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Archiv RathausReport

RathausReport vom 14. April 2020

 

Corona-Pandemie

Innenminister informierte sich im Katastrophenschutz-Stab

Seit 16. März gilt – erstmals überhaupt – in ganz Bayern aufgrund der Corona-Pandemie der Katastrophenfall („K-Fall“). Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Chef der obersten Katastrophenschutzbehörde im Freistaat, hat ihn formal festgestellt. Bei einem Besuch in der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) der Stadt hat sich der Innenminister am Ostermontag über die Arbeit des Gremiums und die Auswirkungen der getroffenen Regelungen vor Ort genauer informiert.

Als politisch-administrative oberste Führungsebene kommt die örtliche FüGK unter Leitung von Oberbürgermeister Florian Janik seit Mitte März täglich zusammen, um alle Maßnahmen und Vorkehrungen zur Eindämmung des Corona-Virus zu besprechen bzw. die Verfügungen der Staatsregierung umzusetzen. Der FüGK gehören ständig neben dem OB auch Sicherheits- und Rechtsreferent Thomas Ternes, der Leiter des Bürgeramts (Ordnungsbehörde), Martin Holzinger, der Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, Friedhelm Weidinger, der Leiter des Sachgebietes Zivil- und Katastrophenschutz, Klaus Menzner, der Leiter der Pressestelle, Christofer Zwanzig, sowie mehrere unterstützende Mitarbeiter der Stadtverwaltung an. Bei Bedarf kommen weitere Ansprechpartner, wie beispielsweise der Leiter des Gesundheitsamtes, Frank Neumann, oder der Leiter der Polizeiinspektion, Peter Kreisel, hinzu.

Außerdem hat die FüGK bisher sechs Koordinierungsgruppen (KG) gebildet. Die KG Materiallogistik kümmert sich um die Koordination der Lagerung von in der Stadt eintreffender zentraler Schutzausrüstung des Freistaats und Verteilung an Bedarfsträger (z. B. Krankenhäuser, Ärzte). Die KG Testzentrum betreibt für Stadt und Landkreis das Corona-Testzentrum am Westbad. Als Versorgungsarzt in der FüGK fungiert Markus Beier, niedergelassener Arzt in Erlangen und Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands. Er hat die Aufgabe, auch außerhalb der Kliniken eine ausreichende Versorgung mit ärztlichen Leistungen und entsprechender Schutzausrüstung zu planen und zu koordinieren und wird dabei von einer KG unterstützt.

Eine weitere KG kümmert sich um die Identifikation und Anmietung geeigneter Liegenschaften, um gewappnet zu sein, falls z. B. Personen aus Gemeinschaftsunterkünften in Quarantäne untergebracht werden müssen. Um die ergänzende Materialbeschaffung – im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten – kümmert sich eine weitere KG. Und das seit Samstag, 14. März, eingerichtete Bürgertelefon der Stadt (09131 866 866) bildet den sechsten Fachbereich. Es ist auch diese Woche bis Donnerstag wieder von 8:30 bis 16:00 Uhr; Freitag bis Sonntag von 10:00 bis 14:00 Uhr besetzt.

Die FüGK greift auf die in der Stadt Erlangen fest verankerte Struktur des Katastrophenschutzes zurück. Rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind neben ihrer eigentlichen Tätigkeit im Katastrophenschutz aktiv. Dort werden mehrmals im Jahr Abläufe und Vorgehen bei Stabsübungen trainiert. Das Bayerische Katastrophenschutzgesetz (BayKSG) regelt Vorgehen bzw. Befugnisse und gibt die klare und effektive Steuerung durch die Behörde vor.

 

Corona-Pandemie

Bürgerstiftung richtet Spendentopf „CoronaNothilfe“ ein

Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, besonders jene zu unterstützen, die von allen notwendigen Maßnahmen und Einschränkungen am meisten betroffen sind, ist beeindruckend. Neben vielfältigen nachbarschaftlichen Einkaufshilfen und Telefongesprächen oder dem Nähen von einfachem Mund-Nasen-Bedeckungen wollen viele auch für besonders betroffene Menschen in der Stadt spenden. Deshalb richtet die Bürgerstiftung Erlangen einen Spendentopf „CoronaNothilfe“ ein. Aus dem Topf sollen insbesondere Senioren, Familien und Kinder in schwierigen sozialen Lagen, ausländische Studierende in finanziellen Notsituationen und auch kleine, gemeinnützige Organisationen, die dringend Unterstützung benötigen, entlastet werden und überbrückend Hilfen erhalten.

