Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Aktuelles

Diversity-Newsletter Erlangen

Die zweite Ausgabe des Diversity-Newsletters ist erschienen. Mit dem Newsletter möchte das Büro für Chancengleichheit und Vielfalt einen Einblick in die Zusammenhänge von Geschlechtergerechtigkeit, Integration, Antidiskriminierung, LGBTIQA* und Inklusion bieten. Darüber hinaus sollen Querverbindungen zur gesamten Vielfaltspolitik der Stadt Erlangen hergestellt werden.

Der Leitartikel dieser Ausgabe behandelt das Thema Sprache. Unten auf der Seite finden Sie den Text in einfacher Sprache.

Wenn Sie sich für den Newsletter anmelden möchten, klicken Sie auf diesen Link.

 

Leitartikel

Sprache für alle – keine leichte Sache!?

Sprache ist etwas sehr Spannendes! Wir benutzen sie jeden Tag, überall, zu allen Anlässen und in verschiedenen Formen – mal geschrieben, mal gesprochen, mal gebärdet. Ganze Wissenschaftsdisziplinen erforschen Sprache und ganze Wirtschaftszweige kümmern sich um erfolgreiche Kommunikation. 

In erster Linie soll Sprache Informationen vermitteln. Sprache erfüllt also dann ihren Zweck, wenn die Person, die angesprochen werden soll, auch das versteht, was ihr mitgeteilt werden möchte. Eigentlich also ganz einfach – oder doch nicht?

Alleine für sich zu klären, was mitgeteilt werden soll, ist nicht immer leicht. Mit Blick auf eine vielfältige Gesellschaft rückt auch immer mehr in den Vordergrund, wie es sagt werden könnte. Die Debatten dazu zeigen, wie kompliziert Sprache manchmal werden kann und wie emotional die Diskussion über sie häufig geführt wird.

Vor allem drei große Themen spielen momentan eine zentrale Rolle: das Thema Sprachniveau, das Thema geschlechtergerechte Sprache und die digitale Barrierefreiheit, welche übrigens mittlerweile rechtlich verbindlich eingehalten werden muss. Um es vorweg zu nehmen: Die eine richtige Lösung gibt es nicht. Sprache lebt und sie verändert sich ständig, während sie benutzt wird.

Um richtig verstanden zu werden, sollte überlegt werden, wie kompliziert etwas tatsächlich formuliert sein muss. Komplexe Sprache, gespickt mit Fachbegriffen und langen Schachtelsätzen, kann zwar helfen, ein entsprechendes Fachpublikum anzusprechen; das heißt aber noch lange nicht, dass „die breite Öffentlichkeit“ den Inhalt verstehen kann. Es muss nicht immer gleich die „leichte Sprache“ mit ihren standardisierten Regelungen verwendet werden. Oft reicht auch eine einfachere Sprache. Faustregel der Aktion Mensch: Maximal eine Zeile pro Satz, maximal ein Komma im Satz und möglichst wenig Fachbegriffe oder Wortketten. Dieser Text hier ist also alles andere als einfach bzw. leichtverständlich formuliert. Zum Vergleich finden Sie weiter unten eine Version in einfacher Sprache.

Die genannten Regeln für eine einfachere Sprache können im Widerspruch zum nächsten Thema, dem Gendern bzw. der geschlechtergerechten Sprache, stehen. Beim Gendern geht es vor allem darum, alle, die gemeint sind, auch anzusprechen. Es mögen zwar bei dem Satz „Das Rathaus ist für die Bürger geöffnet.“ auch Frauen mitgemeint sein, aber vielleicht fühlen sie sich eben nicht automatisch auch angesprochen. Davon abgesehen täuscht diese Form der allgemeinen männlichen Anrede bei genauerer Betrachtung häufig auch über systematische Benachteiligungen hinweg. Sind zum Beispiel denn auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich nur Handwerker oder Erzieherinnen gesucht? Noch schwieriger wird es, wenn Menschen angesprochen werden sollen, die sich nicht dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuordnen und die sich auch nicht einordnen lassen wollen. Dies führte dazu, dass sich mit der Zeit Sonderzeichen etabliert haben. Diese stehen mitten im Wort und sollen verdeutlichen, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht, angesprochen sind. So wird aus dem Satz oben: „Das Rathaus ist für alle Bürger*innen geöffnet.“ Geschlechtergerechte Sprache kann also zu längeren Sätzen und/oder der Verwendung von Sonderzeichen führen. Aber steht das denn nun nicht im Widerspruch zur einfacheren Sprache? Wie bereits angekündigt, ist die Antwort ein klares Jain.  

