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Pilotprojekt Street Art gestartet

Weltweit verwandeln Street Artists Häuser, Straßenecken oder Plätze in Bühnen für ihre Kunst und ziehen so die Blicke von Millionen an. Von spektakulären optischen Illusionen bis zum beißenden politischen Kommentar: Die Stile und Motive der Künstler*innen sind so beeindruckend wie vielfältig.

Als Kunstform kann Street Art den öffentlichen Raum aufwerten und einer Stadt besondere Strahlkraft verleihen. In der Erlanger Bürgerschaft entstand daher der Wunsch, Street Art vor Ort verstärkt Bedeutung beizumessen und nach Möglichkeit auch Flächen dafür zur Verfügung zu stellen.

Nun ist dafür ein Pilotprojekt gestartet. In Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, dem Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung und dem Amt für Gebäudemanagement wurde die Südfassade des Museumswinkels in der Gebbertstraße 1 für ein Street-Art-Kunstwerk freigegeben.

Unterstützt durch Carolina Martínez (Gründerin des Coworkingspace Kreativlabor, Erlangen) und Simon Horn (Künstler, Agentur Highlightz, Bonn) luden das Kulturamt und die Abteilung Bildende Kunst fünf renommierte Street-Art-Künstler*innen aus drei europäischen Ländern zu einem Wettbewerb ein.

Einzige inhaltliche Vorgabe seitens der Stadt an die Künstler*innen war dabei eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gebäudes, das 1893 gebaut und 1910 erweitert wurde. Früher gehörte es zum Fabrikgelände der Firma Reiniger, Gebbert und Schall (RGS, heute Siemens Healthineers). Nachdem 1895 die Röntgenstrahlen entdeckt wurden, fertigte man in der großen Maschinenhalle des Gebäudes medizinische Röntgengeräte. Heute befindet sich in diesen Räumen das Kulturamt der Stadt Erlangen, die Abteilungen Stadtplanung und Bauaufsicht sowie das Siemens Healthineers MedMuseum.

Im Rahmen des Einladungswettbewerbs setzte sich im Juni 2020 der Frankfurter Künstler Case Ma‘Claim (*1979 in Schmalkalden, Thüringen) mit seinem Entwurf durch. Er ist Gründungsmitglied der bekannten Ma’Claim-Crew und seit Jahren als Fotorealist in der Street-Art-Szene bekannt. In den Augen der Erlanger Kunstkommission überzeugte sein Entwurf sowohl durch die Gestaltung als auch durch eine geglückte Beschäftigung mit dem Gebäude. Der Vorschlag der Kommission wurde vom zuständigen Kulturausschuss angenommen.

 

1.    Platz: Case Ma‘Claim (DE)
https://www.instagram.com/case_maclaim/?hl=de (aus Datenschutzgründen bitte manuell öffnen)

Der Entwurf setzt sich mit der Körperhaltung von Menschen bei frühen Röntgenaufnahmen auseinander. Dabei ist häufig zu sehen, wie Patient*innen die Arme über den Kopf halten, während ihr Brustkorb durchleuchtet wird. Zu sehen ist eine Person als Halbakt, bei der sich fünf verschiedene Körperhaltungen überlagern – es wird also eine Körperdrehung um 180° dargestellt.


Das fertige Kunstwerk soll zusätzlich über eine App durch die Betrachter*innen animiert werden können. Im Entwurf ist lediglich eine Simulation des Werks zu sehen. Die tatsächliche Gestaltung wird sich an einem Wandbild orientieren, das Case Maclaim bereits in Milwaukee in den USA realisiert hat.



The Unsung Hero, Milwaukee, USA

2.    Platz: Vesod (IT)
https://www.instagram.com/vesod/ (aus Datenschutzgründen bitte manuell öffnen)

Der Entwurf Contatto spielt auf Michelangelos berühmtes Gemälde Die Erschaffung Adams in der Sixtinischen Kapelle in Rom an. Der Künstler Vesod zeigt allerdings zwei weibliche Figuren, die die sich selbst erforschende menschliche Natur symbolisieren sollen. Zu sehen sind außerdem Röntgenröhren, die für den medizinischen Fortschritt stehen.

3.    Platz: DAIM (DE)
https://www.instagram.com/mirkoreisser/ (aus Datenschutzgründen bitte manuell öffnen)

Der Graffiti-Künstler Mirko Reisser alias DAIM bezieht sich explizit auf die Röntgenstrahlung, die zu Anfang auch häufig als „X-Strahlung“ bezeichnet wurde. Ausgehend von einem großen X im Zentrum des Entwurfs sind Pfeile und andere Elemente zu erkennen, die als Strahlen gedeutet werden können. DAIM ist bekannt für seine dekonstruktive Typographie, die seinen Motiven Dynamik und Tiefe verleiht.

4.    Platz: Astro (FR)
https://www.instagram.com/astro_odv_cbs/?hl=fr (aus Datenschutzgründen bitte manuell öffnen)

Der Künstler Astro hat insgesamt vier verschieden Varianten seines Entwurfs eingereicht, die alle auf eine „Durchleuchtung“ des Gebäudes als optische Illusion anspielen. Auch er greift teilweise auf das X als Motiv zurück und gestaltet die Fassade darüber hinaus mit den für seinen Stil typischen Kalligraphien.


5.    Platz: Mad C (DE)
https://www.instagram.com/mad_c1/ (aus Datenschutzgründen bitte manuell öffnen)

Die Künstlerin Mad C alias Claudia Walde präsentierte einen Entwurf in den für ihre Werke charakteristischen leuchtenden Farbkombinationen und transparenten Ebenen. Normalerweise sind ihre Wandbilder ungegenständlich. Für den Museumswinkel benutzte sie jedoch das Motiv einer abstrahierten Hand als Verweis auf die Geschichte der Röntgenfotografie: W. C. Röntgen benutzte 1896 das Bild der durchleuchteten linken Hand des Mediziners Albert von Kölliker.

Das Kunstwerk von Case Ma’claim am Museumswinkel entsteht zwischen dem 24. August und dem 7. September 2020.

Am Montag, den 7. September 2020 findet ab 18:00 Uhr eine kleine Einweihungsfeier auf dem Parkplatz neben dem Museumswinkel statt – mit Burgern vom Food Truck „Pfundskerl“ und Musik!

Aufgrund der aktuellen Bestimmungen zum Infektionsschutz ist die Gästezahl auf maximal 200 Personen begrenzt. Bitte senden Sie zur Voranmeldung eine Mail mit Ihrem Vor- und Nachnamen, der Anzahl an teilnehmenden Personen aus dem gleichen Haushalt und einer Telefonnummer an info@kunstpalais.de. Bei schlechtem Wetter muss die Feier leider entfallen.

24.08.2020
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