Sie haben Javascript deaktiviert und können somit nicht alle Funktionen dieser Website benutzen. Um Ihnen ein bestmögliches Surferlebnis zu ermöglichen, sollten Sie Javascript in Ihrem Browser aktivieren.

Grün in der Stadt Aktuelles

Eine Insel für Insekten

„Da, schauen Sie, eine Hummel!“ Dorothea Kämpf hat den knappen Platz ihres Südbalkons Erlangens Bienen, Marienkäfern und anderen Insekten gewidmet. Seit diesem Frühjahr gestaltet sie ihn konsequent naturnah um.

Gießen, ein paar verwelkte Blüten abknipsen, die gelben Sonnenschirme aufspannen und sich an allem, was da wächst, summt und brummt erfreuen. Für Dorothea Kämpf hat sich der morgendliche Gang auf den Balkon zu einer Routine entwickelt, die sie nicht mehr missen möchte. Seit ein paar Monaten verwandelt sie ihre wenigen Quadratmeter in ein wahres Insekten- und Bienenparadies, mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Inspiriert und euphorisiert haben sie das in Bayern erfolgreiche „Volksbegehren Artenvielfalt“ und ein Vortrag über naturnahe Gärten und Balkone, der praktisches Wissen vermittelte. „Es gehört schon mehr dazu, als Erde in einen Topf zu schichten, ein paar Samen reinzudrücken und zu gießen. Aber gerade das Dazulernen macht mir Freude.“

Gießen, pflegen und genießen gehören auf dem Balkon zur täglichen RoutineDorothea Kämpf und ihr Hund genießen ihre grüne Oase

Jeder Blumentopf birgt eine andere Herausforderung, jede Pflanze hat ihre eigenen Bedürfnisse. „Mohn beispielsweise ist ein Frostkeimer“, weiß Dorothea Kämpf. Schneckenhäuser sind nicht nur dekoraktiv, sie dienen Wildbienen als Nisthilfen. Pflanzen hassen Staunässe, sollten aus ökologischen Gründen unbedingt in torffreie Erde gesetzt werden. Hummeln übernachten schon mal in Glockenblumenblüten. Brennnesselsud ist ein natürlicher Dünger und hilft gegen Läuse. Noch besser ist es aber, ihre natürlichen Feinde, die Marienkäferlarven, auf den Balkon zu lassen.  Auf Chemie verzichtet Dorothea Kämpf ganz. „Auf meinem Balkon gibt es nur Bio-Futter für Bienen“, lächelt sie. Und das in Form einer reichen Auswahl an unterschiedlichsten Wildblumen. Für Geranien haben nicht nur Bienen, sondern auch Dorothea Kämpf nichts übrig. Stattdessen gedeihen auf ihrem Balkon unter anderem Ringelblumen, Spinnenblumen, Mohn, Kapuzinerkresse, Klee, Kornblumen, Zitronenmelisse und Glockenblumen. „Und ich kenne immer noch viel zu wenige Pflanzen. Unfassbar, dass ich bislang immer an Wiesen vorbeigelaufen bin, ohne zu wissen, was da eigentlich wächst.“

Ihren Balkon findet Dorothea Kämpf längst „viel spannender als Fernsehen“. Und auch Hund Kito fühlt sich hier wohl. Ihre Neugierde kultiviert Dorothea Kämpf wie ihre Pflanzen. Sie will dazulernen. Von Menschen, die sich auskennen. Aber auch selbst ein Vorbild sein, andere anstecken mit der eigenen Begeisterung. „Wir müssen alle umdenken. Verstehen, dass Naturschutz auf unserem Balkon anfangen kann. Nicht jeder muss das so umfassend machen wie ich. Ein paar Kästen mit bienenfreundlichen Wildblumen genügen schon.“ Ihre Mühe zahlt sich aus. Es summt und brummt auf ihrem Balkon. Aus Konservendosen und geschichteten Brutröhrchen aus Bambus hat sie mehrere Bienenhotels gebastelt. Die meisten sind besetzt. Vögel finden auf Dorothea Kämpfs Balkon Nistmaterial aus Schafwolle, Moos und feinem, trockenem Gras.

Viele Balkone findet Dorothea Kämpf „schrecklich kahl“. Minimalistischen Gartentrends wie Rollrasen und Kies kann sie nichts abgewinnen. „Mein Balkon hat sicher ein anderes Konzept, eine andere Ästhetik. Hier darf und soll es wuchern und wild wachsen. Er ist ein naturnaher Gegenentwurf zur deutschen Gründlichkeit.“ Und sicher ein Beispiel für ein Umdenken in Sachen Begrünung. Denn auch Fehler machen dürfen gehört für Dorothea Kämpf dazu. Sie setzt sich für mehr Aufklärung ein: „Wir müssen die Menschen in ihrem Alltag abholen und bei der praktischen Umsetzung unterstützen. Am besten von klein auf. Wer sich früh für die Natur und ihren Schutz begeistert, behält das ein Leben lang bei. Und hat auch den Mut weiterzumachen, wenn die Samen mal nicht gleich aufkeimen.“

30.10.2019
» zurück zur Übersicht