Um dieser Diskussion noch einen weiteren Aspekt hinzuzufügen, ergibt sich bei den momentan verwendeten Sonderzeichen „*“, „_“ oder „:“ eine Herausforderung bei der digitalen Barrierefreiheit für Blinde oder Menschen mit Sehbehinderung. Je nachdem wie die technischen Hilfsmittel (Screenreader) vom User eingestellt sind, verzögern die Sonderzeichen den Lesefluss. Ganz ähnlich also wie bei Sehenden. Es entsteht eine kleine Irritation der Lese- oder Hörgewohnheiten. So wird gezeigt, dass mehr als nur ein oder zwei Geschlechter angesprochen werden. Der deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband hat sich nun im März 2021 für die Verwendung des „*“ ausgesprochen. Generell unterstützt der Verband damit das Selbstbestimmungsrecht von Menschen mit diversem Geschlecht und möchte dem Wunsch nach mehr Sichtbarkeit und direkter Ansprache der Community gerecht werden. Bei der Wahl des „*“ orientiert er sich dabei an der Aussage des Deutschen Rechtschreibrats. Das „*“ sei laut Veröffentlichungen des Deutschen Rechtschreibrates die am häufigsten verwendete Kurzform. Zusätzlich könne davon ausgegangen werden, dass „*“ im Vergleich zu den anderen Sonderzeichen besser zu erkennen sei.

Alle drei Aspekte sollen es also eigentlich einfacher machen, „alle“ anzusprechen und können gleichzeitig im Widerspruch zueinanderstehen. Manchmal ist das gewöhnungsbedürftig. Und manchmal bleibt es einfach kompliziert. Wie kann denn nun eine Zielgruppe zielführend angesprochen werden? Wie kann ich es verhindern, dass sich Menschen vielleicht tatsächlich nicht angesprochen fühlen? Und wie mache ich es, dass mich alle verstehen?

Immer mehr Organisationen und Institutionen beginnen aber, sich mit den Feinheiten einer Sprache an „alle“ auseinanderzusetzen. Auch die Erlanger Stadtverwaltung bemüht sich, diesen Anforderungen gerecht zu werden und sie anzuwenden.

Wenn Sie selbst mehr über „Sprache für alle“ erfahren oder sich beraten lassen möchten, stehen wir als Büro für Chancengleichheit und Vielfalt gern zur Verfügung. 

(Text überarbeitet am 14.7.2021)

 

Kurz und einfach: Wie spreche ich, damit mich alle richtig verstehen? Drei Dinge kann man beachten:

  • Eine einfache Sprache sprechen: ein Satz in eine Zeile, ein Komma im Satz, wenig oder keine Fachbegriffe oder Wortketten,
  • Gendern (Englisches Wort, sprich dschendern): Man möchte alle Menschen ansprechen – egal welches Geschlecht sie haben. Das kann man machen, wenn man immer Frauen und Männer anspricht. Zum Beispiel „liebe Freundinnen und Freunde“. Oder man benutzt ein Sonderzeichen. Zum Beispiel das „*“. Dann sind auch Menschen angesprochen, die nicht nur weiblich oder männlich sind. Also zum Beispiel „Liebe Freund*innen“
  • Blinde Menschen lassen sich Texte vorlesen. Dazu nutzen sie Programme. Diese Programme können so eingestellt werden, dass sie bei einem „*“ eine Pause machen. Dann wissen auch blinde Menschen, dass alle angesprochen sind.

 

Hier finden Sie weitere Informationen

Zum Thema Gendern: https://www.genderleicht.de/

Zum Thema einfache Sprache: Bundesfachstelle Barrierefreiheit: https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Praxishilfen/Information-und-Kommunikation/Leichte-Sprache/leichte-sprache_node.html

BIK für alle: https://bik-fuer-alle.de/was-bedeutet-leichte-sprache.html

Zum Thema digitale Barrierefreiheit:

Allgemeine Informationen bei der Aktion Mensch: https://www.aktion-mensch.de/inklusion/barrierefreiheit/barrierefreie-website

Bundesfachstelle Barrierefreiheit: https://www.bundesfachstelle-barrierefreiheit.de/DE/Themen/EU-Webseitenrichtlinie/eu-webseiten-richtlinie_node.html;jsessionid=578E70762A844A2FC8FDA9E5B22FD467

 

Leitartikel in einfacher Sprache:

Sprache für alle – keine leichte Sache!

