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Bundestagswahl 2017 - Übersichtskarten

Jahresprogramm 2020

Grace Weaver. O.K.
16. November 2019 bis 9. Februar 2020

Grace Weaver, peak season, 2018, Foto: Brett Moen, Courtesy James Cohan Gallery

Grace Weaver (*1989 in Vermont, USA) zählt zu einer jungen Generation von Künstler*innen, die der figurativen Malerei in den letzten Jahren durch sensibles Gespür und stilistische Impulse zu einer wiedererstarkten Präsenz innerhalb der zeitgenössischen Kunst verholfen hat. Weavers großformatige Ölgemälde beleben nicht nur die Tradition des Genrebildes neu, sie lassen sich darüber hinaus als betont weibliche Positionierung in einem lange vom Typus des männlichen Künstlers dominierten Medium lesen.

Den sorgfältig komponierten Szenen auf Leinwand geht stets ein intensiver Arbeitsprozess aus Studien und Vorzeichnungen voraus. Die Gemälde selbst entführen in eine Welt, deren jugendliche Bewohner*innen Zeitgenossen der Künstlerin sind und für deren Beschreibung häufig auf soziale Labels zurückgegriffen wird: Millenials, Generation Y, digital natives. Die Figuren bevölkern urbane Räume, sie sitzen beim Frisör, liegen am Strand, joggen durch Parks. Sie beugen sich über Laptops und Handydisplays und trinken Cocktails und Coffee to go. Einkaufen, chatten, sich schminken und fotografieren sind wiederkehrende Aktivitäten der Männer und vor allem Frauen, die in Weavers Bildern auftauchen. Ihre Gliedmaßen wirken comicartig weich und elastisch, die Körperformen kurvig manieriert, die Gesichtszüge meist entspannt. Verbindendes Merkmal der Darstellungen sind ihre Flächigkeit, die die Dreidimensionalität des Raumes nur andeutet oder ganz auf sie verzichtet und die Farbpalette, die von Bonbon- bis Erdtönen reicht, Primärfarben aber meidet.

Grace Weaver ist eine aufmerksame Beobachterin gegenwärtiger Entwicklungen und Trends in vielen Bereichen der Gesellschaft. Ihre Malerei weist sowohl Bezüge zu Mode und Popkultur auf, referiert aber auch auf psychologische Momente ihrer Generation: soziales Unbehagen, Work-Life-Balance, Langeweile und Selbstoptimierung sind hier die Stichworte, zwischen denen ihre Charaktere hin- und herzupendeln scheinen. Inspiration stellen für Weaver Werke der Fauvisten und Nabis dar, aber auch die indische Kalighat-Malerei des 19. Jahrhunderts und häufig Werke des US-Amerikaners Alex Katz. Weavers Farbkompositionen und Linienführungen sind ganz auf die visuelle Hingabe ihrem Sujet gegenüber angelegt. Sie scheinen danach zu verlangen, von den Augen aufgesogen zu werden wie Softeis und behalten doch stets eine vage Note für sich zurück. Ganz so wie die Personen, die sich in diesen Bildern oft intensiv beäugen oder deren Blicke sich in den Bildschirmen vor ihnen verlieren, ohne dass man ihre Gedanken lesen könnte.

 

Gerrit Frohne-Brinkmann. You-Know-Who
16. November 2019 bis 9. Februar 2020

 

Gerrit Frohne-Brinkmann: Wax Figures, 2019, Ausstellungsansicht „Gerrit Frohne-Brinkmann. You-Know-Who“, Kunstpalais, Erlangen, Courtesy der Künstler, Galerie Noah Klink, Berlin und Jürgen Becker Galerie, Hamburg, Foto: Volker Renner

In seiner ersten großen Einzelausstellung entführt der Konzeptkünstler Gerrit Frohne-Brinkmann die Besucher*innen in eine widersprüchliche Welt voll eigensinniger Exponate. In eine komplexe Installation, die Fragen nach Wert und Wertigkeit, nach Authentizität und Aura, nach Beständigkeit und Kunstwürdigkeit, Wissensvermittlung und Unterhaltung und nicht zuletzt nach Täuschung und Enttäuschung aufwirft.

