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Gedenkort Hupfla

Gedenken gestalten
Ein Lern- und Gedenkort für die Opfer der NS-„Euthanasie“ in Erlangen

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden aus der Heil– und Pflegeanstalt über 900 PatientInnen in den Tötungsanstalten Hartheim/Linz und Pirna-Sonnenstein ermordet. Darüber hinaus starben zwischen 1940 und 1945 etwa 1850 PatientInnen, davon wohl der größte Teil an den direkten und indirekten Folgen mangelhafter Ernährung. Im Jahr 2015 haben alle im Stadtrat vertretenen Fraktionen und Gruppierungen die Schaffung eines „Ortes der Erinnerung“ an diese Menschen beantragt und die Verwaltung gebeten, einen Dialog in Gang zu bringen (Fraktionsantrag 001/2015).

 

Forschungsprojekt

Mit Beschluss vom 28. März 2019 unterstützt der Stadtrat ein gemeinsames Forschungsprojekt von Stadtarchiv und Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität zur Aufarbeitung der Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt im Dritten Reich.

PDF-Downlad: Konzept Forschungsprojekt (Stadtratssitzung 28. März 2019)

 

Der Beirat

Im Februar 2017 konstituierte sich der Beirat für die Errichtung einer Gedenkstätte der „Euthanasie“-Opfer in der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen, dem Vertreter der Universität, des Universitätsklinikums, des Bezirks Mittelfranken, des Bezirksklinikums und der Stadt Erlangen angehören. Vertreten sind auch das Max-Planck-Institut, die jüdische Gemeinde und Privatpersonen. An den Sitzungen des Beirates nehmen auch der Oberbürgermeister (Vorsitz), die Referentin für Bildung, Kultur und Jugend sowie der Referent für Planen und Bauen teil. Die Geschäftsführung liegt beim Stadtarchiv.
Es handelt sich um ein beratendes Gremium, das keine rechtsbindenden Entscheidungen treffen kann, sondern nur Empfehlungen ausspricht. Entscheidungsträger sind je nach Zuständigkeit der Stadtrat oder die für die Bebauung des Geländes der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt zuständigen Institutionen.

Der Beirat bereitet erste Schritte für die Schaffung eines Lern- und Gedenkortes vor. In seiner Sitzung im März hat er empfohlen, die Einrichtung eines solchen Ortes im östlichsten Teil des Gebäudes Schwabachanlage 10 zu prüfen. Der Stadtrat ist dieser Empfehlung gefolgt.

Im Juli  wurde der renommierte Gedenkstättenexperte Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, gemeinsam mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Julius Scharnetzky beauftragt, ein Rahmenkonzept für eine künftige Gedenkstätte der Euthanasie-Opfer in Erlangen zu erarbeiten.

 

Zwischenbericht zum Lern- und Gedenkort für die Opfer der NS-"Euthanasie"

Im Verlauf der Diskussion in der Stadtöffentlichkeit rückte das Universitätsklinikum Ende 2018 mit Blick auf den Symbolwert des Gebäudes Schwabachanlage 10 als einzig verbliebenes Gebäude, welches mit den Opfern verknüpft ist, von der Notwendigkeit des vollständigen Abrisses des Gebäudes ab, um dem Beirat und der Stadtgesellschaft eine ergebnisoffene Diskussion über die Verortung der Gedenkstätte zu ermöglichen. Im Raum stand damals der Erhalt des sog. Ostkopfes, also des östlichen Abschlusses des Gebäudes Schwabachanlage 10. Im Juli 2019 wurden der renommierte Gedenkstättenexperte Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Julius Scharnetzky mit der Erstellung eines Rahmenkonzepts für einen künftigen Lern- und Gedenkort beauftragt.

Das Rahmenkonzept soll im Juni 2020 vorliegen und in geeigneter Form öffentlich vorgestellt werden. Schon bei der öffentlichen Auftaktveranstaltung im November 2019 haben Dr. Skriebeleit und Herr Scharnetzky dargelegt, dass bei den NS-Verbrechen in der Stadt auch andere Orte eine Rolle gespielt haben, der Fokus also erweitert werden müsse. Das Rahmenkonzept wird daher sowohl erste Aussagen zu Möglichkeiten des Gedenkens auf dem eigentlichen Areal der HuPfla, aber auch an anderen Orten in der Stadt enthalten, die mit Blick auf die Verbrechen eine Rolle gespielt haben. Anschließend wird das Rahmenkonzept den Ausgangspunkt für die Erarbeitung der Gesamtkonzeption des Gedenkens in der Stadt bilden. Mit Blick auf das Areal der HuPfla hat sich aus Sicht der Gedenkstättenexperten schon früh im Prozess herausgestellt, dass der bislang zum Abriss vorgesehene Mittelrisalit des Gebäudes Schwabachanlage 10 für das künftige Gedenken aus verschiedenen Gründen eine herausgehobene Rolle spielt.

 Aus Anlass einer Petition des Stadtheimatpflegers beim Bayerischen Landtag zum Erhalt des Gebäudes Schwabachanlage 10 fand im November 2019 eine Sitzung des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst des bayerischen Landtags statt. Im Ergebnis wurde das Klinikum beauftragt zu prüfen, inwiefern eine Umplanung der Gebäude TRC II und TRC III so möglich ist, dass das nach den Teilabbrüchen verbleibende Restgebäude (Mittelrisalit und Osthälfte) erhalten werden kann.

Angesichts dieser Entwicklungen - der aus Sicht der Gedenkstättenexperten herausgehobenen Rolle des Mittelrisalit und der vom Landtagsausschuss geforderten Umplanung - hat das Universitätsklinikum seine Planungen in den vergangenen Monaten überarbeitet. Im Ergebnis können die Gebäude TRC II und TRC III so angeordnet werden, dass für den Lern- und Gedenkort der Mittelrisalit des Gebäudes sowie jeweils ein kurzer Ost- und ein Westflügel (jeweils drei Fensterachsen, jeweils ca. 14 m Länge) erhalten bleiben können.

 

Mittelrisalit HPA

Fotos: Uni-Klinikum Erlangen

 

Auf Grund der Beschränkungen durch das Coronavirus fand am 25. Mai 2020 bei einem regulären Pressetermin der Zwischenbericht unter Anwesenheit von Pressevertretern als Videoaufzeichnung statt und ist hier für jeden einsehbar, um andere Wege der Beteiligung zu ermöglich.

Sollten Sie Fragen oder Anregungen zum Konzept für den Lern- und Gedenkort haben, wenden Sie sich bitte an: gedenken.gestalten@stadt.erlangen.de

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