Sprache ist sehr spannend! Wir benutzen sie jeden Tag, egal wo und egal wie.

Wissenschaft und Unternehmen untersuchen Sprache und wollen herausfinden, wie Sprache am besten funktioniert.  

Sprache soll andere informieren. Andere sollen verstehen, was man sagen möchte. Wenn das klappt, funktioniert Sprache gut. Eigentlich ganz einfach, oder doch nicht?

Bei Sprache ist aber wichtig, wem man etwas wie sagen möchte. Das ist manchmal schwierig und es wird viel darüber geredet und diskutiert. Manchmal wird darüber auch gestritten.

Drei Dinge sind bei Sprache wichtig: 1. Wie schwer ist die Sprache, 2. Geschlechtergerechte Sprache und 3. Ist die Sprache Barrierefrei. Eine Lösung, um alle drei Punkte richtig zu machen, gibt es nicht. Aber man kann es versuchen.

Alle sollen verstehen, was man sagen möchte. Deshalb soll die Sprache nicht so schwer und kompliziert sein. Man muss nicht immer die Leichte Sprache benutzen. Sie hat viele Regeln und das ist auch manchmal schwierig. Die Aktion Mensch empfiehlt:

eine Zeile für einen Satz, nur ein Komma im Satz und keine Fachbegriffe oder Wortketten. Dieser Text ist zum Beispiel so geschrieben.

Einfache Sprache ist schwierig, wenn man alle Menschen ansprechen will. Wenn man alle ansprechen will, nennt man das geschlechtergerechte Sprache. „Das Rathaus ist für alle Bürger geöffnet“ ist keine geschlechtergerechte Sprache, weil nur von Bürgern und nicht von Bürgerinnen gesprochen wird. Wenn die Anrede nicht geschlechtergerecht ist, dann ist das ungerecht. In den Nachrichten hört man oft, dass viele Handwerker oder Erzieherinnen gesucht werden. Eine Frau kann aber auch eine Handwerkerin sein. Ein Mann kann auch ein Erzieher sein. Sie werden durch die Anrede nicht angesprochen und das ist nicht gerecht. Geschlechtergerechte Sprache meint, dass alle angesprochen werden, egal welches Geschlecht sie haben. Es gibt nämlich nicht nur Männer und Frauen, sondern viele Geschlechter.  Man benutzt deswegen ein Sonderzeichen wie das Sternchen * im Wort. „Das Rathaus ist für alle Bürger*innen geöffnet“ ist eine geschlechtergerechte Sprache. So sind alle Menschen gemeint. Egal was für ein Geschlecht sie haben. Dadurch werden Sätze länger. Das ist kompliziert und nicht einfach.

Menschen, die nicht oder nicht gut sehen können, lesen mit einem Computer. Der Computer kann ihnen Texte laut vorlesen. Wenn man in einem Wort ein Sternchen hat, macht der Computer eine Pause. Das klingt komisch beim Zuhören. Aber der deutsche Blindenbund sagt, dass man geschlechtergerechte Sprache trotzdem benutzen kann. Der Blindenbund sagt, dass man das Sternchen * benutzen soll. Es gibt noch andere Zeichen wie „_“ und „:“ um alle anzusprechen. Das Sternchen ist aber gut, weil man es besser lesen kann.

Eigentlich sollten diese Regeln die Sprache einfacher machen. Aber „alle“ anzusprechen ist nicht einfach. Viele fragen sich: Wie sprechen wir „alle“ richtig an? Wie können wir dafür sorgen, dass sich keiner ausgeschlossen fühlt? Wie können uns „alle“ gut verstehen?

Viele Menschen machen sich über die Sprache für „alle“ Gedanken. Auch die Stadt Erlangen bemüht sich verständlich und gerecht zu sein.

Wenn Sie mehr über die Sprache für „alle“ wissen wollen, können wir helfen. Wir sind das Büro für Chancengleichheit und Vielfalt im Rathaus.

 

Eine Anmerkung zu diesem Text:

Wir wollen zeigen, dass jede*r einfacher schreiben kann. Diesen Text haben die Mitarbeiter*innen des Büros deswegen selbst in einfacher Sprache geschrieben. Es hat also kein*e Expert*in geholfen. Vielleicht sind manche Sachen im Text nicht ganz richtig für die einfache Sprache. Aber wir hoffen, dass man den Text trotzdem gut verstehen kann.

 

14.07.2021
» zurück zur Übersicht