Benedict Cumberbatch, Johnny Depp, Nicole Kidman und Helen Mirren – sie alle hat Gerrit Frohne-Brinkmann (*1990 in Friesoythe) aus einem Wachsfigurenkabinett mitgebracht. Von seinen Fotografien der Figuren hat er Pappaufsteller produzieren lassen, sich die Abbilder also angeeignet, ins Zweidimensionale übertragen und in den Ausstellungsraum überführt. Sie sind nun die Reproduktion der Reproduktion von Personen, die hauptberuflich in andere Rollen schlüpfen.

Requisiten aus Harry-Potter-Filmen wiederum nahm sich Frohne-Brinkmann als Vorlage für seine teilweise kinetischen Skulpturen aus Pappe: in Zauberkesseln rühren Löffel beständig vor sich hin, während Gepäckwagen in der Wand verschwinden und Fragen nach einer anderen Dimension aufwerfen.

Wo wird Kultur zu Popkultur – und wo Pop zu historischem Gut? Gerrit Frohne-Brinkmann interessiert sich für genau diese Grenzbereiche. Gibt es ein Maximum an Unterhaltungswert, das der Besuch einer Kulturinstitution haben darf? Ist eine Blockbuster-Ausstellung Hochkultur, ein Filmpark hingegen seichtes Entertainment? Was hat ein Performance-Künstler mit einem Zauberer zu tun? Und wieso eigentlich hat die angestaubte Welt von Schaustellerei und Magie momentan Hochkonjunktur?

Frohne-Brinkmann schafft vielschichtig konzeptuelle Kunstwerke, die zugleich auch sehr viel Spaß machen. In seinem noch jungen Œuvre zeigt er eine beeindruckende Konsistenz, auf unterschiedlichste Weise untersucht er in den Medien Skulptur, Fotografie und Installation immer wieder dasselbe Thema: die Conditio humana. Seine Arbeiten stellen die Frage, wie wir uns als Menschen unsere Umwelt aneignen und wie wir sie gestalten. Die Realität zeigt sich dabei als etwas stets medial Vermitteltes. Auf dieser Metaebene eröffnen sich die Parallelen des menschlichen Zugangs zur eigenen Geschichte und den kulturell geschaffenen Produkten.

Für seine Ausstellung »You-Know-Who« jongliert der Künstler elegant mit dem Ready-Made-Gedanken, den gestalterischen Fragen eines Bildhauers und der Idee vom Mythos und lässt die Betrachter*innen schließlich vor dem verwaisten Catering-Buffet zurück. Verzaubert und aufgewühlt. Und das, obwohl er doch all seine Karten offengelegt hat.

Zur Ausstellung erscheint im Winter 2019/2020 der aufwändig gestaltete Katalog »The Human Career« mit Texten von Amely Deiss, Anna-Catharina Gebbers und Elias Wagner.

Die Ausstellung und der Katalog wurden unterstützt durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im Rahmen des Förderpreises "Kataloge für junge Künstler".

 

Survival of the Fittest.
Zum Verhältnis von Natur und Hightech in der zeitgenössischen Kunst
29. Februar bis 9. September 2020

Tega Brain, Julian Oliver, Bengt Sjölen: Asunder, 2019, Courtesy the artist

In den letzten zwei Jahrzehnten wurde im Diskurs um die Zukunft der Menschheit zunehmend die Gefahr ins Zentrum gerückt, die von Umweltzerstörung und den Folgen des Klimawandels für das Überleben unserer Spezies ausgeht. Die Rolle, die Technologie bei einem ökologischen Paradigmenwechsel spielen kann und sollte, wird kontrovers diskutiert. Ob Künstliche Intelligenz, Blockchain-Technologie, Big Data oder Bioengineering – können diese Innovationen ein Schlüssel zur Rettung unserer Umwelt sein oder ist diese Hoffnung naiv?