Oberbürgermeister Florian Janik begrüßt die Einrichtung des Spendentopfs „CoronaNothilfe“: „Ich freue mich sehr, dass die Bürgerstiftung die Initiative übernommen hat, vor Ort die Hilfsbereitschaft zu bündeln. Nothilfe unbürokratisch und sehr schnell ermöglichen, wo es noch keine gesetzlich geregelten Zugänge zu Pflichtleistungen gibt, ist eine große Entlastung und Beruhigung für Betroffenen.“ Bürgermeisterin Elisabeth Preuß ergänzt, das über den Förderantrag auf der Internetseite der Bürgerstiftung (www.buergerstiftung-erlangen.de) die Anträge für eine Nothilfe gestellt werden können.

Spenden können auf die Konten der Bürgerstiftung (Sparkasse: IBAN DE18 7635 0000 0019 0048 84; VR-Bank EHH: IBAN DE92 7636 0033 0001 5606 03) überwiesen werden. Der Verwendungszweck „CoronaNothilfe“ muss angegeben werden. Spendenquittungen werden ausgestellt.

 

Vor 75 Jahren: Die kampflose Übergabe Erlangens am 16. April 1945

Ein dreiviertel Jahrhundert ist seit Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen. Knapp vier Wochen vor der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht (8. Mai 1945) ging das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte für die Erlanger zu Ende. Die Hugenottenstadt wurde den US-Truppen von Oberstleutnant Werner Lorleberg kampflos übergeben. Aus diesem Anlass blickt der Chef des Stadtarchivs und Lorleberg-Experte, Andreas Jakob, auf die Apriltage 1945 in Erlangen zurück:

„Am 15. April 1945 begannen die Amerikaner mit dem Beschuss der Stadt. Am Montag, den 16. April, einem warmen Frühjahrstag ähnlich wie heuer, erwartete ein Großteil der Erlanger Zivilbevölkerung das Ende in ihren Haus- oder Luftschutzkellern. Tausende hatten in den Felsenkellern des Burgbergs Zuflucht gefunden. Da seit Beginn des Jahres kaum ein Tag ohne Luftalarme vergangen war, herrschte hier eine gewisse Routine bzw. Fatalismus.

Die US-amerikanischen Streitkräfte setzten zwei Ultimaten. Bis um 11:00 Uhr sollte sich der Kampfkommandant, Oberstleutnant Werner Lorleberg, zur Kapitulation bereiterklären. Diese erfolgte dann um etwa 11:30 Uhr vor dem Haus Spardorfer Straße 19. Da sich aber eine deutsche „Kampfgruppe“ in der Thalermühle zunächst weigerte, die Waffen zu strecken, sollte Lorleberg sie bis spätestens 14:00 Uhr zur Aufgabe bewegen, andernfalls würde die Stadt zusammengeschossen.

Gefahr drohte aber auch von einer anderen Seite. In Tennenlohe stand eine kleine kampfstarke SS-Einheit, die später den Amerikanern noch heftigen Widerstand leistete. Ihr wäre es leichtgefallen, nach Erlangen vorzustoßen und die für die Kapitulation Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Kampfkommandant musste mit der Übergabe warten, bis die US-Truppen die Stadt erreicht hatten. Von diesen Ereignissen bekamen die Menschen in ihren Kellern wenig mit. Erst ab etwa 13:30 Uhr forderten Lautsprecherwagen und Blockwarte die Zivilbevölkerung auf Wunsch der Amerikaner auf, die Stadt zu verlassen und sich am Burgberg hinter ihre Linien zurückzuziehen. Ein Exodus begann. Tausende Erlanger verließen mit Sack und Pack ihre Wohnungen, aus den Kliniken wurden Kranke evakuiert. Auf dem Weg kamen ihnen schon amerikanische Soldaten entgegen, die die Stadt vor dem Ablauf des Ultimatums in ihren Besitz brachten. Ab 14:00 Uhr schossen die US-Truppen auf alles außerhalb der Stadt, was sich bewegte und eine Uniform trug. Die Erlanger kamen mit dem Schrecken davon, ihre Stadt blieb unzerstört. Die etwa 24-stündige Beschießung der Stadt forderte 23 Schwer- und ca. 200 Leichtverletzte, 34 Zivilisten und 14 Soldaten starben. Kampfkommandant Werner Lorleberg erschoss sich nahe der Thalermühle vermutlich selbst, nachdem er seine Soldaten zur Aufgabe gebracht hatte. Er war der einzige, der im Zusammenhang mit der Übergabe Erlangens sein Leben verlor. Oberbürgermeister Herbert Ohly, Ritterkreuzträger Hans Ritter von Schmidt und andere versuchten später mit großem Erfolg, sich selbst einen großen Teil seines Verdienstes daran zuzuschreiben.“

 

14.04.2020
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