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Weiterführende Informationen

Die wiederkehrende Überprüfung privater Abwasseranlagen

Warum müssen Kanäle überprüft werden?

Wie jedes andere Bauwerk unterliegt auch ein Abwasserkanal einem natürlichen Alterungsprozess. In bestimmten Zeitabständen ist es deshalb notwendig, den Zustand des Kanals überprüfen zu lassen. Undichte Abwasserleitungen haben Auswirkungen auf die Umwelt: Durch austretendes Abwasser werden Boden und Grundwasser verunreinigt. Schon seit langem findet bei den öffentlichen Kanälen eine regelmäßige Inspektion statt.


Rechtliche Grundlage für die Überprüfungspflicht von privaten Abwasseranlagen ist die Entwässerungssatzung (EWS) der Stadt Erlangen in Verbindung mit dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG). Gemäß § 12 Abs. 1 Punkt 2 der Entwässerungssatzung (EWS) müssen Kanäle und Einbauten zur Ableitung von häuslichem Abwasser ohne Dichtheitsnachweis erstmals bis zum 31.12.2015 überprüft werden. Die Überprüfung ist vom Grundstückseigentümer zu veranlassen.

 

Welche Kanäle müssen überprüft werden?

Alle Teile der Grundstücksentwässerungsanlage (somit auch Schachtbauwerke und Abscheideranlagen) mit Anschluss an die öffentliche Kanalisation, die im Erdreich oder unter Gebäuden verlegt sind, müssen überprüft werden.

Gleiches gilt für die Hausanschlusskanäle auf öffentlichem Grund und den Anschluss am öffentlichen Kanal.

Eine Überprüfungspflicht gilt auch für gemeinschaftliche Kanäle (z.B. bei Garagenhofanlagen, Reihenhäusern). Über die vom Einzelnen zu tragenden Kostenanteile müssen sich die Grundstückseigentümer untereinander auf privatrechtlicher Basis einigen.

Eine Überprüfung ist nicht erforderlich bei

  • Regenwasserleitungen, die an einen Regenwasserkanal im Trennsystem angeschlossen sind
  • Abwasserleitungen der Hausinstallation, die innerhalb von Gebäuden liegen (Anschlussleitungen von Sanitärgegenständen, Fallrohre, sichtbare Sammelleitungen)


Aus wirtschaftlichen Gründen kann es sinnvoll sein, wenn sich mehrere Grundstückseigentümer zusammenschließen und die Prüfung gemeinsam beauftragen.


Was sind die Voraussetzungen für die Überprüfung?

Nehmen Sie die genehmigten Grundstücksentwässerungspläne aus Ihren Bauunterlagen zur Hand und verschaffen Sie sich vor der Überprüfung einen Überblick über Ihre Entwässerungsanlage. Anhand der Pläne können Angebote von Fachfirmen eingeholt werden. Sollten diese nicht verfügbar sein, kann im Regelfall eine Plankopie beim Stadtarchiv der Stadt Erlangen (Telefon 09131/86-2219) angefordert werden.

Wie wird die Überprüfung durchgeführt?

Nach einer Vorreinigung durch Hochdruckspülung erfolgt die Überprüfung der Kanäle mittels Kamerabefahrung. Für die Schächte ist eine Sichtprüfung ausreichend. Ausgangspunkt der Inspektion ist in der Regel ein im Grundstück vorhandener Revisionsschacht. Es ist empfehlenswert, vorab die Lage der Kontrollschächte und der Reinigungsöffnungen im Gebäude zu ermitteln und zugänglich zu machen.

Eine Druckprüfung (Wasserstandsfüllung) ist grundsätzlich nicht erforderlich, lediglich wenn eine Kamerabefahrung nicht durchführbar ist oder kein eindeutiges Prüfergebnis liefert, bzw. als nicht ausreichend zur Feststellung der Dichtheit angesehen wird, muss eine solche durchgeführt werden.

Im Einzelfall kann es notwendig werden, dass Reinigungsöffnungen oder ein Revisionsschacht nachgerüstet werden müssen, um die Prüfung durchführen zu können. Bitte beachten Sie, dass bei wesentlichen Änderungen an der Abwasseranlage (z.B. Leitungsumlegungen, Einbau eines Revisionsschachtes etc.) rechtzeitig vor Baubeginn eine entwässerungstechnische Genehmigung beim Bauaufsichtsamt der Stadt Erlangen einzuholen ist.

Wer führt die Überprüfung durch?

Mit der Untersuchung sind fachkundige Firmen zu beauftragen. Die Firmen sollten:

  • Entweder im Besitz des „Gütezeichens Kanalbau“ der Gruppe „I“ (Inspektion) sein,
  • oder im Besitz des „Gütezeichens Grundstücksentwässerung der Gruppe „G“ sein,
  • oder dem „Verband deutscher Rohr- und Kanaltechnikunternehmen“ (VDRK) angehören und mit den Gütesiegeln „RR“ (Rohrreinigung) und „I“ (Inspektion) zertifiziert sein,
  • oder ein DWA-Ki-Zertifikat (Kanalinspektionszertifikat der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall) besitzen.


