Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Bewältigung des Klimanotstands

Erlangen soll vor 2030 klimaneutral werden

Fahrplan „Klima-Aufbruch“ am Donnerstag, den 26. November 2020, im Stadtrat beschlossen

Erlangen soll vor 2030 klimaneutral werden. Ein ambitioniertes Ziel mit vielen Chancen für die Erlangerinnen und Erlanger. (Quelle: Stadt Erlangen/Moritz)

In der Stadtratssitzung am Donnerstag haben Erlangens politische Vertreterinnen und Vertreter den „Klima-Fahrplan“ beschlossen und damit einen wichtigen Schritt zur Einhaltung des 1,5°C-Ziels gemacht. Mit weitreichenden Beschlüssen soll noch vor dem Jahr 2030 in Erlangen die Klimaneutralität erreicht werden. Demnach darf zukünftig nicht mehr Kohlendioxid (CO₂) ausgestoßen werden als über Kohlenstoffspeicher wieder gebunden wird.

Hintergrund der Entscheidung ist, dass Erlangen als Großstadt besonders von den Folgen des Klimawandels betroffen ist. Die Anzahl der Hitzetage und der Nächte mit Temperaturen über 20°C mehren sich und wirken sich negativ auf das Wohlbefinden der Bevölkerung aus. Extremwetterereignisse, die auf dem engem städtischen Raum gravierende Auswirkungen auf Infrastruktur und Gebäude haben können, nehmen zu. Das Starkregenereignis im Juni dieses Jahres, das zur zeitweisen Schließung des Rathauses und Teilen des Bahnhofs führte, verdeutlichte wieder die Dringlichkeit für ein entschlossenes Handeln.

Bereits vor 2030 muss es der Hugenottenstadt gelingen, ihre CO₂-Emissionen auf ein Minimum zu senken. Denn zur Einhaltung des politisch beschlossenen 1,5°C-Klimaziels verbleibt Erlangen ein CO₂-Restbudget von 3,4 Megatonnen CO₂. Wird mehr ausgestoßen, verfehlt die Kommune ihr gesetztes Klimaziel. Doch wie soll das gelingen? Immerhin geht die Stadtverwaltung davon aus, dass von der Gesamtstadt jährlich etwa 0,85 Megatonnen CO₂ emittiert werden, womit das Restbudget noch vor 2025 aufgebraucht wäre.

Es stehen große Veränderungen an: Dazu zählt die Umstellung der Wärme- und Stromversorgung von fossilen auf erneuerbaren Energien. Ebenso wird sich die Mobilität grundlegend verändern. Autos mit Verbrennungsmotoren werden Platz machen für Fußgängerzonen, Fahrradwege und klimafreundliche Mobilitätsangebote. Die Lärm- und Schadstoffbelastungen werden dadurch abnehmen. Straßenzüge und Plätze werden grüner gestaltet und zu Orten der Begegnung ausgebaut. Der Wandel hin zu mehr Klimaschutz im Stadtgebiet soll einhergehen mit einer noch höheren Lebensqualität für die Erlanger Gesellschaft. Oberbürgermeister Florian Janik betont:

„Die anstehenden Klima-Maßnahmen werden dazu führen, dass wir manche unserer geliebten Routinen aufbrechen müssen, sonst werden wir die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen zerstören. Zugleich sehen wir die anstehenden Veränderungen als Chance, um unser Erlangen noch stärker auf die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger auszurichten. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass die getroffenen Maßnahmen solidarisch und sozialverträglich gestaltet sein werden.“

Erste Maßnahmen seit Klimanotstand laufen

Seit der Ausrufung des Klimanotstands im Mai 2019 sind bereits eine Vielzahl von Maßnahmen angeschoben worden. Exemplarisch ist das „1.000 Fahrradbügel-Programm“ zu nennen, bei dem die Bürgerinnen und Bürger ihre Wunschstandorte für Fahrradbügel äußern konnten. Seit längerem gibt es spezielle Förderprogramme, die Private und Unternehmen gleichermaßen finanziell dabei unterstützen, ihre Gebäude und Areale sowohl grüner als auch energieeffizienter zu machen. Große Finanzmittel in den nächsten Haushaltsjahren sind notwendig, denn bisher werden noch zu oft Klima-Maßnahmen nicht angegangen, da sie sich finanziell nicht rechnen würden. Ein Trugschluss: Die langfristigen Kosten und gesundheitlichen Folgen klimaschädlicher Technologien werden de facto schon jetzt von jedem und jeder Einzelnen getragen. Mit der Einführung der CO₂-Steuer in 2021 könnte sich dies in der Zukunft allerdings ändern.

