang, hat es keine Spitze wie ein Kriegsschwert und ist beidhändig zu führen. Wie damals üblich, ist es mit einer Abbildung und Sinnsprüchen verziert: Justitia mit Augenbinde mahnt, dass mit diesem Schwert ohne Ansehung der Person gerichtet wird. Die Inschrift auf der Vorderseite kündet: „Dieses Schwert ist gewetzt und ist darzu gesetzt von gott und obrigkeit zu straffen böse Leuth. Darumb thut beyzeitten Bus und fallet Gott zu Fus Ehe ihr mit diesem Schwerdt dahin gerichtet wird“ und rechtfertigt so die Tätigkeit des Scharfrichters durch Obrigkeit und Gott.

Doch wahrscheinlich war dieses Schwert in Erlangen nie im Einsatz, denn in die Amtszeit der Gassenmeyers fielen keine Hinrichtungen in unserer Stadt. Dabei wurde auch hier immer wieder die Todesstrafe vollzogen: Nur einige wenige Beispiele seien genannt, für die vielen Tragödien, von denen sich nur knappe Zeugnisse erhalten haben: 1463 traf drei Falschmünzer eine der grausamsten Strafen: Sie wurden verbrannt. 1699 köpfte man Barbara Herzer – Ehebruch und Kindsmord waren ihr Vergehen. 1756 erregte ein Fall besonderes Aufsehen und wurde der sensationslüsternen Öffentlichkeit in zahlreichen Flugblättern geschildert: Im Gasthaus Römming in der Apfelstraße fiel ein früherer Mönch einem brutalen Raubmord zum Opfer. Der Täter, ein Soldat namens Freymann, wurde gerädert, d. h. mit einem Wagenrad zertrümmerte ihm der eigens angereiste Rothenburger Henker die Knochen im Leibe. 1834 floss zum letzten Male das Blut eines Rechtsbrechers in Erlangen: Der Raubmörder Johann Kaspar Göbel wurde mit dem Schwert gerichtet.

So manche Frage zur Strafjustiz in alter Zeit wird bei der Führung im Stadtmuseum geklärt: Wie kam man zum Beruf des Henkers, wo war die Erlanger Richtstätte etc.? Darüber hinaus wird der Ausstellungsbereich „Die Altstadt Erlangen“ vorgestellt, wo Wissenswertes aus der Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zum Stadtbrand von 1706 zu erfahren ist.

Hartmut Heisig

Unikat Strumpfwirkerstuhl (1716):
Zur Geschichte der Neustadt Erlangen (1686 – 1810)

Wirkmuster von Strumpfwirkermeister Johann Melchior Vache (1850/60)

1686 erlebte Erlangen einen entscheidenden Einschnitt: Reformierte Glaubensflüchtlinge aus Frankreich siedelten sich an der Regnitz an, für die neben der bereits bestehenden spätmittelalterlichen Siedlung eine neue Stadt gebaut wurde, nach dem Gründer „Christian Erlang“ genannt. Es war ein Akt gezielter Wirtschaftsförderung, der frische Steuergelder in die stets leeren Kassen des Markgrafen spülen sollte. Im Gepäck hatten die Neuankömmlinge eine Erfindung, die für über hundert Jahre den Ton im hiesigen Wirtschaftsleben angab: den Strumpfwirkerstuhl.

Der Strumpfwirkerstuhl galt den Zeitgenossen als Meisterstück menschlicher Erfindungskunst und wurde später in seiner Bedeutung gar mit der Dampfmaschine verglichen. Seine Einführung in Franken durch die Hugenotten stellte einen grundlegenden Durchbruch gegenüber dem Stricken, der Herstellung per Hand, dar. Er war in der Tat ein außerordentlich komplexes Gerät: bis zu 3 500 Einzelteile steckten in ihm.

In der Blütezeit des Gewerbes waren in Erlangen an die 3 000 Menschen mit der Herstellung von Strümpfen beschäftigt (bei ca. 9 000 Einwohnern). Das Klappern der über 500 Stühle markierte den Lebensrhythmus der Stadt, in der in jedem zweiten bis dritten Haus ein Strumpferbetrieb angesiedelt war. Zahlreiche Zuarbeiter, oft Frauen, waren in Heimarbeit beschäftigt: Sie kämmten die Wolle, sponnen das Garn, nähten Strumpfteile zusammen und verzierten sie mit dekorativen Mustern. Die Einkommensverhältnisse im Strumpfer-Gewerbe waren sehr unterschiedlich. Während sogenannte Fabrikanten ein stattliches Vermögen anhäuften, nagte mancher Zuarbeiter und Kleinmeister am Hungertuch. Atemwegserkrankungen durch den Wollstaub, als Strumpferkatarrh berüchtigt, waren stete Begleiter des Arbeitslebens.

