Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Immissionsschutz im Baurecht

Mitwirkung im Baugenehmigungsverfahren nach Bayer. Bauordnung

Die untere Immissionsschutzbehörde wirkt als Träger öffentlicher Belange im Baugenehmigungsverfahren mit. Sie prüft bei umweltrelevanten Bauvorhaben,

  • ob  Belange des Immissionsschutzrechtes betroffen sind in Bezug auf den Schutz der Nachbarschaft und der Allgemeinheit
  • ob die Festsetzungen zum Immissionsschutz im Bebauungsplan eingehalten sind
  • sie äußert sich dazu, ob gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse sichergestellt werden können

Schwerpunkte des Immissionsschutzes im Baugenehmigungsverfahren sind der Verkehrslärmschutz und der Anlagenbezogene Lärmschutz (z.B. Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe, Sport- und Freizeitanlagen).
Die Prüfung betrifft einerseits Bauvorhaben und Anlagen, die schädliche Umwelteinwirkungen verursachen können (z.B. Anlagen im gewerblichen und Dienstleistungsbereich, Sportanlagen, Freizeiteinrichtungen u.a.). 
Andererseits werden Bauanträge zu Wohngebäuden, die von Lärm, Gerüchen und Schadstoffimmissionen betroffen werden können, daraufhin überprüft, ob gesunde Wohnverhältnisse gewährleistet sind. 
Wenn bei einem Bauvorhaben nur unter bestimmten Voraussetzungen schädliche Umwelteinwirkungen bzw. ungesunde Wohnverhältnisse verhindert werden können, werden diese durch Auflagen und Bedingungen sichergestellt.

Vermeidung von schädlichen Umwelteinwirkungen durch Anlagen bzw. Betriebe

„Nicht immissionsschutzrechtlich genehmigungsbedürftige Anlagen“ sind nach § 22 Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) so zu errichten und zu betreiben, dass

  1. schädliche Umwelteinwirkungen verhindert werden, die nach dem Stand der Technik vermeidbar sind,
  2. nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden,
  3. die beim Betrieb der Anlagen entstehenden Abfälle ordnungsgemäß beseitigt werden können.

Ausführliche Informationen in der Baubeschreibung zu den Gesichtspunkten des Immissionsschutzes können die Bearbeitung durch die untere Immissionsschutzbehörde erheblich beschleunigen. Siehe auch unter Immissionsschutz/Anforderungen an Anlagen.
In einzelnen Fällen sind Fachgutachten für die Prüfung aus immissionsschutzrechtlicher Sicht erforderlich, insbesondere zum Lärmschutz. Es empfiehlt sich in diesen Fällen, den Auftragsumfang für das Gutachten vorher mit der unteren Immissionsschutzbehörde abzustimmen.

Schutz gegen Verkehrslärm/ Sicherung gesunder Wohnverhältnisse

Bei der Errichtung von Wohngebäuden an bestehenden lärmintensiven Verkehrswegen hat die Sicherung gesunder Wohnverhältnisse eine große Bedeutung. Aber auch bei einer an einen lärmintensiven Gewerbetrieb heranrückenden Wohnbebauung sind gesunde Wohnverhältnisse zu gewährleisten.

Der Begriff "gesunde Wohnverhältnisse" stammt aus dem Baurecht und findet im Immissionsschutzrecht und den darauf basierenden Vorschriften keine deckungsgleiche Definition. Die Immissionsrichtwerte nach den Regelwerken des Immissionsschutzes sind im Baurecht der Abwägung zugänglich. In Bezug auf den Lärmschutz sind nach Urteilen des Bundesverwaltungsgerichtes gesunde Wohnverhältnisse in der Regel noch gewährleistet, wenn die Lärmimmissionsrichtwerte für ein Mischgebiet nach den einschlägigen immissionsschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten sind. Dies ist der Umkehrschluss, da in Mischgebieten das Wohnen ausdrücklich zulässig ist.

Im Stadtgebiet kommt es häufig vor, dass ein Bauvorhaben mit schutzbedürftigen Räumen (Wohngebäude, Krankenhaus, Schule, Pflegeheim usw.) an durch Verkehrslärm erheblich vorbelasteten Standorten errichtet werden soll. In diesen Fällen sind Schallschutzmaßnahmen an den geplanten Gebäuden selbst durchzuführen z.B. durch

  • passive Schallschutzmaßnahmen (z.B. Schallschutzfenster und Lärmgrundrisse, wobei die Fenster der schutzbedürftigen Räume auf der ruhigen, dem Lärm abgewandten Seite liegen sollen)
  • Maßnahmen der architektonischen Selbsthilfe (besondere Anordnung und Gestaltung der Gebäude zur Abschirmung von ruhigen Bereichen; schutzbedürftiger Räume werden innerhalb der Gebäude so angeordnet, dass der Lärmimmissionsrichtwert vor den Fenstern erreicht wird und eine natürliche Be- und Entlüftung möglich ist.)


Für ein Bauvorhaben auf einem Grundstück, das durch Lärm erheblich vorbelastet ist, wird in der Regel ein schalltechnisches Gutachten verlangt. Das schalltechnische Gutachten ist möglichst von einem staatlich anerkannten Sachverständigen für Schallschutz nach § 26 Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) zu erstellen.

Ob bzw. in welcher Höhe ein Grundstück vorbelastet ist, kann der Lärmkarte der Stadt Erlangen entnommen werden – siehe Immissionsschutz/Lärmminderungsplanung.

Zur Ermittlung der passiven Schallschutzmaßnahmen ist die DIN 4109 – Schallschutz im Hochbau anzuwenden.

In den schutzbedürftigen Räumen sind die Lärmimmissionsrichtwerte „innen“ einzuhalten, siehe dazu DIN 4109,  Ziff. 6.2 TA Lärm,  § 2 Abs. 3 der 18. BImSchV,  Tabelle 6 VDI 2719.

Bei Wohnräumen mit passivem Schallschutz ist auf eine ausreichende Be- und Entlüftung zu achten (siehe DIN 1946-6).

Schutzbedürftige Räume in Bezug auf den Lärmschutz

Schutzbedürftige Räume sind gemäß Ziff. 4.1 DIN 4109 Wohnräume einschließlich Wohndielen, Schlafräume einschließlich Übernachtungsräume in Beherbergungstätten und Bettenräumen in Krankenhäusern und Sanatorien, Unterrichtsräume in Schulen, Hochschulen und ähnlichen Einrichtungen, Büroräume (ausgenommen Großraumbüros), Praxisräume, Sitzungsräume und ähnliche Arbeitsräume - (siehe auch Ziff. A.1.3. TA Lärm).

21.07.2020
» zurück zur Übersicht