Entsprechende Fachbetriebe sind z.B. auf der Internetseite www.erlangen.de/fachlichgeeigneteunternehmer zu finden.

Prüfprotokolle von Firmen ohne Fachkundenachweis können leider nicht anerkannt werden.

Vorsicht: Lassen Sie sich nicht auf Haustürgeschäfte ein, sondern fordern Sie immer ein schriftliches Angebot von seriösen Fachfirmen an.

 
Was ist zu tun, wenn Schäden festgestellt wurden?

Wurden bei der Überprüfung Schäden (Verwurzelungen, Risse, Scherben etc.) festgestellt, so sind diese zeitnah zu sanieren.

Anhand der Videobefahrung kann Ihnen dann die Fachfirma nachhaltige Sanierungsmethoden empfehlen. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Sanierungsmöglichkeiten, bei denen die Dichtheit des Kanals wieder hergestellt werden kann, ohne Oberflächen oder den Kellerfußboden aufbrechen zu müssen. Ein weiterer Vorteil dieser grabenlosen Verfahren (z.B. Inlinerverfahren) besteht im geringen Zeitaufwand.

Bei älteren Kanälen mit umfangreichen Schäden, z.B. unter der Bodenplatte, sollte man aber auch Überlegungen wie Leitungsstilllegungen, sichtbare Neuverlegung von Teilstrecken in Kellerräumen, aber auch in offener Bauweise im Außenbereich nicht außer Acht lassen. Die Genehmigungspflicht ist hierbei im Einzelfall bei der Stadt Erlangen zu erfragen.

 
Grundsätzlich gilt:

Informieren Sie sich ausführlich und vergleichen Sie mehrere Angebote. Es gibt oft unterschiedliche Sanierungskonzepte für Ihren speziellen Schadensfall. Das Bauaufsichtsamt der Stadt Erlangen (Bereich Grundstücksentwässerung) steht Ihnen für technische Beratung jederzeit zur Verfügung.

Wurde die Sanierung beendet, muss der Kanal mittels Dichtheitsprüfung auf Dichtheit überprüft werden (Abnahmeprüfung).

 
Was ist nach Abschluss der Überprüfung zu tun?

Nach einer Sanierung ist die Abnahmeprüfung – Protokoll und Entwässerungsplan – dem Bauaufsichtsamt Abt. Grundstücksentwässerung unaufgefordert vorzulegen.

Wenn die Entwässerungsanlage schadensfrei war, bewahren sie bitte die von der Fachfirma angefertigten Prüfunterlagen sorgfältig bei sich auf. Bei nicht mehr vorhandenen Nachweisen muss die Prüfung wiederholt werden.

Diese sind:

  • Prüfprotokoll
  • Entwässerungsplan, auf dem die untersuchten Leitungen markiert wurden
  • Videomitschnitt der Befahrung in digitaler Form (CD, DVD)
  • Befahrungsprotokoll (Haltungsgrafik)


Zur Vorlage der Unterlagen bei der Behörde werden wir Sie zu einem späteren Zeitpunkt mit einem separaten Anschreiben auffordern.

Welche Überprüfungsfristen gelten?

Eine Dichtheitsprüfung, die beim Neubau der Grundstücksentwässerungsanlage durchgeführt wurde, zählt als erstmalige Überprüfung. Dies ist bei Neubauten ab dem Jahr 1992 der Fall. Wurde die Grundstücksentwässerungsanlage beim Bau nicht überprüft, so ist eine Überprüfung mit eventueller Sanierung unverzüglich nachzuholen.

Die Überprüfungsfristen sind abhängig von der Art des abgeleiteten Abwassers und der Lage des Grundstücks:

Häusliches Abwasser

Der Nachweis ist erstmalig bis spätestens 31.12.2015 zu erbringen, sodann wiederkehrend alle 20 Jahre mittels Kamerabefahrung.

Erfolgte Prüfungen (Druckprüfung) von Neubauten mit Benutzung eines vorher bestehenden Anschlusskanals gelten 20 Jahre.

Erfolgte Prüfungen (Druckprüfung) von Neubauten mit neu errichtetem Anschlusskanal gelten einmalig 30 Jahre.


Generell gilt für zwischen dem 01.01.2010 und dem 31.12.2015 durchgeführte Prüfungen mittels Kamerabefahrung der Wiederholungstermin zum 01.01.2036.

 
Anlagen im Wasserschutzgebiet

Eine Überprüfung muss alle 5 Jahre, bei Ausnahmeregelung alle 10 Jahre mittels Druckprüfung erfolgen.


Wichtiger Hinweis:

Bitte beachten Sie den für Ihr Anwesen gültigen Prüftermin. Wird die Prüfpflicht nicht erfüllt, stellt dies nach Entwässerungssatzung (EWS) eine mit Bußgeld belegte Ordnungswidrigkeit dar.

Sie haben noch Fragen? Für Rückfragen steht Ihnen das Bauaufsichtsamt der Stadt Erlangen (Bereich Grundstücksentwässerung) gerne zur Verfügung.

 

Telefon 09131/86-1041 und 86-1017

Telefax 09131/8677-1041 und 8677-1017

14.06.2017
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