Neben den „Strumpfern“ hatten sich in Erlangen noch andere Gewerbe angesiedelt: Handschuhmacher fertigten Accessoires der eleganten Damenmode, Gerber versorgten sie mit dem nötigen Rohmaterial. Gobelinwirker produzierten Wandteppiche für den höfischen Bereich. Auch die Hutfabrikation, bei der Bieber- und Hasenhaare verwendet wurden, und der Kattundruck, also der Druck auf Baumwollstoffen, waren vertreten.

Im Unterschied zum traditionellen Handwerk wurden damals auch neue Produktionsformen erprobt: In Manufakturen arbeitete man bereits arbeitsteilig, und im neuen Verlagssystem übernahm ein Unternehmer den Vertrieb von Waren, die von Kleinhandwerkern aus zur Verfügung gestellten Rohstoffen gefertigt wurden – eine Art von Scheinselbstständigkeit.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann der Niedergang der Strumpfproduktion in Erlangen. Eine politisch bedingte Absatzkrise, aber auch eine zu konservative Organisation des Gewerbes und mangelnder Anschluss an die technische Entwicklung verwandelten die Stadt in ein Armenhaus. Erst nach langen Jahren begann der Aufstieg zur Industriestadt.

Zahlreiche weitere Objekte erinnern im Stadtmuseum an die Arbeitswelt von vor 300 Jahren. Eine „Schusterkugel“ zeigt, wie geschickt das rare Licht für nächtliche Arbeit genutzt wurde. Zunftlade und Meistertafel zeugen vom Selbstbewusstsein alten Handwerks, und eine Schützenscheibe von 1776 demonstriert, dass die „Strumpfer“ sich in ihrer raren Freizeit auch zu amüsieren wussten.

Bei der Führung im Stadtmuseum ist noch manches mehr über Erlangen in dieser Zeit zu erfahren, so etwa warum die Hugenotten aus Frankreich flüchteten und wie die neue Stadt aussah, die eigens für sie errichtet wurde. Auch über andere prägende Ereignisse, wie die Universitätsgründung 1743 und Erlangens Rolle als Residenzstadt wird berichtet.

Hartmut Heisig

Bier, Flohkämme und Bleistiftspitzer:
Erlangen in der Zeit der Industrialisierung

Zahnscheidemaschine der Kammfabrik Bücking, um 1835/40

Wer ahnt, dass Erlanger Firmen in manchen Bereichen, wie der Elfenbeinkamm- oder der Bleistiftspitzer-Herstellung, einst weltweit bekannt waren? Ausgehend von Erzeugnissen und Maschinen der Kammfabrik Bücking wird die Arbeits- und Produktionswelt in der frühindustriellen Phase um die Mitte des 19. Jahrhunderts lebendig.

Die Familie Bücking produzierte seit 1746 Kämme in Erlangen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden vielfältige Waren aus unterschiedlichsten Materialien gefertigt. Ab 1825 zählten Elfenbeinkämme zum Hauptprodukt des Unternehmens Bücking, das in seiner Blütezeit jährlich bis zu 20 Tonnen Elfenbein verarbeitete und zeitweise als größter Hersteller in Europa fungierte. Spezielle Bartkämme waren besonders im Zweiten Deutschen Kaiserreich unter Wilhelm II. ein Verkaufsschlager. Floh- und Läusekämme hingegen, mit ihren sehr dichten Zahnreihen, dienten zum Auskämmen lästiger Plagegeister. 

Auf Wasserkraft gesetzt 

Mit zum Firmenerfolg trug die Innovationsfreudigkeit Johann Georg Bückings bei, der den Familienbetrieb im Doppelhaus Wasserturmstraße 14/Schiffstraße 2 in dritter Generation führte: 1845 nutzte er bei der Fabrikation als erster in Erlangen eine Dampfmaschine zum Antrieb der Zahnschneidemaschinen. Im zeitgleich entstandenen Zweigwerk seines Sohnes auf den Werkern setzte man auf die Wasserkraft bei der Industrieproduktion. Auch auf sozialem Gebiet erwies sich das Engagement des Unternehmens als zukunftweisend. Man richtete 1860 eine Betriebskrankenkasse und bald auch eine Unfallversicherung ein – beides damals keine Selbstverständlichkeit. 

