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Informationen über Bozen

Entstehung der Beziehung zu Bozen

Eigentlich gibt es Geschichten, die nur das Leben schreibt, und es ist manchmal wirklich sehr wundersam, was sich aus alltäglichen Begebenheiten so alles entwickeln kann.

Ich war im Februar 2007 in Sexten im Skiurlaub. Zur gleichen Zeit waren zwei ältere Herren, -  Zwillinge -, dort Gäste, die irgendwie sofort auffielen, weil sie sich anders benahmen als normale Skifahrer. Unsere Vermutung, es müsse sich um Priester handeln, wurde durch Nachfragen bestätigt; sie erklärten uns, sie seien Kapuziner.

Wie es halt im Urlaub so ist, hatten wir gute Laune und große Lust, die beiden Herren ein wenig zu veräppeln. Der eine war sehr zurückhaltend, der andere machte mit und frotzelte zurück. Als wir die Bedienung baten, den beiden Patres doch einen Schnaps zu spendieren, wurde diese sehr förmlich und fragte: “Wissen Sie eigentlich, wer diese Herren sind?“ Und auf unsere Verneinung erfuhren wir, es handele sich um den damaligen Bischof, Wilhelm Egger, und seinen Bruder, Kurt Egger. Wir verbrachten beinahe jeden Abend zusammen, und es war sehr lustig und nett.

Ein Jahr später, als wir wieder den Urlaub in Südtirol verbrachten, verstarb plötzlich der Bischof an einem Herzinfarkt im Alter von 68 Jahren. Diese Nachricht berührte mich tief, und ich setzte alle Hebel in Bewegung, um seinen Zwillingsbruder zu finden, da ich das Bedürfnis hatte, ihm zu sagen, wie traurig mich diese Nachricht machte, und weil ich ihm Trost spenden wollte. Ich fand ihn dann tatsächlich, und seither verbindet uns eine E-Mail-Freundschaft. Jedes Mal, wenn ich in Südtirol bin, treffen wir uns auch.

Schon nach der ersten Begegnung mit dem Bischof hatte ich es mir zur Angewohnheit gemacht, immer wieder mal die Homepage der Diözese Bozen-Brixen www:bz-bx.net zu besuchen, einfach nur mal um nachzusehen, was gerade dort aktuell ist.

An einem 24. Februar, dem Todestag von Josef Mayr-Nusser, stand dort ein Artikel über dessen Tod in Erlangen am Bahnhof in einem Viehwaggon. Von diesem Moment an begann ich, mich für Mayr-Nusser zu interessieren. Ich las alle Literatur über ihn, dann aber dachte ich mir, ich sollte doch auch im Stadtarchiv Erlangen nachschauen, ob es da etwas über ihn gebe. Das war auch der Fall.

Josef Mayr-Nusser 2

Über all diese Funde und meine Erkenntnisse informierte ich Pater Kurt Egger und nervte ihn vielleicht sogar ein wenig, denn eines Tages meldete sich bei mir per E-Mail Dr. Josef Innerhofer, der Postulator des Seligsprechungsverfahrens für Josef Mayr-Nusser, und erklärte mir, er sei ein Freund von Pater Kurt und wisse von diesem, wie sehr ich mich für den Märtyrer interessiere. Er bot mir an, mich mit allen Fragen, die ich dazu hätte, jederzeit an ihn zu wenden. So ein Angebot darf man mir nicht machen; ich habe weitgehend davon Gebrauch gemacht. Das war aber auch sehr schön, denn Dr. Josef Innerhofer berichtete mir auch von seinen Schwierigkeiten mit dem Seligsprechungsverfahren, von der Unzufriedenheit der Verantwortlichen in Rom wegen des Fehlens diverser Unterlagen, weshalb man nicht alles über das Sterben von Josef Mayr-Nusser zusammentragen könne. In Absprache mit ihm machte ich mich dann auf den Weg und suchte nach allem, was in Erlangen oder im Archiv in Bamberg noch zu finden war. Ich machte Kopien, die ich nach Bozen schickte, und beim nächsten Auftrag zog ich wieder los. Es war eine sehr schöne Detektivarbeit. Aber sie machte auch stolz auf die deutsche Gründlichkeit. Denn am Friedhofsamt war noch alles erhalten, und man konnte auch genau rekonstruieren, wo das sich das erste Grab von Josef Mayr-Nusser befunden hatte. Aber auch in der Pathologie war noch der Obduktionsbericht zu finden. Letztendlich waren es wohl auch jene Unterlagen, die als letzte Mosaiksteinchen für die Seligsprechung benötigt wurden.