Derweilen schreitet der Klimawandel unvermindert voran. Daher sollen in Erlangen im Rahmen eines Fahrplans „Klima-Aufbruch“ hochwirksame Klimaschutz-Maßnahmen identifiziert und zügig realisiert werden. Ziel ist es, nicht mehr CO₂ auszustoßen, als der Stadt für die Einhaltung des 1,5° C-Klimaziels zusteht. Mit dem Beschluss zur Klimaneutralität vor 2030 haben die Stadträtinnen und Stadträte zugleich 52 sogenannte Sofortmaßnahmen für den Klimaschutz beschlossen. Es soll keine wertvolle Zeit ungenutzt bleiben.

Unter dem Leitbild „Als Vorbild vorne weg“ richtet die Stadtverwaltung ihren Blick auf das eigene Handeln: Der Ausbau von Solaranlagen auf eigenen Dächern soll forciert werden und nicht an kurzfristigen wirtschaftlichen Bedenken scheitern. Städtische Veranstaltungen sollen klimafreundlicher ausgerichtet werden sowie vegane und vegetarische Speisen verstärkt Einzug in die Stadtverwaltung halten. Städtische Beteiligungsunternehmen, wie Stadtwerke und Wohnungsbaugesellschaft GEWOBAU, sind aktiv zur Einhaltung der städtischen Klimaziele aufgefordert und werden zukünftig auch danach bewertet. Dies sind wichtige Schritte zur Neuausrichtung des städtischen Handelns.

Starke Bürgerbeteiligung

Als Vorbote für den „Klima-Aufbruch“ könnte der zweite Teil der Sofortmaßnahmen, der ganz Erlangen betreffen wird, gewertet werden. Der Stadt ist es wichtig, ihre Bürgerinnen und Bürger zu informieren, zu motivieren und zu beteiligen. Über neu geschaffene Bildungsangebote sollen im nächsten Jahr die junge und die ältere Stadtgesellschaft für Klimaschutzthemen sensibilisiert und im besten Fall begeistert werden. Die Bürgerinnen und Bürger werden eingeladen, sich über den Nachhaltigkeitsbeirat aktiv am Wandel zu beteiligen. Die Erlanger Stadtwerke (ESTW) stechen im Maßnahmenkatalog besonders hervor. Sie stellen wichtige Weichen für eine klimafreundliche Strom- und Wärmeversorgung. In den kommenden Jahren soll ein strategischer Wärmeplan erstellt, Freiflächen-Photovoltaikanlagen gebaut sowie das Nieder- und Mittelspannungsnetz erweitert werden. Ebenso kümmern sich die ESTW zusammen mit dem Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung um den Ausbau von Mobilitätsstationen mit E-Ladesäulen sowie um die sukzessive Elektrifizierung der eigenen Busflotte. Ab dem 1. Januar 2021 beziehen alle ESTW-Kunden ihre Fernwärme klimaneutral.

Die städtische Hand positioniert sich mit den über 50 Sofortmaßnahmen für den anstehenden Wandel. Eins stellt der Stadtrat jedoch auch klar: Das 1,5°C-Klimaziel ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es hilft nichts auf andere zu zeigen. Jede und jeder muss nun tatkräftig anpacken, damit der Wandel gelingt.

Der Beschluss und die 52 Sofortmaßnahmen finden Sie im Downloadbereich und können im Detail nachgelesen werden.

Der Erlanger Oberbürgermeister Dr. Florian Janik hat sich zu dem Beschluss in einer Videobotschaft geäußert

26.02.2021
» zurück zur Übersicht