Lange waren Erlanger Kämme mit dem Markenzeichen eines Elefanten in aller Welt beliebt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollzog sich jedoch der Niedergang. Der Raubbau am natürlichen Rohstoff Elfenbein zwang schließlich zum Umstieg auf den Kunststoff Celluloid. Letztendlich führte die Konkurrenz aus Billiglohnländern 1976 zur Einstellung der industriellen Fabrikation.

Mustergültig zeigt die Bückingsche Firma den Weg eines Unternehmens vom Handwerksbetrieb über die Fabrikproduktion bis zum postindustriellen Nischenprodukt: Sie existiert heute noch im alten Fabrikgebäude in der Wasserturmstraße, nunmehr als Einmannbetrieb mit künstlerischer Ausrichtung, wie etwa der Restaurierung alter Klaviertastaturen.

Über die einstige Weltgeltung des Erlanger Bieres ist schon viel geschrieben worden. Dass Erlangen aber einst auch „Weltzentrum“ der Bleistiftspitzer-Industrie war, ist weniger bekannt. Theodor Paul Möbius begann 1908 mit der Serienfabrikation des unentbehrlichen Büroartikels und beschäftigte zeitweise bis zu 150 Mitarbeiter. Die heute noch existente Firma Möbius &Ruppert KG an der Wöhrmühle geht aber nicht auf ihn, sondern auf seinen Bruder zurück. Ein in der ständigen Ausstellung ausgestellter Musterkoffer des Konkurrenzunternehmens KUM (heute Essenbacher Str. 2) von 1932 spiegelt zeittypische Trends wider: Anspitzer in Form von Bubikopf, Saxophon, Charlie Chaplin, Ozeandampfer, aber auch Granate und Haubitze beschwören den Zeitgeist der beginnenden dreißiger Jahre.

Neben der Industriegeschichte wird bei der Führung auch die Entwicklung zur modernen Stadt näher beleuchtet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann Erlangen immer schneller zu wachsen und entwickelte sich vor allem weiter nach Osten. Eine moderne Infrastruktur entstand. Viele Dinge, die uns heute selbstverständlich erscheinen, wie Straßenbeleuchtung, Kanalisation und Stromversorgung, haben ihren Ursprung in jenen Jahren. Ein Unternehmensbereich, der noch heute gerne in einem Atemzug mit Erlangen genannt wird, nahm 1886 mit der Gründung der Firma Reiniger, Gebbert & Schall, der Keimzelle der heutigen Siemensniederlassung, seinen Anfang: die Medizintechnik.

Hartmut Heisig

Kaiser-Wilhelm-Denkmal und Himbeerpalast:
Erlangen seit dem Kaiserreich

Modell des Kaiser-Wilhelm-Denkmals (Ausschnitt)

Das Augenmerk liegt diesmal auf dem Wandel der Stadtgesellschaft vom Ende des 19. bis ins 20. Jahrhundert – dabei beleuchtet im Kontext der deutschen Geschichte: vom Kaiserreich zur „ungeliebten Demokratie“ über die Nazi-Diktatur bis zum demokratischen Neubeginn in der alten Bundesrepublik, mit den Zäsuren der zwei Weltkriege und der zwei Währungsreformen.

Preiswertes Denkmal

Von den Zeitgenossen als Gründer des 2. Deutschen Kaiserreiches hochgeachtet, wurden Wilhelm I., dem deutschen Kaiser und König von Preußen, nach seinem Tod 1888 bis in die Zeit des 1. Weltkrieges Hunderte von Denkmälern errichtet. Die Verehrung nationaler Helden stiftete vermeintlich Sinn in einer Zeit großer sozialer Gegensätze und Umwälzungen sowie ständig neuer technischer Entwicklungen, die die Arbeitswelt im Gefolge einer weltweit um sich greifenden „Industriellen Revolution“ veränderten. Tatsächlich war die vielgerühmte nationale Einigung nach drei Kriegen ein Werk der Fürsten und nicht des Reichstages. Mit der Kaiserproklamation 1871 stieg Preußen definitiv zum Machtzentrum des Reiches auf.

