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Grün in der Stadt Aktuelles

Naturgarten in der Stadt - Das Gemeinschaftsprojekt als Kurzfilm

Eine von Graffitis übersäte Lärmschutzwand direkt an den Bahngleisen. Davor undurchdringliches Gestrüpp. So sieht es aus, das kleine Fleckchen Erde, das direkt an einen der vielen Fuß- und Radwege Erlangens angrenzt und das die meisten Passanten wohl gar nicht bemerken. Nicht so Elisabeth Grozev. Die zweifache Mutter beschließt im Frühjahr, den schmalen Grünstreifen ohne Zweck nahe des Färberhofs umzukrempeln und neu zu nutzen. „Ich wollte etwas tun und an den Erfolg des Volksbegehrens Artenvielfalt anknüpfen. Ich sah mich in meinem Wohngebiet um und stellte fest: Hier gibt es wirklich zu wenig für Wildbienen und andere Insekten. Und genau das wollte ich ändern.“ Zunächst holt sie sich die Erlaubnis der Stadt Erlangen für ihr insektenfreundliches Umgestaltungsvorhaben. Die Abteilung Stadtgrün bietet ihr an, eine kostenfreie Grünpatenschaft für die 180 qm große Fläche zu übernehmen. Es ist der Moment, in dem Elisabeth Grozev bewusst wird: „Ich will auch andere zum naturnahen Gärtnern bewegen.“

Ganz schön wild.

Also verteilt sie etwa 300 Flyer in den Briefkästen der Nachbarschaft. Persönliche Einladungen zu einer grünen Gemeinschaftsaktion. Sieben Nachbarinnen melden sich schließlich – Studentinnen, Doktorandinnen und berufstätige Mütter wie sie selbst. Das erste gemeinsame Treffen findet auf dem Spielplatz statt. Schnell wird die verfügbare Fläche aufgeteilt, jeder bekommt sein Stück Grün. Und alle Beteiligten dürfen damit grundsätzlich machen, was sie möchten. „Die Hauptsache ist aber, dass die Maßnahmen insektenfreundlich sind und keine Monokulturen angepflanzt werden“, sagt Elisabeth Grosev.

Melanie Lukić ist eine Unterstützerin der ersten Stunde. Seit April gärtnert sie begeistert mit. Sie hilft dabei, den Boden aufzuhacken, Sand unter die Erde zu heben, „weil Wildblumen magere Erde bevorzugen“ und transportiert Wasser an die Lärmschutzwand. Einen Wasseranschluss gibt es hier noch nicht, doch besonders in den ersten Wochen sind auch Wildblumensamen besonders durstig. Die Mühe zahlt sich aus. Mittlerweile sprießt und wächst das Grün überall. Malven, Farn, Schafgabe, Thymian, Beerensträucher, Zucchini- und Kürbispflanzen. „Und wir sind so gespannt, was noch alles kommen wird.“ Ein Hase besucht die Blühfläche regelmäßig, auch Spitzmäuse, Eidechsen und Wildbienen fühlen sich wohl im neuen naturnahen Grün. „Mit Ordnung hat dieser Naturgarten ganz bewusst nichts zu tun“, betont Elisabeth Grozev, die längst Gefallen an ihrem Grün in der Stadt gefunden hat.

Elisabeth Grozev hat eine Grünpatenschaft für eine Fläche der Stadt Erlangen übernommenDie Blühfläche bringt nicht nur Wildbienen, sondern auch Menschen zusammenAuch die kleinsten Gärtner packen mit an Auch eine Wildblumenwiese benötigen zu Beginn reichlich Wasser

Und auch die Passanten freuen sich über die Aktion. So mancher stiftet ihnen sogar ein paar Pflanzen. „Wir unterstützen uns alle gegenseitig. Das Gärtnern verbindet uns – untereinander und auch mit den Menschen, die vorbeispazieren. Das hat etwas sehr Soziales“, findet Elisabeth Grozev. Auch die Kinder helfen regelmäßig mit, haben Spaß am Gärtnern und lernen die Natur spielerisch kennen. Auch wenn sich die Blühfläche irgendwann zum Selbstläufer entwickeln soll, hat Elisabeth Grozev noch einiges vor mit der Gemeinschafts-Grünfläche. Die Lärmschutzwand soll irgendwann bunt gestaltet, vielleicht ein paar Hochbeete installiert werden. Gurken an den Gleisen, warum nicht? Ausreden lässt Elisabeth Grozev nicht gelten. Etwa eine halbe Stunde am Tag widmet sie sich ihrer Blühfläche. Manchmal mehr, manchmal weniger, je nach Wetter, Alltag und Laune. Zeit, die sie gut investieren kann und will, trotz Job und trotz zweier Kinder. „Es ist eine sinnvolle Aufgabe, die einem viel zurückgibt. Jeder, der wirklich etwas für eine insektenfreundlichere Stadt tun will, kann das auch tun. Ich habe mich getraut und es nicht eine Minute bereut. Keine Zeit zu haben, ist keine Ausrede.“

Das Gemeinschaftsprojekt als Kurzfilm.

18.11.2019
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