Im Jahre 2014 feierte der Haus und Grundbesitzerverein Erlangen sein 120jähriges Bestehen in einem Festakt auf Schloß Atzelsberg. Nachdem ich die Vorsitzende dieses Vereines bin und wir immer besondere Redner für unsere Feierlichkeiten haben wollen, bat ich Dr. Innerhofer, über die schwierigen Verhältnisse in Südtirol und über Josef Mayr-Nusser zu referieren. Das Thema lautete: „Haus und Hof verloren, die Optionszeit und die Verwerfungen in der Geschichte Südtirols“. Der Referent kam in Begleitung von Pater Kurt nach Erlangen und hielt einen außerordentlich bewegenden Vortrag. Zu dieser Veranstaltung hatte ich auch Herrmann Kaiser, den damaligen Leiter der Josef-Mayr-Nusser-Fachakademie eingeladen.

Als sich die Genehmigung der Seligsprechung abzeichnete, erhielt ich über Dr. Innerhofer die Mitteilung, der Abgeordneter der Südtiroler Volkspartei, Herbert Denicolo, würde gerne nach Erlangen kommen, um die letzten Aufenthaltsorte von Josef Mayr-Nusser zu sehen, und er bat um eine Führung. Dabei erwähnte er auch, er würde gerne mit Oberbürgermeister Dr. Florian Janik sprechen. Eine Anfrage im Rathaus wurde positiv verbeschieden, und als Herr Denicolo kam, zeigte ich ihm Erlangen. Zusammen mit Herrmann Kaiser von der Fachakademie waren wir beim Essen und besuchten anschließend den Oberbürgermeister, der sich überzeugen ließ, unbedingt an der Seligsprechung am 18. März 2017 in Bozen teilzunehmen.

Das tat er dann auch, und ausgerechnet während der Messe dachten dann die beiden Stadtoberhäupter, man könne sich doch eine Städtepartnerschaft vorstellen. Renzo Caramaschki wurde auch nach Erlangen eingeladen, was dann wohl dazu den Ausschlag für die Partnerschaft gab.

Die Fachakademie in Baiersdorf organisierte nochmals eine Seligsprechungsfeier, bei der Dr. Josef Innerhofer wieder als Redner auftrat.

Josef Mayr-Nusser 4

(2.v.r. Ulrike Männlein)

Im Sommer 2017 erhielt ich eine weitere Anfrage einer Familie Wallnöfer aus Bozen, ihr Erlangen und die letzten Orte von Josef-Mayr-Nusser zu zeigen, weil die Dompfarre Bozen eine Busreise nach Erlangen plane und diese vorbereitet werden solle. Auch dieser Besuch kam zustande und war sehr nett und befruchtend. So wurde aus einer Urlaubsbekanntschaft und persönlicher Neugierde plötzlich eine Grundlage für Gemeinsamkeiten zweier Städte, die ein Seliger verbindet. Ich glaube nicht an Zufälle. Das hat so sein sollen.

Ich wünsche mir, diese Städtepartnerschaft möge wunderbar befruchtend für beide Seiten werden.

Dr. Ulrike Männlein, Erlangen 19. Juli 2018

01.08.2018
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