In einer Flut von widersprüchlichen Informationen über den Zustand der Welt und angesichts des rasanten technologischen Fortschritts wird es zunehmend schwieriger, den Status Quo zu evaluieren. In eine Endzeitstimmung ähnlich der Zeit vor hundert Jahren mischen sich Gefühle von Aufbruch und Untergang, Euphorie und Ohnmacht, Dekadenz und Weltschmerz. Die internationale Gruppenausstellung im Kunstpalais zeigt 13 künstlerische Positionen, die sich in unterschiedlichen Medien dem facettenreichen Verhältnis von Natur und Hightech nähern.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler: Christina Agapakis (US) & Alexandra Daisy Ginsberg (UK) & Sissel Tolaas (NO), Tega Brain (AU) & Julian Oliver (NZ) & Bengt Sjölen (SE), James Bridle (UK), Simon Denny (NZ), Anna Dumitriu (UK) & Alex May (UK), Futurefarmers (International), Páll Ragnar Pálsson (IS) & Andreas Greiner (DE), Paul Seidler (DE) & Paul Kolling (DE) & Max Hampshire (UK), Jonas Staal (NL), Pinar Yoldas (TR)

Gefördert von der Kulturstiftung des Bundes

 

Meet and Greet. Die Neuzugänge der Städtischen Sammlung Erlangen
Eine Pop-Up-Ausstellung in Kisten und Folie

Die Bildrechte liegen beim Veranstalter.

Noch halb verpackt, nur ganz kurz und so nah wie nie zuvor sind die neuesten Werke der Städtischen Sammlung Erlangen jetzt im Kunstpalais zu sehen. Schon seit den Siebzigerjahren sammelt die Stadt zeitgenössische Kunst. Der Schwerpunkt dabei liegt auf Grafiken, Multiples und Künstlerbüchern, es gibt aber auch Objekte und Videoarbeiten. Über 4500 Werke von mehreren hundert Künstlerinnen und Künstlern sind Teil der Städtischen Sammlung – und sie wächst jährlich weiter! Pop Art, Op-Art, Land Art oder Informel – alle bedeutenden Kunstrichtungen von der Nachkriegszeit bis heute sind in Erlangen vertreten. Für die neueste Kunst gibt es noch keine Stil-Schublade, in die man sie einordnen könnte… aber umso besser: machen Sie sich ganz unvoreingenommen selbst ein Bild!

Vom 18. bis zum 23. September 2020 öffnet das Kunstpalais zu ausgewählten Uhrzeiten seine Türen für Sie und lässt Sie, gemeinsam mit den Kurator*innen Amely Deiss und Malte Lin-Kröger, tief in die Schatztruhe der Sammlung schauen. Die Neuzugänge der letzten zehn Jahre reisen dafür vom Depot in die Ausstellungsräume, werden provisorisch gehängt und gestellt, zum Teil aus der Kiste schauend, zum Teil nur aus der Folie gewickelt. Diese Pop-Up-Ausstellung bietet einen tiefen Einblick in und eine exklusive Vorschau auf die Präsentation der Werke in großen (Sammlungs-)Ausstellungen im Kunstpalais. Begrüßen Sie mit uns die Neuankömmlinge und feiern Sie Wiedersehen mit manchem Bekannten!

Mit Werken von Julian Charrière, Julius von Bismarck, Birgit Brenner, Gerrit Frohne-Brinkmann, Eva Kotatkova, Alicja Kwade, Peter Land, Alona Rodeh, Mathilde Rosier, Juergen Teller, Lars Teichmann, Michael Ullrich, Lily Urbat, Christian Werner und vielen mehr.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit den Freunden des Kunstpalais e.V. Eintritt und Führungsgebühr in Höhe von 4 Euro übernimmt der Freundeskreis für Sie!