Fast ein halbes Jahrhundert lang besaß Erlangen denn auch ein „Kaiser-Wilhelm-Denkmal“ (das zweite in Bayern nach Wirsberg im Frankenwald) auf einem gleichnamigen Platz. Neun Jahre vergingen von der Idee bis zur Ausführung. Eine Bürgerinitiative königs- und reichstreuer Erlanger, Professoren der hiesigen Universität, städtische Beamte und Offiziere, kümmerte sich um die Finanzierung des Projektes. Aus den Reihen der zunehmend organisierten, klassenbewussten Industriearbeiterschaft kam aus gutem Grund weder Geld noch Beifall. 

Anbindung ans Neubaugebiet

Die Bürgerschaft entschied sich dann für die im 19. Jahrhundert vielfach variierte Denkmalsform eines Obelisken, den man preiswert auf der Nürnberger Gewerbeausstellung erstand. Lokalisiert wurde der elf Meter hohe marmorne Obelisk auf dem „Rondell“, dem heutigen Lorlebergplatz. Der neue, kreisrunde Stadtplatz verband das durch den zügigen Bau von Kasernen, Universitätsinstituten und -kliniken sowie zweier Großbetriebe (RGS, Kränzlein) damals entstandene Neubaugebiet des Stadtostens mit dem Rest der Stadt. Bei der Einweihung des Denkmals am 100. Geburtstag des Kaisers 1897 erhielt er den Namen „Kaiser-Wilhelm-Platz“.

Mitten im Krieg, 1942, wurden die vier Bronzemedaillons für die „Väter“ der Reichsgründung trotz vorhersehbar geringen Metallgewinns vom Obelisken abmontiert, weshalb er seinen Sinn als nationales Denkmal verlor. Vier Jahre später brach man ihn – zu Recht – vollends ab und gab dem Platz seine heutige Bezeichnung.

In der Museumssammlung hat sich das Modell des alten Obelisken erhalten. Und mit ihm beginnt (bezeichnenderweise) der Bestandskatalog, der um 1932 erstmals systematisch angelegt wurde. Zum hölzernen Objekt gehören auch vier Medaillon-Miniaturen: die größte mit dem Brustbild des Kaisers von der Westseite des Obelisken. Die kleineren Medaillons am Sockel zeigen das für die Südseite entworfene Konterfei des bayrischen Königs Ludwig II. (wichtig für die bayerischen Patrioten, die aufgrund der von Bismarck klug implementierten Schutz- und Trutzbündnisse Preußens mit den süddeutschen Staaten sogleich in den preußisch-deutschen Krieg gegen Frankreich zogen), das Doppelporträt von Bismarck (dem „Schmied der Einheit“) und Moltke (dem siegreichen Feldherrn) der Ostseite und das Bild von Friedrich III., dem unglücklichen sog. „Hundert-Tage-Kaiser“ und direkten Nachfolger von Wilhelm I., der Nordseite.

Unabhängig vom Inhalt hatte die hochragende Form die Mitte der großstädtischen Backstein-Architektur im variablen Stil des Historismus rund um den Platz akzentuiert. Und sie war Wegweiser für den schnurgeraden Straßenzug vom Bahnhof aus entlang der Universitätsstraße nach Osten.

Alle Ansätze, nach 1945/49 die Platzmitte neu zu betonen, sind bislang im Sande verlaufen. Weder wurde die von einem Erlanger Architekten vorgeschlagene Säule umgesetzt (1946), noch der von Helmut Lederer für eine gleichzeitig ornamentale Platzpflasterung skizzierte „Obelisk“ für Lorleberg (1. Platz eines Kunstwettbewerbes 1962). Zuletzt an einer knappen Stadtratsmehrheit gescheitert ist auch das Kunstwerk eines farbigen „Email-Obelisken“ als „Denk-mal“ von Herbert Martius (1999). Schreckt man vor einer aus ästhetischen Gründen notwendigen Wiederholung einer „hohen“ Lösung zurück, weil man die Kopie der überholten Symbolik fürchtet? Es spricht einiges dafür. Stattdessen bleibt es bei Weihnachtsbäumen, Pin-Nadeln, Fronleichnams-Prozessionen und temporären Kunstaktionen an dem städtebaulich markanten Platz.

Gertraud Lehmann

07.02.2017
» zurück zur Übersicht

Kontakt