Der Besuch der Ausstellung ist mit einer Voranmeldung zu folgenden Terminen und Uhrzeiten möglich:

Fr, 18.09.2020 – 15:00 – 17:00 Uhr
Sa, 19.09.2020 – 11:00 – 13:00 Uhr
So, 20.09.2020 – 16:00 – 18:00 Uhr
Di, 22.09.2020 – 18:00 – 20:00 Uhr
Mi, 23.09.2020 – 18:00 – 20:00 Uhr

 

Vivian Greven. Apple
21. November 2020 bis 14. Februar 2021

Vivian Greven: Ode, 2019 © Vivian Greven, Courtesy die Künstlerin, Aurel Scheibler, Berlin, und Kadel Willborn, Düsseldorf, Foto: Ivo Faber

Vivian Greven (*1985 in Bonn) erkundet in ihren Bildern das erotische Potential der Malerei. Sie friert den Augenblick kurz vor der Berührung ein oder zeigt uns den Moment der Versenkung in einer eng umschlungenen Umarmung. Ihre Figuren sind zum Leben erweckte Renaissance-Skulptur, deren glatte Haut an Marmor und Porzellan erinnert. Zarte Farbverläufe und komplexe Licht- und Schattenspiele, ausgewogene Kompositionen und suggerierte Bildtiefen zeigen ihre fast altmeisterliche Technik. Die Farbpalette steht kunstgeschichtlich in der Tradition des Rokoko, doch sind es auch genau diese Pastellfarben, die Grevens Malerei so zeitgenössisch machen. Das Internet hat Pastelltönen zu einem Revival verholfen. Sie sind beliebtes Mittel in Webdesign, Social Media und Netzkunst. Auch die harten Kanten der Farbflächen erinnern an eine digitale Ästhetik, als hätte jemand den „Negativbild“-Filter über das Gemälde gelegt. Es ist diese eigentümliche Spannung zwischen Altem und Neuem, Tradition und Avantgarde, Malerei und Skulptur, die einen in den Bann von Grevens Malerei zieht.

Vor der Eröffnung im Kunstpalais werden die neuesten Arbeiten von Vivian Greven in der Gruppenausstellung Something between us in der Kunsthalle Nürnberg zu sehen sein. Als Stipendiatin der Marianne Defet-Stiftung wird sie ab März 2020 in Nürnberg leben und arbeiten.

Parallel dazu wird gezeigt:

Mike Bourscheid. Pisces and Capricorns
21. November 2020 bis 14. Februar 2021

Mike Bourscheid, This is how I imagine love, 2015-18, Installationsansicht Kunstverein Braunschweig, 2018, Courtesy the artist, Foto: Stefan Stark

Reifrock, Cowboystiefel, Epauletten, Lederschurz und Mieder – in den Skulpturen und Performances von Mike Bourscheid (*1984 in Esch-sur-Alzette, Luxemburg) tragen die Charaktere Exzentrisches. Schon diese einzelnen Elemente erzählen Geschichten, verweisen auf typische Träger*innen und ihren Platz in der (Kultur-)Geschichte. Aber macht das eine Figur automatisch zur Prinzessin, zum Cowboy, zum General? Und wieso fordert die Farbe Rosa eigentlich noch immer so viele zur Einordnung nach Geschlechtern auf?

Mike Bourscheid entwirft vielschichtige und symbolisch aufgeladene Kostüme und macht sie zum Mittelpunkt seiner Arbeiten. Diese geschneiderten, getöpferten, geschmiedeten oder geschnitzten Objekte lässt er seine Protagonist*innen mit großer Selbstverständlichkeit tragen – beim Tanzen, Essen oder auf dem Laufband laufend, auch wenn man sich manchmal kaum bewegen kann damit. 

Der Künstler spielt mit Ideen von zwischenmenschlichen Beziehungen, mit Rollen, (Geschlechts-)Identitäten und Archetypen der Repräsentation und bringt einen en passant mit der Geschichte von Kunst, Architektur, Tanz, Mode und Popkultur in Begegnung. Mit seinen humorvollen Werken stellt Bourscheid die verlässliche Deutung und Aussagekraft von Figur, Statur, Kleidung und Staffage so charmant wie dringlich in Frage.

14.09.2020
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